Frauen gründen und führen Unternehmen anders als Männer – und sie finanzieren sie auch anders. Was Gründerinnen und Unternehmerinnen zur Finanzierung wissen sollten.

Inhalt

Unternehmerinnen – Zahlen und Fakten

Auch wenn Gründerinnen und Unternehmerinnen inzwischen eine erhebliche Rolle in der Wirtschaft spielen, sind sie dennoch strukturell unterrepräsentiert.

  • Frauenanteil bundesweit: Bundesweit pendelt der Frauenanteil bei den Gründenden regelmäßig um die 39 Prozent ( KfW Gründungsmonitor 2026). Im Jahr 2025 sank der Anteil der Frauen auf 35 Prozent. Derzeit werden bundesweit rund 16 Prozent kleiner und mittelständischer Betriebe (KMU) von Frauen geführt (KfW Research 2026, Nr. 538).

  • Frauenanteil Bayern: Für Bayern meldet das Bayerische Landesamt für Statistik 2024 (bezogen auf 2022) einen Frauenanteil von 34 Prozent unter den Gründenden. In München und Oberbayern werden rund 30 Prozent der Unternehmen von Frauen geführt oder mitgeführt.

  • Startup- und Scaleup-Szene: Im technologieorientierten Startup-Sektor sind bundesweit lediglich 18,8 Prozent der Gründenden Frauen (Female Founders Monitor 2025). Diese Zahl umfasst auch Frauen in gemischten Teams. Nur 10,2 Prozent der Startups bestehen aus rein weiblichen Teams, 29,1 Prozent der Teams sind gemischt. In Bayern liegt der Frauenanteil sogar nur bei 17 Prozent (Bayern Startup & Scaleup Monitor).

  • Social Entrepreneurship: Anders ist es im Bereich der Sozialunternehmen. Laut
    dem Deutschen Social Entrepreneurship Monitor/DSEM, 2024 werden hier 80,9 Prozent der Unternehmen von Frauen mindestens mitgegründet, in Geschäftsführungen sind sie zu 46 Prozent vertreten.

  • Erfolgreiche Unternehmerinnen: Unternehmen mit weiblicher Geschäftsführung melden seltener Insolvenz an: Von 10.000 Unternehmen in Deutschland mit einem oder mehreren männlichen Geschäftsführenden melden 87 Insolvenz an, von 10.000 Unternehmen mit einer oder mehreren Frauen in der Geschäftsführung hingegen nur 40 (Wirtschaftsauskunft CRIF, 2025).

Herausforderung Finanzierung

Ein Unternehmen zu gründen, es weiterzuentwickeln und wachsen zu lassen, erfordert eine solide Finanzierung. Studien sowie Erfahrungen der IHK-Gründungsberatung belegen, dass Unternehmerinnen risikobewusster agieren und bereits anders gründen: häufiger im Nebenerwerb, als Freiberuflerin oder Soloselbstständige, seltener mit Mitarbeitenden oder im Gründungsteam, öfter im Dienstleistungsbereich mit Endkundenfokus. Auch verfolgen sie im Vergleich zu Männern weniger häufig ein Wachstumsziel und bewerten die Finanzierung als höhere Hürde.

Die Zahlen in diesem und dem folgenden Kapitel basieren, soweit nicht anders ausgewiesen, auf mehreren Studien. Dazu gehören der Female Founders Monitor 2025, die KfW-Research-Studie „Female Entrepreneurship“ (2022), die Studie „Zur Finanzierungssituation von jungen Unternehmen – eine genderspezifische Analyse“ des Instituts für Mittelstandsforschung (kurz IfM) aus dem Jahr 2025 sowie die Studie „She’s got Wings“ der Bertelsmann Stiftung von 2023.

Bestandsaufnahme und Herausforderungen von Gründerinnen und Unternehmerinnen bei der Finanzierung

Geringerer Anteil am gesellschaftlichen Gesamtvermögen

  • In Deutschland halten Frauen 43 Prozent des gesamten Vermögens, Männer 57 Prozent (Sozio-oekonomisches Panel/SOEP). Betrachtet man jedoch ausschließlich die Milliardenvermögen, entfällt auf Frauen nur ein Anteil von 29 Prozent, während Männer 71 Prozent der Milliardenvermögen besitzen (Oxfam 2025).

Gründungsfinanzierung

  • Mangelnde Eigenmittel: Diese stellen in Deutschland die größte Hürde für Gründungen dar und betreffen Frauen stärker als Männer. Das wird auch damit erklärt, dass Frauen über ein geringeres Geldvermögen verfügen – siehe oben.

  • Generell geringerer Einsatz von Finanzmitteln: Frauen setzen im Rahmen ihrer Existenzgründung im Durchschnitt seltener und weniger Finanzmittel als Männer ein.

  • Finanzierung durch Familie und Freunde: Sie finanzieren ihre Gründungen häufiger über Geld von Familie und Freunden oder über Förderkredite.

  • Selbstrationierung bei Bankkrediten: Frauen treten seltener mit einem Kreditwunsch an Banken heran, weil sie von Vornherein davon ausgehen, dass dieser abgelehnt wird – sie betreiben Selbstrationierung. Das IfM sieht zwar keine unmittelbare Benachteiligung von frauengeführten jungen Unternehmen bei der Kreditvergabe, dies bedeute aber nicht, dass Männer und Frauen bei der Kreditvergabe immer gleichbehandelt werden. Das IfM verweist etwa auf den Gender Bias (siehe unter Barrieren senken ).

  • Schlechter Zugang bei Venture Capital (VC): Frauen wollen grundsätzlich weniger VC einsetzen und bei Interesse an einer VC-Finanzierung erhalten sie seltener und im Durchschnitt weniger Wagniskapital. Lediglich fünf Prozent der VC-Deals in Deutschland entfielen im Jahr 2024 auf rein weibliche Gründungsteams. 12 Prozent gingen an gemischte Teams. Dagegen entfielen 82 Prozent der VC-Deals auf rein männliche Gründungsteams (KfW Research 2025, Nr.492). Gemischte Gründerteams erhalten ähnlich hohe Investitionssummen wie rein männliche Gründerteams.

  • Zugleich Aufbruch im VC-Bereich: Gleichzeitig zeigt sich aber auch folgende Entwicklung: Seit 2017 hat sich die Zahl der Risikokapitalfinanzierungen für Startups mit mindestens einer Gründerin fast verdoppelt, das investierte Kapital sogar vervierfacht.

Weitere Finanzierung nach der Gründung

  • Gender Financing Gap: 31 Prozent der Geschäftsinhaberinnen beklagen, nicht den gleichen Zugang zu Finanzierungen zu haben wie ihre männlichen Kollegen (iwoca 2023).

  • Weniger VC: Frauen haben es nicht nur grundsätzlich schwerer, eine VC-Gründungsfinanzierung zu erhalten, auch bei den Folgefinanzierungen haben sie Nachteile. Selbst wenn sie Deals erfolgreich abschließen, erhalten sie in den verschiedenen Finanzierungsrunden weniger Kapital. Bei Finanzierungsrunden im Scale-up-Bereich entfällt – bezogen auf die Jahre 2018 bis 2021 – auf rein frauengeführte Startups in Deutschland nur ein Anteil im Promillebereich.

  • Zugleich mehr Wachstums- und Exitambitionen: Aber auch hier zeigen sich Veränderungen. Frauen legen bei Wachstums- und Exitambitionen nach. Der Anteil der weiblichen Gründenden, die einen Exit erreichen und damit eine wesentliche finanzielle Rendite realisieren möchten, stieg von 42 Prozent in 2020 auf 62 Prozent in 2023.

Neben Familie, Freunden, Banken und Fördermitteln können sich Gründerinnen und Unternehmerinnen auf Wachstumskurs auch über Wagniskapital finanzieren. Kapitalgeber sind dabei private Investierende (Business Angels) oder institutionelle VC-Gesellschaften. Sie haben zu ihnen aber einen wesentlich schlechteren Zugang. Die Herausforderungen sind hier:

  • Weniger inhaltliche Matchings: Eine Erklärung für den Gender Investment Gap im Bereich des Wagniskapitals ist, dass Frauen weniger in technologie- und wachstumsorientierten Branchen gründen – also dort, wo VC-Gesellschaften in der Regel bevorzugt investieren. Zudem entscheiden Frauen sich seltener für ein MINT-Studium; ihr Anteil liegt bei rund einem Drittel (Statistisches Bundesamt 2026). Gerade aus diesem akademischen Umfeld gehen jedoch häufig Startups und Scaleups hervor.

  • Wenig Frauen unter den Business Angels und in VC-Gesellschaften: Aktuell sind unter den Business Angels 13,6 Prozent Frauen (Bertelsmanns Stiftung). Der Anteil von Frauen in VC-Unternehmen beträgt durchschnittlich 18 Prozent, auf der Ebene der Entscheidungstragenden oder Partner/innen sind es zehn Prozent (KfW Research 2025, Nr. 492).

  • Schlechterer Zugang zu Investierenden-Netzwerken: Die Investierenden-Szene gilt als stark beziehungsorientiert. Man kennt sich oft seit Jahren, vertraut und empfiehlt sich interessante Gründende weiter. Grundsätzlich netzwerken Männer häufiger und profitieren mehr von Netzwerken als Frauen /WomActivity 2026, „Die Macht der Connections“, Springer Professional 2026). Gründer können beim Kontakt zu Investoren, auch zu VC-Investorennetzwerken, daher häufiger auf das eigene Netzwerk zurückgreifen, um Kontakte herzustellen. Gründerinnen hingegen haben vorher seltener Kontakt zu Investierenden. Dem „Warm Intro“ der Männer steht der „Cold Contact“ der Frauen gegenüber.

  • Homosoziale Kooptation zugunsten der Männer: Das Prinzip der homosozialen Reproduktion bzw. Kooptation, wonach jeweils der sozial oder kulturell Ähnliche bevorzugt wird, ist auch im Finanzierungskontext präsent. Für den Bereich der informellen Investitionen in der Frühphase zeigt sich: Männer investierten zu 64 Prozent in andere Männer, während nur 18 Prozent ihrer Investitionen Frauen zugutekamen. Umgekehrt investierten Frauen zu fast 60 Prozent in andere Frauen, knapp ein Drittel ihrer Investitionen unterstützte Männer ( Global Entrepreneurship Monitor Women Report 2024/25).

  • Unconscious Bias von außen: Auch traditionelle Rollenbilder und die mit ihnen einhergehenden unbewussten Vorurteile tragen dazu bei, dass Frauen weniger Finanzierungen erhalten als Männer. Männer werden als „Standard“ betrachtet, Frauen als untypisch und riskanter eingestuft. Letzteres zeigt sich exemplarisch in einem 2017/2018 in der Harvard Business Review beschriebenen Pitch-Experiment: Demnach werden Männer in VC-Pitches von den männlichen Investierenden nach Potenzial, Gewinn, Wachstum und Visionen befragt (Promotion Focus). Frauen hingegen werden eher mit Fragen zu Risiken, Risikovermeidung, Sicherheit und potenziellen Verlusten konfrontiert (Prevention Focus).

  • Verzerrte Selbstwahrnehmung: Frauen neigen laut IfM zu einer verzerrten Selbstwahrnehmung in Bezug auf ihre eigenen unternehmerischen Fähigkeiten und stehen sich damit auch bei der Kapitalbeschaffung selbst im Weg. So trauen sich Frauen immer noch seltener eine Gründung zu: Nur rund ein Drittel stimmt der Aussage zu, über die notwendigen Fähigkeiten, das Wissen und die Erfahrung für eine Unternehmensgründung zu verfügen (Female Entrepreneurship, RKW Kompetenzzentrum, 2024).

  • Fehlende Role Models: Noch sind zu wenig weibliche Vorbilder sichtbar. Role Models sind vor allem aus Sicht von Gründerinnen aber das zentrale Mittel, um die Motivation und den Mut zur Gründung zu stärken – und auch Finanzierungen selbstbewusst anzugehen.

Finanzierungstipps für Gründerinnen und Unternehmerinnen

Aus Gesprächen mit Personen aus den Bereichen Investment, Netzwerke und Fachwissen sind diese Tipps hervorgegangen, wie Frauen die Hürden bei der Finanzierung nehmen können. Sie beziehen sich sowohl auf die Finanzierung kleinerer Gründungen wie auch von tech- und wachstumsorientierten Startups und Scaleups.

  • Informations- und Beratungsangebote nutzen: Es stehen umfassende Möglichkeiten zur Verfügung, sich im Vorfeld beraten zu lassen – auch zur Finanzierung. Dazu gehören in der Gründungsphase die Erstberatung der IHK für München und Oberbayern, das Münchner Gründungsbüro oder Gründerland Bayern. In der Wachstumsphase sind darüber hinaus die DIHK-Unternehmerwerkstatt Deutschland oder die betriebswirtschaftlichen Berater/innen der IHK erfahrene Ansprechpersonen.

    Speziell informiert und beraten werden Frauen zum Beispiel hier:

    SheStartup – Frauen gründen: Die Veranstaltung der IHK für München und Oberbayern informiert Gründerinnen größenunabhängig und branchenübergreifend zur Gründung und macht zugleich erfolgreiche Gründerinnen als Role-Models sichtbar. (nächster Termin am 13. November 2026)

    guide – Beratung und Unterstützung für Existenzgründerinnen: Das kostengünstige Münchner Angebot unterstützt Gründerinnen, die eher in kleinerem Maßstab gründen mit Beratung, Workshops, Seminaren und Netzwerktreffen.

    Initiative Women Startup by UnternehmerTUM: Mit dieser Initiative und den damit einhergehenden Trainings unterstützt UnternehmerTUM Frauen speziell bei technologischen Gründungen.

  • Selbstbewusstsein aufbauen: Frauen sollten die verzerrte Selbstwahrnehmung in Bezug auf die eigenen unternehmerischen Fähigkeiten ablegen, sich durch Role Models und Peergroups inspirieren lassen und selbstbewusst gegenüber Kapitalgebenden auftreten.

  • Sichtbarkeit stärken: Die Sichtbarkeit ist neben einer guten Beratung eine weitere wichtige Voraussetzung, um eine Gründung oder Wachstum zu finanzieren. Wer sichtbar wird, wirbt auch für Vertrauen in seine Person und sein Produkt. Sichtbarkeit entsteht in Netzwerken, über Social Media oder auch über die folgenden Preise für erfolgreiche Startup-Gründerinnen:

    Women Startup Award: Dieser Preis der Initiative Women Startup by UnternehmerTUM richtet sich an Gründerinnen mit Tech-Hintergrund und Bezug zu Bayern.

    Female Founders Award: Dieser Preis wird von der Innovationsmesse VivaTech in Paris verliehen. Die Female Founder Challenge wurde geschaffen, um Unternehmerinnen zu stärken, indem sie Networking-Möglichkeiten eröffnet, die Markenbekanntheit erhöht und Zugang zu Finanzmitteln bietet.

Überblick über Finanzierungsformen verschaffen: Die IHK für München und Oberbayern hat auf ihrer Website alle Finanzierungs- und Förderformen zusammengestellt, die für die Gründung und weitere Investitionen in Frage kommen (siehe auch unten). Ein paar frauenspezifische Hinweise:

  • Tipp von Unternehmerinnen: Welches Geld bringt uns tatsächlich voran? Es ist wichtig, sich die Finanzierungslandschaft sehr differenziert anzuschauen und die Finanzierung sowie die Kapitalhöhe zu finden, die genau auf das Geschäftsmodell und die Entwicklungsphase passt.

  • Out-of-the-Box-Crowdfunding erwägen: Crowdfunding kann eine interessante Option sein. Auf der Crowdfunding-Plattform Startnext werden 37 Prozent aller Projekte von Frauen gestartet.

  • Förderprogramm Exist WOMEN: Exist WOMEN beinhaltet Veranstaltungs-, Beratungs- und Betreuungsangebote sowie einen finanziellen Zuschuss für angehende Gründerinnen aus der Wissenschaft. Bei der Suche nach passenden Förder- oder Innovationsprogrammen hilft die Förderdatenbank des Bundes.

  • „Less flowers. More Funding.“: Dies ist eine Kampagne von June Minds. Im Mittelpunkt steht ein DACH-weiter Call for Pitches, bei dem die ausgewählten Gründerinnen mit Investierenden vernetzt werden.

  • Female Accelerators nutzen: Eine mögliche Form der Unterstützung für junge Unternehmen in der Frühphase sind Accelerator-Programme. Sie helfen, das Wachstum eines bereits bestehenden Geschäftsmodell zu steigern. Inzwischen gibt es auch Female Accelerators wie Startup MOM Accelerator oder ElevateHER.

  • Auxxo Female Catalyst Fund: Dies ist der erste deutsche VC-Fond, der Startups nur dann fördert, wenn mindestens eine Frau im Gründungsteam ist. Er unterstützt in der Pre-Seed und Seed-Phase.

  • Sich mit anderen Gründerinnen über die Finanzierungmöglichkeiten austauschen: In Netzwerken oder Peergroups treffen Gründerinnen und Unternehmerinnen aufeinander und können Tipps austauschen. Dazu gehört auch, sich Investierende empfehlen zu lassen, wenn es um VC-Kapital geht.

Rechtzeitig netzwerken: Da insbesondere die Investment-Szene von Beziehungen lebt, gilt es, den Einstieg frühzeitig vorzubereiten, um den ersten Investor oder die erste Investorin zu überzeugen und damit ein „Warm Intro“ zu erhalten. Also nicht erst im Moment des akuten Kapitalbedarfs netzwerken, sondern bereits rechtzeitig vorher.

  • Speziell Investorinnennetzwerke ansprechen: Netzwerke wie VdU invest, encourageventures, das Female Investors Network oder die Wo//men Investors Alliance (siehe unten) vernetzen Gründerinnen/Unternehmerinnen mit Investorinnen.

  • Strategisches Netzwerken außerhalb der eigenen „Bubble“: Neben den noch neuen reinen Frauennetzwerken gilt es, auch aktiv Zugang zu den bestehenden, männlich dominierten Investment-Netzwerken zu suchen. Von ihnen gibt es aktuell mehr und hier werden im Moment noch die größeren Investmententscheidungen getroffen.

  • Einstieg über BayStartUP: Das übergreifende Netzwerk gilt als das bayerische Netzwerk für Startups, Investoren und die Industrie.

Männer als Verbündete gewinnen: Derzeit sehen nur 50 Prozent der Männer den Gendergap als Problem an. In gemischten Teams steigt dieser Anteil schon auf 64 Prozent. Es ist wichtig, ein höheres Problembewusstsein bei Männern zu schaffen.

Erwägen, im gemischten Team zu gründen, solange Gender Bias und homosoziale Kooptation noch Einfluss auf Entscheidungen nehmen – gemischte Gründerteams erhalten ähnlich hohe Investitionssummen wie rein männliche Gründerteams.

  • Das Ökosystem verstehen: Wer Investitionen braucht, muss wissen, wie das Ökosystem der Wagniskapitalgebenden funktioniert und wie Business Angels und VC-Gesellschaften arbeiten. Ebenfalls gut zu wissen: Wann und wo kann man in den verschiedenen Phasen der Finanzierung um Kapital pitchen? Wie funktioniert ein Pitch? Wie oft muss man pitchen? Welche Erwartungen werden an Gründende, ein Produkt, Skalierbarkeit oder Wachstum gestellt? Welche Fragen kommen?

    Praxistipp: Es ist empfehlenswert, sich zuvor mit erfahrenen Gründerinnen, Unternehmerinnnen, männlichen wie weiblichen Investierenden und in der Peergroup über Erfahrungen auszutauschen.

  • Sich gut auf die Pitches vorbereiten: Zur Vorbereitung auf eine Präsentation (Pitch Deck) des Geschäftsmodells vor einer Investierendenrunde (Pitch) gehören neben der Aufbereitung aller Zahlen auch:

    - Recherchieren, wer im konkreten Pitch auf Investierendenseite sitzt:
    Wer sind die Personen, was weiß man über sie? Sind auch Frauen dabei? In wen haben sie schon investiert – waren darunter auch Unternehmerinnen?

    - Welche Erwartungen und Fragen kennt man von ihnen?

    - Narrativ und zudem ein Marketingkonzept für die Präsentation entwickeln

    - Pitch-Deck mit erfahrenen Expert/innen durchgehen und optimieren

    - Präsentation üben, Auftritt proben

  • Immer wieder an Pitches teilnehmen: Business-Angels-Netzwerke, Netzwerke wie BayStartUP und institutionelle VC-Gesellschaften laden regelmäßig zu Pitch Nights ein und geben die Gelegenheit, Investierenden die Gründungsidee vorzustellen. Inzwischen gibt es aber auch Pitches nur für Frauen wie zum Beispiel:

    - Female Founders Contest (Business Angels Club Berlin Brandenburg)
    - Female Founders Challenge (encourageventures)
    - Female Funding (Wo//men Investors Alliance, 2026 neu)

  • Wachstums- und Skalierungsambitionen offensiver kommunizieren: Um bei Venture Capitalists zu punkten, gilt es, die Skalierungsfähigkeit und Exit-Ambitionen unmissverständlich in den Mittelpunkt stellen.

  • Den Genderbias im Pitch und beim Netzwerken antizipieren: Da Frauen von potenziellen, noch mehrheitlich männlichen Investierenden andere Fragen gestellt bekommen können, sollten sie entsprechende Antworten parat haben. Sie sollten sich auf harte analytische Fakten fokussieren und unbewusste Vorurteile proaktiv durch klare Zahlen entkräften. Wenn das Risiko angesprochen wird, sollte die Antwort schnell den Fokus auf die Chancen und die Problemlösung lenken und die bisherigen Erfolge herausstellen.

    Dabei auch Vorteile von Frauen (in Teams) herausstellen: Sowohl in Gründungsteams als auch bei Scaleups übernehmen Frauen wichtige Funktionen, die den Unternehmen und damit auch den Investierenden Vorteile bringen. Diese Rollen können herausgearbeitet werden.

  • Sich nach Pitches Feedback einholen: Das hilft, die Erwartungen der Investierenden besser zu erschließen, eigene Fehler zu erkennen und nachzubessern.

  • Die Investierendenrunde (Cap Table) zielgerichtet zusammenstellen: Investierende, insbesondere Business Angels, stellen auch ihr Wissen bereit. Den Cap Table divers und mit verschiedenen Expertisen zusammenzustellen, ist zielführend und hilft, das Geschäftsmodell weiterzuentwickeln – etwa durch juristische Kenntnisse, Marketingexpertise, KI-Wissen, Zugriff auf weiterführende Netzwerke etc.

  • Die Zusammenarbeit regeln: Investierende wie Business Angels und VC-Gesellschaften sind am Unternehmen beteiligt, erwarten regelmäßige Reportings, beanspruchen aber in der Regel auch Mitsprache bei strategischen Entscheidungen. Die Zusammenarbeit sollte in Commitments oder vertraglich geregelt werden. Wichtig ist, dass die Gründer/innen ihren Einfluss bewahren. Wenn die Gründer/innen sich zurückziehen, ändert das auch das Geschäftsmodell.

  • Hybride/neue Geschäftsmodelle entwickeln: Insbesondere Scaleups agieren oft in verschiedenen Bereichen gleichzeitig – etwa KI-Entwicklungen und zusätzlich Produktion – oder erweitern das Geschäftsmodell mit neuen Ideen. Das interessiert auch Investierende.

Die wichtigsten Finanzierungsformen auf einen Blick

Frauen als Investorinnen und Business Angels

Inzwischen haben Frauen eigene Investorinnen-Netzwerke aufgebaut und Female Accelerators oder VC-Fonds etabliert (siehe auch oben). Noch ist ihr Anteil gering, aber die ersten Schritte zu mehr Diversität sind getan. Zugleich öffnen sich auch die bestehenden Netzwerke inzwischen für Investorinnen. Dabei wollen 70 Prozent der weiblichen Business Angels mit ihrem Investment ganz bewusst Gründerinnen unterstützen (Hochschule IU, 2023). Sie achten besonders darauf, dass Startups von weiblichen oder gemischten Teams geführt werden; für jede dritte private Investorin ist mangelnde Diversität des Gründungsteams sogar ein Ausschlusskriterium. Neben einer attraktiven Rendite legen weibliche Business Angels zudem Wert darauf, mit den Produkten einen gesellschaftlichen Mehrwert zu schaffen (Bertelsmann Stiftung).

Investorinnen-Netzwerke

Lösungsvorschläge: Barrieren senken

Person sitzt an einem Schreibtisch und bearbeitet Finanzunterlagen. Auf dem Tisch liegen Rechnungen, ein Taschenrechner, ein Smartphone, ein Laptop sowie eine Kaffeetasse.

© Adobe Stock © Sheremetio

  • Mehr Vorbilder & Role Models: Erfolgreiche Gründerinnen, Unternehmerinnen und Investorinnen müssen sichtbarer gemacht werden, um anderen Frauen Mut zu machen und als Identifikationsfigur zu dienen.

  • Bildungssystem anpassen: Entrepreneurship muss stärker in Schulen und Universitäten verankert werden, um Mädchen und junge Frauen früh für das Unternehmertum zu begeistern und traditionelle Rollenbilder aufzubrechen.

  • Höhere Transparenz bei Finanzierungsvorgängen: Banken, öffentliche Fördermittelgeber sowie Venture-Capital-Gebende müssen transparenter über die Unterstützung von Gründerinnen und Unternehmerinnen berichten, damit Finanzierungshürden besser erkannt und abgebaut werden können. Damit einher gehen sollte eine freiwillige Selbstverpflichtung, Frauen zu stärken. Das Institut für Mittelstandsforschung (2025) empfiehlt: Es „sollten im Hinblick auf mögliche politische Interventionen die Gatekeeper in Finanzierungsangelegenheiten in den Blick genommen werden. Zu denken wäre an breit angelegte, niedrigschwellige Sen-sibilisierungsmaßnahmen zum Gender Bias sowie eine geschlechterparitätische Besetzung der Gremien, die über die Vergabe von Finanzierungsmitteln (insbesondere Venture Capital) entscheiden. Nicht zuletzt wären die Zugangsvoraussetzungen für Finanzierungs- und Förderprogramme auf möglichen Gender Bias kritisch zu überprüfen, weil unter Umständen bestimmte Lebenslagen, die vorwiegend Frauen betreffen, zu wenig Berücksichtigung finden.“

  • Fokus VC-Gesellschaften: Die Studie Female Entrepreneurship (KfW-Research, 2022) empfiehlt: „Um eine ausgewogenere Geschlechterverteilung in der VC-Branche zu erreichen, können daran ausgerichtete Mentorinnen- und Praktikums-Programme ebenso helfen wie Initiativen zur Vernetzung von Investorinnen. Auch Limited Partner, also Fondsinvestoren, die als Kapitalgeber der VC-Gesellschaften agieren, können eine aktive Rolle bei der Förderung von Diversität einnehmen. Aufgrund ihrer Funktion können sie selbst auf eine höhere Frauenbeteiligung in den Investment Teams und Portfolien ihrer Fondsinvestments hinwirken.“

  • Datenbasierte Finanzierungs- oder Investitionsentscheidung: Hierdurch kann Geschlechtervorurteilen entgegengewirkt und der Zugang zu Kapital verbessert werden.

  • Mehr weibliche Investierende: Nötig sind die gezielte Ansprache und Gewinnung von weiblichen Business Angels und mehr Frauen in Entscheidungspositionen von VC-Gesellschaften, damit Frauen bessere Zugänge zu deren Förderung erhalten.

  • Programmerweiterungen: Bestehende Programme wie beispielsweise „INVEST – Zuschuss für Wagniskapital“ sollten um spezielle Angebote für weibliche Business Angels erweitert werden.

  • Strukturelle Entlastung bei der Vereinbarkeit: Der Ausbau von Ganztagsbetreuungsangeboten, die vollständige steuerliche Absetzbarkeit von Kinderbetreuungskosten oder die Einbeziehung selbstständiger Frauen in den Mutterschutz (zum Beispiel durch Zugang zur U2-Umlage) erleichtert Frauen die Gründung und weitere Entwicklung von Unternehmen.

Interviews zu Finanzierungsmöglichkeiten für Gründerinnen

FAQs

Je nach Geschäftsmodell und Unternehmensphase kommen Eigenkapital, Geld von Familie und Freunden, Crowdfunding, Förderprogramme, Bankkredite oder Beteiligungskapital von Business Angels und Venture-Capital-Gesellschaften infrage.

Hilfreich sind die Gründungsberatung der IHK für München und Oberbayern, das Münchner Gründungsbüro, Gründerland Bayern sowie spezielle Angebote für Frauen wie guide, SheStartup oder die Initiative Women Startup von UnternehmerTUM.

Eine gute Vorbereitung umfasst einen belastbaren Businessplan, aussagekräftige Finanzzahlen, einen klaren Kapitalbedarf und eine überzeugende Darstellung des Geschäftsmodells. Außerdem lohnt es sich, den Pitch vorab zu üben und Feedback einzuholen.

Ja. Neben allgemeinen Förderprogrammen gibt es spezielle Angebote wie EXIST Women, Female Accelerators oder Netzwerke und Fonds, die gezielt Gründerinnen und gemischte Gründungsteams unterstützen.