Digitale Kompetenzen sind die Grundlage für erfolgreiche Digitalisierung. Doch im internationalen Vergleich steht Deutschland bei digitalen Kompetenzen in Unternehmen sowie bei Schülern und Hochschulabsolventen als zukünftigen Mitarbeitenden nur mittelmäßig da.

Die IHK-Vollversammlung sprach sich auf ihrer Sitzung im März 2026 daher für breit verankerte, digitale Grundkompetenzen aus. Notwendig sind zudem spezialisierte IT-Fähigkeiten, um Schlüsseltechnologien zu entwickeln, Effizienzpotenziale auszuschöpfen, Geschäftsmodelle zu transformieren und neue Märkte zu erschließen.

Dafür muss an vielen Hebeln angesetzt werden, und Maßnahmen müssen auf unterschiedliche Zielgruppen wirken.

Digitale Anwenderkompetenzen sind die benötigten Fähigkeiten und Kenntnisse, um Informations- und Kommunikationstechniken sowie digitale Medien zu verstehen und zu nutzen. Darüber hinaus sind weitergehende digitale Fachkompetenzen wie Programmie-ren oder Implementieren digitaler Geschäftsprozesse notwendig, um neue Technologien und Geschäftsmodelle zu entwickeln und so die Digitalisierung weiter voranzutreiben. Daten- und KI-Kompetenzen sind in variierender Intensität Teil davon.

Fach- wie Anwenderkompetenzen sind grundlegende Voraussetzungen, um den digitalen Wandel und technologische Innovationen in Bayern, Deutschland und der EU zu ermöglichen. Deshalb müssen digitale Kompetenzen über alle Lebensphasen und Zielgruppen hinweg spürbar ausgebaut werden. Ziele müssen dabei eine digitalaffine Gesellschaft, führende Wissenschaft in Spitzentechnologien und vor allem Unternehmen sein, die mit ihren Mitarbeitenden die Chancen der Digitalisierung voll ausschöpfen und damit ihre Zukunft sichern.

Die im Koalitionsvertrag des Bundes angekündigte altersübergreifende „Digitale Kompetenzoffensive“ soll diese Ziele aufgreifen und wirksam umsetzen. Das erfordert eine konsequente Zusammenarbeit verschiedener Ressorts und der föderalen Ebenen von Bund, Ländern und Kommunen. Klare Ziele, Verantwortlichkeiten, Meilensteine und Maßnahmen müssen dafür festgelegt und Best Practices aus anderen Ländern wie z. B. Österreich berücksichtigt werden.

Konkrete Vorschläge aus dem Positionspapier

Bildung: Umfassende Vermittlung von Digitalkompetenzen auf allen Bildungsebenen

Ein umfassender Aufbau von digitalem Wissen und Fähigkeiten während der Schul- und Ausbildungszeit ist das Fundament für digital kompetente Unternehmer/innen, Wissenschaftler/innen sowie Mitarbeitende von morgen. Deshalb braucht es auf allen Bildungs- und Ausbildungswegen entsprechende Maßnahmen:

  • Als Grundlage braucht es mehr praxisorientierten MINT-Unterricht von der Grundschule bis zum Abschluss in allen Schulformen. Außerdem müssen ausreichend Daten-, KI- und Medienkompetenz sowie Informatik vermittelt werden.
  • Die Vermittlung digitaler Kompetenzen und passende didaktische Konzepte müssen in der Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte umfassend vermittelt werden.
  • Bildungseinrichtungen müssen flächendeckend und zeitgemäß digital ausgestattet und der Digitalpakt 2.0 zügig umgesetzt werden.
  • Digitale Kompetenzen müssen interdisziplinär und bedarfsgerecht in allen Studiengängen und Ausbildungsberufen vermittelt werden.


Unternehmen: Die Kompetenzlücke in den Betrieben schließen

Der Bedarf an technologischem Know-how in Unternehmen wächst stetig - doch daran fehlt es oft. Folgende Maßnahmen sollen den Aufbau digitaler Kompetenzen in Unternehmen voranbringen:

  • Angebote zur digitalen Transformation bündeln, um Unterstützungsmaßnahmen für Unternehmen besser zu verzahnen und mehr Sichtbarkeit, Effizienz und wirkungsvollere Impulse für den Ausbau digitaler Kompetenzen zu erzielen.
  • Weiterbildungsangebote und deren Förderkonditionen effizient und transparent gestalten, um Komplexitäten für Unternehmen zu verringern.
  • Unternehmen bei der Umsetzung des regulatorischen Rahmens der Digitalisierung helfen.


Beschäftigte: Digitalen Kompetenzerwerb als lebenslangen Prozess etablieren

Der Anteil an Berufstätigen, die in den letzten zwei Jahren Weiterbildungsangebote genutzt haben um ihre digitalen Kompetenzen zu stärken, liegt bei lediglich 40 %. Der Erwerb digitaler Kompetenzen muss als lebenslanger Prozess angelegt, unterstützt und anerkannt werden:

  • Eine Kampagne soll Arbeitskräfte für den Ausbau digitaler Kompetenzen und lebenslanges Lernen gewinnen und auf die Angebote im Rahmen der „Digitalen Kompetenzoffensive“ hinweisen.
  • Es sollen modulare, praxisnahe Weiterbildungsformate und Microlearning-Zertifikate etabliert werden, um auch in kleineren Schritte und flexibel Kompetenzen zu erwerben.


Wissenschaft: Transfer in die Wirtschaft stärken

Digitale Kompetenzen sollen in Wissenschaft und Hochschulen weiter vorangetrieben werden und digitale Innovationen systematisch in Wirtschaft und Gesellschaft fließen. Dafür braucht es folgende Maßnahmen:

  • Die Forschung zu digitalen Spitzentechnologien muss langfristig gestärkt werden. Die Hightech Agenda des Bundes soll dazu zügig weiter konkretisiert, umgesetzt und mit der bayerischen Hightech Agenda effektiv verknüpft werden.
  • Die Attraktivität von IT-Studiengängen soll durch Beratungs- und Begleitangebote, z. B durch Mentorenprogramme oder Informationsangebote an Schulen, gestärkt werden, um die Anzahl von IT- und MINT-Studierenden zu vergrößern.
  • Der Wissens- und Technologietransfer aus der Wissenschaft muss ausgebaut werden, z. B. durch einen frühzeitigen stärkeren Austausch zwischen Forschung und Unternehmen über Plattformen, wie z. B. Digitalzentren.


Gesellschaft: Souveränen Verbraucher digital befähigen

Trotz einer insgesamt positiven Grundhaltung der deutschen Bevölkerung gegenüber der Digitalisierung fühlt sich jeder Vierte von der schnellen Entwicklung überfordert. Um eine ausgewogene und kompetente digitale Teilhabe am Markt zu ermöglichen, braucht es folgende Maßnahmen:

  • Ein freier und fairer digitaler Markt ist auf eine ausgewogene Regulierung und einen Verbraucher angewiesen, der informiert im Markt in die Verantwortung geht. Deshalb soll das Verbraucherleitbild die„Verbrauchermitverantwortung“ wieder stärker beachten und, wo nötig, der digitalen Befähigung des Verbrauchers Vorrang vorneuer Regulierung geben.
  • Wissen um und die Verwendung neuer Technologien und deren Möglichkeiten sollen durch niedrigschwellige Diskurs- und praxisorientierte Informationsangebote, z. B. in BayernLabs, Digitalzentren, Bibliotheken,Volkshochschulen etc. vermittelt werden.
  • Vertrauen in Digitaltechnologien sollen mit nutzerorientierten Lösungen der öffentlichen Verwaltung erhöht werden.


Die IHK-Forderungen zum Ausbau der digitalen Kompetenzen sind im Positionspapier ausführlicher dargestellt.