Damit Frauen mit ihren Unternehmen wachsen und Zugang zu Kapital bekommen, hat Magdalena Muttenthaler in München mit JUNE MINDS ein Wachstums- & Skalierungslab für Gründerinnen gegründet.
Frau Muttenthaler, Sie unterstützen Gründerinnen bei Wachstum und Skalierung und helfen unter anderem bei der Finanzierung?
Ich war selbst Gründerin, habe um eine Finanzierung gepitcht und mit JUNE MINDS bereits viele Finanzierungsrunden begleitet. Ich kenne die Herausforderungen des Unternehmertums und möchte dafür sorgen, dass Frauen dieselben Wachstumschancen und Finanzierungsmöglichkeiten wie Männer haben. Dafür habe ich ein Mentorinnennetzwerk und ein Wachstums- und Skalierungslab aufgebaut. Mit über 40 Co-Mentorinnen haben wir inzwischen schon fast 2.000 Gründerinnen begleitet, in Europa wie auch in den USA, in Australien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Zum Frauentag haben Sie die Kampagne „Less Flowers, More Funding“ lanciert.
Genau. Frauen brauchen für ihre innovativen Geschäftsideen keine Blumen oder Applaus, sondern Wachstumsmöglichkeiten und gleichberechtigten Zugang zu Kapital. Mit JUNE MINDS haben wir den DACH-weit größten Call for Pitches gestartet, auf den sich Startups mit mindestens einer Frau im Team bewerben konnten. Insgesamt haben sich 183 Startups beworben, die wir gemeinsam mit unseren Investierenden bewertet haben. Den Top 10 ermöglichen wir nun gerade 100 Warm Intros zu Investierenden, das heißt wir bringen sie in Kontakt mit Geldgebenden wie Venture-Capital-Investierenden, Business Angels und Family Offices.
Inzwischen gibt es ja auch erfolgreiche weibliche Business-Angel-Netzwerke.
Ja, zum Beispiel encourageventures, the Evangelistas oder das Female Investors Network. Zudem gibt es mit Auxxo auch einen rein weiblichen Wagniskapital-Fonds – das ist großartig. Dennoch fließen aktuell nur knapp zwei Prozent des VC-Kapitals in rein weibliche Teams. Es mangelt nicht am Potenzial weiblicher Startups.
Das Problem liegt daran, wie investiert wird. Investieren ist historisch stark männlich geprägt und Investoren-Netzwerke bestehen – bis auf die oben genannten Ausnahmen – häufig vor allem aus Männern. Und diese investieren nun mal vorwiegend in rein männliche Teams. Nicht unbedingt absichtlich, aber es ist nachgewiesen, dass man gerade bei Investment-Entscheidungen leichter in sein Ebenbild investiert – einfach weil man diesem mehr zutraut. Und das spiegelt sich auch in den Fragen der Investierenden wider: Männliche Gründer werden viel häufiger nach dem Potenzial des Startups gefragt, während bei Gründerinnen häufiger auf die Risiken, ein mögliches Scheitern oder einen möglichen Ausfall eingegangen wird.
Daher gilt: Je mehr weibliche VC-Investorinnen es auf Partner-Level gibt und je mehr weibliche Business Angels, umso mehr profitieren auch die Gründerinnen, die nach einer Finanzierung suchen.
Bleiben wir bei den Business Angels. Was macht diese männliche Business-Angel-Welt denn aus?
Grundsätzlich ist diese Welt stark netzwerkgetrieben. Angels kennen sich untereinander oft schon lange – häufig aus dem Studium oder beruflichen Netzwerken. Sie spielen sich gegenseitig Pitchdecks zu, vertrauen sich untereinander bei Kapitalentscheidungen und investieren auch häufig gemeinsam. Und da es deutlich mehr männliche Angels gibt und diese typischerweise und oft unbewusst in rein männlichen Teams ein höheres Potenzial sehen, ist es für weibliche oder diverse Teams oft schwierig hier überhaupt Zugang zu erhalten.
Zugleich ändert sich diese Welt aber auch langsam: Studien, wie zum Beispiel von BCG belegen, dass jeder investierte Dollar in ein von Frauen mitgeführtes Unternehmen das 2,5-Fache an Return bringt und es deshalb nicht nur aus Gleichberechtigungsgründen lohnt, in Startups von Gründerinnen zu investieren. Es ist einfach wirtschaftlicher.
Was sollten Frauen beachten, wenn sie sich um eine Finanzierung bewerben?
Zunächst geht es darum zu verstehen, wie VCs, Angels und Family Offices strukturiert sind und dass es idealerweise ein Warm Intro braucht, um in diesem stark netzwerkgetriebenen System eine Chance zu haben. Zudem ist es sinnvoll, idealerweise vier bis sechs Monate vor der geplanten Finanzierungsrunde eine erste Beziehung zu möglichen Investierenden aufzubauen.
Daneben braucht es natürlich auch eine gute inhaltliche Vorbereitung. Bei JUNE MINDS unterstützen wir die Gründerinnen bei der Verbesserung ihrer Pitch Decks und Pitches, der Vorbereitung aller Fundraising-Unterlagen, wie zum Beispiel Finanzmodellen, und bereiten sie auf Fragen, Kritik und auch die Biases vor, die ihnen auf der Investierendensuche begegnen werden. Denn nur wer weiß, was einen erwartet, kann auch entsprechend reagieren und bestehende Biases sogar zu seinen Gunsten nutzen.
Das Netzwerken scheint hier nicht zu unterschätzen zu sein?
Sehr richtig. Sich ein Netzwerk an Investierenden aufzubauen, bevor man es braucht, ist wirklich wichtig. Zudem helfen Intro-Gebende enorm. Wenn die ersten ein bis zwei Investierenden erst mal überzeugt sind, dann finden sich auch die anderen. Oft geht es um diese erste Person, die die Tür zu einem oder einer passenden Investierenden öffnet oder um diesen oder diese erste Investierende, die den Weg für alle weiteren ebnet. Und die läuft einem nicht über den Weg. Männer tun sich meiner Erfahrung nach häufig leichter, wenn es ums Netzwerken geht und bekommen dadurch leichter Zugang zu Investierenden. Frauen sollten genau darin noch stärker werden. Gerade deshalb sind Frauennetzwerke, Labs speziell für Gründerinnen wie JUNE MINDS sowie weibliche Investierendennetzwerke so wichtig. Sie helfen, bestehende Strukturen aufzubrechen, die notwendigen Zugänge zu schaffen und so die Wachstums- und Finanzierungschancen für Gründerinnen und Unternehmerinnen zu verbessern.
Junde Minds