Factoring
Factoring ist der fortlaufende Ankauf von kurzfristigen Rechnungen aus in- und
ausländischen Warenlieferungen und Dienstleistungen (Forderungsbeständen) innerhalb von kundenbezogenen Ankaufslinien, die die Factoring-Gesellschaft für die einzelnen Abnehmer vorgibt beziehungsweise die von einer vorhandenen Kreditversicherung vergeben wurden.
Der Verkauf von Forderungen eröffnet also die Möglichkeit, Liquidität zu schaffen, und sichert Forderungsausfälle ab. Daneben verkürzt sich die Bilanzstruktur und die Bilanzkennzahlen können sich positiv verbessern. Somit lassen sich Projekte evtl. leichter und schneller finanzieren.
Ist Factoring für mein Unternehmen geeignet?
Voraussetzung für Factoring ist, dass keine Forderungsabtretung (Zession) oder andere Rechte Dritter bestehen.
Besonders geeignet ist das Factoring wenn:
- es sich bei Ihren Abnehmern um gewerbliche Kunden handelt,
- der Debitorenbestand breit gestreut ist,
- der Abnehmerkreis gleichbleibend ist,
- die Zahlungsfristen maximal 90 Tage betragen,
- die durchschnittliche Rechnungsgröße mind. 250 Euro beträgt,
- die der Forderung gegenüberstehende Leistung vollständig erbracht worden ist,
- möglichst keine Gegenforderungen existieren.
- Besonders geeignet sind Branchen, deren Abnehmer über eine überdurchschnittliche Bonität verfügen wie z.B. Automobilzulieferer oder Großhandelslieferanten.
- Ausgeschlossen werden häufig Forderungen mit Rückgaberechten oder Rechnungen an private Kunden. Bei Kunden aus dem Bau-, Handwerks- und Speditionsgewerbe und den Branchen, bei denen Streitigkeiten um erbrachte Leistungen tendenziell sehr oft vorkommen bzw. ein Nachweis der vollständigen Leistungserbringung nur schwer möglich ist, sind die Möglichkeiten stark eingeschränkt. Dies gilt auch für Grundgeschäfte aus dem Bereich Individual-Anfertigungen, Individual-Software, Projektgeschäfte (Teilfaktura).
Vorteile
- Einmalige Liquiditätszufuhr und umsatzkongruente Finanzierung
- Zusätzliche Ertragsmöglichkeiten im Einkauf (z. B. Skonto)
- Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit durch einen größeren unternehmerischen Handlungsspielraum
- Risikominimierung durch 100%igen Delkredereschutz, laufende Bonitätsprüfung durch den Factor, dadurch sicherere Vertriebswege und ein ausgewogenes Kundenportfolio
- Administrative Entlastung durch die Übertragung des Forderungsmanagements, des Mahnwesens und des Inkassos an den Factor (Fullservice)
- Optimierung der Bilanzstruktur: Die verkürzte Bilanzsumme führt zu einer Verbesserung der Bilanzkennzahlen. Resultat kann eine positive Auswirkung auf Ihr Rating bei der Bank sein
Nachteile
- Empfänger der Zahlung ist i. d. R. die Factoring-Gesellschaft. Diese Offenlegung (im Gegensatz zum stillen Factoring) war in der Vergangenheit bei deutschen Unternehmern mit einem Hauch des Negativen verbunden. Inzwischen ist die Popularität dieses Finanzierungsinstrumentes stark angestiegen
und nicht mehr negativ belegt. Das Mahnwesen läuft im Standardverfahren über die Factoring-Gesellschaft und kann in der Regel nicht mehr kundenspezifisch gesteuert werden.
- Die Forderungen werden nur innerhalb des vom Factor festgesetzten Abnehmerlimits angekauft bzw. von den Limits, welche die Kreditversicherung vorgibt, abgezogen.
- Für die Erfüllung dieser Funktionen wird eine Factoringgebühr (Risikoprämie) in Rechnung gestellt. Diese ist Ihrer individuellen Erparnis aus der Entlastung und ggf. der Inanspruchnahme von Skonti, Boni gegenüberzustellen.
- Factoring ist allerdings kein Substitut für langfristige Investitionskredite, es dient allein der Umsatzfinanzierung.
- In manchen Abnahmeverträgen ist die Möglichkeit der Forderungsabtretung oder des Forderungsverkaufs an Dritte ausgeschlossen.
Wie viel kostet mich Factoring?
- Zinsen: bankübliche Kontokorrentzinsen, abhängig von der Bonität Ihres Unternehmens und der Bonität Ihrer Abnehmer. Die Zinsen werden berechnet in Höhe der tatsächlichen Inanspruchnahme und vom Zeitpunkt des Forderungsverkaufes bis zum Zahlungseingang.
- Factoring-Gebühr: Wesentlicher Bestandteil der Factoringkosten ist die Factoringgebühr, d.h. das Entgelt für die Übernahme des Bonitäts- und Ausfallrisikos, des Debitorenmanagements und des Mahnwesens. Die Höhe der
Factoringgebühr richtet sich insbesondere nach:
a) Unternehmensgröße (Umsatz der an den Factor verkauft wird und Forderungslaufzeit)
b) Bonitätsrisiko Ihres Unternehmens und Ihrer Abnehmer (z.B. reduziert sich die Gebühr, wenn Sie bereits eine Warenkreditversicherung abgeschlossen haben)
c) Arbeitsaufwand (z.B. für die Übernahme der Debitorenbuchhaltung, des Mahnwesens, des Inkassos und der Bonitätsprüfung). Gemessen wird der Aufwand i.d.R. an der Höhe des Umsatzes, der Anzahl der Rechnungen und Kunden.
d) Eine jährliche Limitprüfungsgebühr wird oftmals separat für die laufende Überwachung der Bonität der Abnehmer in Rechnung gestellt. Laut Verbandsschätzungen liegt die durchschnittliche Factoringgebühr in
Deutschland bei 0,5% (Umsatzgröße 5 Mio Euro), darüber hinaus zwischen 0,2% und 0,5% vom angekauften Forderungsbestand (Bruttoumsatz). Hinweis: Bei der Auswahl der Angebote lohnt sich nicht nur der Blick auf den Preis. Entscheidend ist auch der Service. Hierzu gehört insbesondere, wie schnell der einzelne Anbieter die von ihm gewährten Limits mitteilt, denn nicht immer werden alle von Ihnen angebotenen Rechnungen auch angekauft. Wichtig ist auch, ob der Datentransfer den Bedürfnissen Ihres Unternehmens entspricht, wie schnell der Factor nach Einreichung der Rechnung zahlt und welche Dienstleistungsfunktionen er beim Forderungsmanagement übernimmt. Factoring-Gesellschaften können Kunden freistellen, ob und wieviel Geld sie ziehen können (Geld = Inanspruchnahme des zur Verfügung gestellten Betrags).
Kann sich Factoring an meine individuellen Bedürfnisse anpassen?
Individuelle Lösungen stehen als verschiedene Factoringalternativen zur Auswahl.
Full-Service-Factoring:
Dies ist das Standardverfahren, bei dem die Vorteile des Factoring voll zur Geltung kommen. Die Factoringgesellschaft übernimmt neben der laufenden Bonitätsbeurteilung der Kunden das komplette Debitoren- management und Mahnwesen, ggf. inkl. Inkasso.
Inhouse-Factoring und Stilles Factoring:
Hier führt Ihr Unternehmen wie gewohnt die Debitorenbuchhaltung und das Mahnwesen selbst. Sie haben die Möglichkeit, zu einem bestimmten Zeitpunkt den Factor mit der Anmahnung zu beauftragen. Eine weiterführende Variante ist das "Stille Factoring", bei dem die Forderungsabtretung dem Debitor gegenüber nicht offengelegt wird.
Auswahl-Factoring:
Beim Auswahl-Factoring werden nicht sämtliche Forderungen, sondern nur Forderungen ausgewählter Debitoren an den Factor verkauft.
Ultimo-Factoring:
Das Ultimo-Factoring, d.h. Forderungsverkauf über einen kurzen Zeitraum und zu einem bestimmten Zeitpunkt, z.B. über den Bilanzstichtag oder über das Quartalsende, wird vor allem zum Zwecke der Optimierung der
Bilanzstrukturen eingesetzt. Es wird in der Praxis nur bei sehr großen Debitorenbeständen angeboten und nur bei ausgezeichneter Kunden- und Debitorenbonität.
Welche Unterlagen benötigt die Factoring Gesellschaft?
1. Voranfrage mittels Analyse-Bogen (vgl. Standard-Analysebogen als Muster im Anhang)
2. Bonitätsunterlagen (Jahresabschluss der letzten beiden Geschäftsjahre, BWA)
3. Organigramm, HR-Auszug und Gesellschaftsvertrag
4. Planzahlen und ggf. Angaben zum Auftragsbestand
5. Unterlagen zu den Debitoren / Kreditoren
6. Offene Postenliste Debitoren / Kreditoren, Summen- und Saldenliste
7. Rechnungsformular mit AGB und zugrundeliegende Lieferbedingungen
Welche anderen Alternativen gibt es, um mich gegen Forderungsausfälle abzusichern?
1. Forfaitierung: Hiermit können Sie höhere Einzelforderungen, die durch Lieferungen z. B. ins Ausland entstehen, an ein Finanzinstitut (Forfaiteur) verkaufen (ohne Regress).
2. Warenkreditversicherungen: Innerhalb eines vom Versicherer festgelegten Limits haben Sie die Möglichkeit, sich i. d. R. bis zu 80 % gegen Forderungsausfälle abzusichern. Im Unterschied zu den meisten Factoring- Gesellschaften müssen Sie bei der Warenkreditversicherung allerdings einen Nachweis erbringen, dass der Schuldner der Forderung zahlungsunfähig geworden ist.
Wo kann ich mich über Factoring-Gesellschaften informieren?
Deutscher Factoring-Verband e.V.) und Bundesverband Factoring für den Mittelstand
www.factoring.de
www.bundesverband-factoring.de
Weitere Informationen finden Sie im
Ratgeber Factoring
Zurück zum Inhalt