Auf einen Blick

  • Der Irankrieg hat die Hoffnung auf eine Erholung in der bayerischen Wirtschaft zerschlagen. Der BIHK-Konjunkturindex fällt um 6 Zähler auf 101 Punkte und liegt damit seit drei Jahren unter dem Langzeitdurchschnitt von 111 Punkten.

  • Beide Indexkomponenten geben nach: Die Geschäftslage bleibt im Tief gefangen. Alle Branchen rechnen mit schlechteren Geschäften.

  • Die Zurückhaltung der Unternehmen bei Inlandsinvestitionen verfestigt sich. Geopolitische Unsicherheit und anhaltend unattraktive wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen verstärken diese Entwicklung.

  • Der Stellenabbau nimmt weiter zu. Hohe Kosten und schwache Perspektiven zwingen Unternehmen in allen Branchen zum Beschäftigungsabbau.

Inhalt

BIHK-Konjunkturumfrage

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Befragungszeitraum

13.04.2026 bis 24.04.2026

Eingegangene Unternehmensantworten

3.400

Frühjahr 2026: Hoffnung auf Erholung zerschlagen

Die Folgen des Irankriegs haben die Hoffnung auf eine Erholung in der bayerischen Wirtschaft zerschlagen. Sprunghaft gestiegene Energiepreise und erste Lieferschwierigkeiten verpassen der Stimmung in der bayerischen Wirtschaft einen deutlichen Dämpfer. Der aus Lageurteilen und Erwartungen zusammengesetzte BIHK-Konjunkturindex fällt gegenüber Jahresbeginn um 6 Zähler auf 101 Punkte und liegt damit seit drei Jahren unter dem Langzeitdurchschnitt von 111 Punkten. Trotz zusätzlicher Arbeitstage und eines stärkeren Fiskalimpulses im Vergleich zum Vorjahr ist für 2026 nur noch mit einem schwachen Wachstum zu rechnen.

Die Geschäftslage bleibt im Tief gefangen: Mit einem Saldo von 9 Punkten gibt sie gegenüber Jahresbeginn leicht nach und befindet sich seit über zwei Jahren unter dem Langzeitdurchschnitt von 17 Punkten. Zufrieden zeigen sich per Saldo weiterhin die Dienstleister, wenn auch weniger als zuletzt. Im Baugewerbe überwiegen die positiven Lageurteile leicht – eine saisonübliche Verbesserung gegenüber Jahresbeginn. In der Industrie halten sich gute und schlechte Lageurteile die Waage. Die Auftragslage aus dem In- und Ausland hat sich von niedrigem Niveau aus verbessert. Im Handel und im Tourismus dominieren dagegen die negativen Lageeinschätzungen. Der Kaufkraftverlust der Konsumenten macht sich hier bereits bemerkbar.

Die Geschäftserwartungen brechen deutlich ein. Gegenüber Jahresbeginn sinkt der Indikator um 10 Zähler auf -6 Punkte. Damit sind die Erwartungen seit vier Jahren unter dem Langzeitdurchschnitt von 7 Punkten – so lange wie noch nie zuvor. Der Pessimismus überwiegt in allen Branchen. Leichte Skepsis zeigt sich bei den Dienstleistern und in der Industrie. Im Handel, Baugewerbe und Tourismus sind die Aussichten äußerst düster.

Die Unzufriedenheit mit den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen ist weiterhin über alle Branchen hinweg nahe dem Negativrekord vom Vorjahr. Entsprechend sind die Unternehmen mit Inlandsinvestitionen äußerst zurückhaltend. Die Entwicklung spiegelt sich auch in den Beschäftigungsplänen wider: Hohe Arbeitskosten und schwache Perspektiven zwingen die Unternehmen in allen Branchen zum Beschäftigungsabbau.

65% der Unternehmen sehen in den Energie- und Rohstoffpreisen ein Geschäftsrisiko – ein sprunghafter Anstieg gegenüber Jahresbeginn. Der Rekordwert vom Herbst 2022 wird jedoch noch nicht erreicht.

Konjunkturbericht Frühjahr 2026

Impulse für die Wirtschaftspolitik: Reformen jetzt!

  • Arbeitskosten als Geschäftsrisiko entschärfen: Sozialversicherungsbeiträge dauerhaft auf maximal 40 Prozent der Bruttolöhne zurückführen.

  • Unternehmensinvestitionen und Mehrarbeit stärken: Körperschaftsteuersenkung auf 2027 vorziehen, Mittelstandsbauch in der Einkommensteuer abflachen, Schutz von Betriebsvermögen bei der Erbschaftsteuer erhalten.

  • Sonderverschuldung nicht für Haushaltslöcher missbrauchen: wachstumsfördernde Investitionen in den Kernhaushalten von Bund und Ländern sowie im Klima- und Transformationsfonds verbindlich absichern.

  • Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigen: Infrastrukturprojekte als überragendes öffentliches Interesse priorisieren und neue Blockaderisiken verhindern.

Industrie: Geschäftslage bleibt stabil

  • In der Industrie halten sich gute und schlechte Lageurteile die Waage. Die Auftragslage aus dem In- und Ausland hat sich von niedrigem Niveau aus verbessert, bleibt per Saldo aber negativ. Die Aussichten für die kommenden Monate sind angesichts der geopolitischen Verwerfungen und der daraus resultierenden Folgen trüb.
  • Als größtes Risiko sehen die Industrieunternehmen
    die Energie- und Rohstoffpreise an. Sorgen bereiten auch die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Das Risiko Arbeitskosten erreicht einen neuen Rekordwert.

Dienstleistungen: Zufriedenheit lässt nach

  • Die Dienstleister sind, mit einzelnen Ausnahmen wie etwa der Logistikbranche, weiterhin zufrieden mit ihren Geschäften, jedoch weniger als zuletzt. Die Aussichten für die kommenden Monate haben sich spürbar eingetrübt. Die schwache gesamtwirtschaftliche Entwicklung dürfte die Stimmung drücken.
  • Die größten Risiken sehen die Dienstleister in den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und in der Inlandsnachfrage. Auch die Energie- und Rohstoffpreise belasten mehr als jedes zweite Unternehmen.

Handel: Stimmung angespannt

  • Im Handel überwiegen die negativen Lageeinschätzungen. Im Großhandel verbessert sich die Lage immerhin von niedrigem Niveau aus; der Einzelhandel ist äußerst unzufrieden. Die Aussichten im Handel sind deutlich pessimistischer als zuletzt, die geringere Kaufkraft der Konsumenten dürfte dazu beitragen.
  • Die Inlandsnachfrage bleibt das größte Risiko. Auch die Energie- und Rohstoffpreise und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen bereiten den Unternehmen Sorgen.

Baubranche: Aussichten eingetrübt

  • Im Baugewerbe verbessert sich die Geschäftslage gegenüber Jahresbeginn saisonüblich leicht. Im Vergleich zum Vorjahr laufen die Geschäfte im Hochbau schlechter und im Tiefbau und Ausbaugewerbe besser. Die Aussichten für die kommenden Monate sind hingegen in der gesamten Branche düster. Dazu tragen höhere Baukosten bei.
  • Die Energie- und Rohstoffpreise sind für die Bauunternehmen das zentrale Risiko. Die Arbeitskosten erreichen bei der Risikonennung einen neuen Höchststand. Auch die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen werden von mehr als jedem zweiten Betrieb als Risiko genannt.

Tourismus: Frühjahresbelebung fällt aus

  • Im Tourismus laufen die Geschäfte deutlich schlechter als zu Jahresbeginn und im Vorjahr. Besonders Reisebüros, Reiseveranstalter und Omnibusunternehmen stehen unter Druck. Mit Blick auf die kommenden Monate sind die Betriebe äußerst pessimistisch – der Irankrieg verhindert die übliche Frühjahresbelebung.
  • Hohe Kosten und geringere Kaufkraft der Konsumenten belasten die Branche. Die größten Risiken sind Energie- und Rohstoffpreise, Arbeitskosten sowie die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen.

Kontakt

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Yannik Hahn

Referent Wirtschaftspolitik und Konjunktur