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„Einen Traum erfüllt“ – Unternehmer Daniel Betz in seinem Konzert- und Theatersaal

„Einen Traum erfüllt“ – Unternehmer Daniel Betz in seinem Konzert- und Theatersaal

© Thorsten Jochim

Multimedia in Stegen

Eine ehemalige Brauerei wird zum innovativen Kulturzentrum – das lockt nicht nur TV- und Musikstars an den Ammersee.

Von Sebastian Schulke, IHK-Magazin 10/2026

Eine schmale Eisentreppe führt an einem gemauerten Kessel vorbei auf eine Empore, die von eisernen Pfählen getragen wird. Von dort geht es über eine weitere Stiege noch etwas höher. Früher hat es in dem Sudhaus gedampft und nach Malz gerochen, haben sich Braumeister um die Maische gekümmert. Doch die roten Backsteine, aus denen der Kessel vor über 130 Jahren gebaut wurde, sind kalt und mit weißer Farbe überstrichen.

Auch wenn der Duft von Malz hier und da noch dezent in der Luft liegt, Bier wird hier nicht mehr gebraut. Statt um Braukünste dreht sich alles um Kultur und Technik – die Brauerei Stegen am Ammersee hat sich in ein kulturelles und multimediales Zentrum verwandelt.

Traum vom „House of Music“

„Ich habe mir hier einen Traum erfüllt“, sagt Daniel Betz, der an dem alten Sudkessel vorbeiläuft und direkt dahinter den Konzert- und Theatersaal betritt. Auf der Bühne steht ein Bösendorfer-Flügel, daneben 4 Mikrofone, die noch eingerichtet werden müssen. Früher habe Betz immer von einem „House of Music“ geträumt. Dass sich dies nun in einer alten Brauerei realisiert habe, sei ein glücklicher Zufall.

Ein kurzer Blick zurück: Die Brauerei wurde 1892 von Ottmar Schreyegg erbaut, einem Braumeister aus dem 10 Kilometer entfernten Seefeld. 1923 übernahm Hacker die Privatbrauerei, die den Gebäudekomplex bis 1972 vor allem als Lager nutzte. 20 Jahre lang tat sich dann gar nichts. Die Brauerei verfiel immer mehr. Bis im März 1993 Paul Schneider, ein Rechtsanwalt aus Starnberg, das alte Gemäuer kaufte, aufwendig sanierte und einen Ort für Kultur, Gastronomie, Arbeiten und Wohnen daraus schuf, ohne den ursprünglichen Charakter der Brauerei zu verändern.

Betz feierte hier als Jugendlicher

Jazzabende, Kabarett, Ausstellungen, Lesungen und Theateraufführungen werden in dem alten Gemäuer inszeniert. Unten im Keller befindet sich in den Gewölben ein Kino, da, wo früher die Bierfässer gelagert wurden. Seit 2012 wird dort sogar wieder Bier gebraut, verbunden mit einem Wirtshaus und Biergarten.

Damit hat Daniel Betz allerdings nichts zu tun. Auch nicht mit den Wohnungen, die sich vorn in dem Gebäudekomplex befinden. Dafür jedoch mit den Konzerten, TV-Aufzeichnungen und -Produktionen sowie den legendären Partys auf dem Brauereigelände, zu denen Betz schon als Jugendlicher ging – und die er nun selbst veranstaltet.

Formate für TV oder Musiklabels

„Ich bin in Schondorf aufgewachsen, das sind nur ein paar Kilometer. Außerdem hat mein älterer Bruder Alexander Betz bereits Anfang der 2000er-Jahre, also nach der Sanierung der alten Brauerei, hier Räume angemietet und seine IT-Firma gegründet. Ich kenne mich mit Stegen, den Partys und der Brauerei also ganz gut aus.“

Seit 2020 ist Betz nun mit seinem Unternehmen in der Brauerei Stegen, der Groundlift Media GmbH, die für TV-Sender, Produktionsgesellschaften, Musiklabels und Künstler verschiedenste Formate produziert. Seinen älteren Bruder hat es nach München gezogen, er ist jedoch als Gesellschafter und Berater noch mit dabei.

Passgerechter Umbau

„Ein kleines Tonstudio hatte ich schon als Schüler in meinem Zimmer“, erzählt Daniel Betz. „Erst mit Musik, dann mit Hörbüchern und Hörspielen – später auch mit Produktionen fürs Fernsehen.“ Zuletzt befand sich sein Studio im Keller seines Hauses in Schondorf.

Daniel Betz sitzt im weißen T‑Shirt am Bühnenrand seines Konzert- und Theatersaals in der Alten Brauerei Stegen, neben ihm ein Flügel und Bühnen­technik.

© Thorsten Jochim

Wir haben anfangs nicht gedacht, dass es so gut funktioniert.

Daniel Betz, Geschäftsführer Groundlift Media

Seine Frau Jamil Alonso machte ihn dann vor gut 6 Jahren darauf aufmerksam, dass in der Brauerei ein neuer Mieter für Theater und Sudhaus gesucht werde. „Das war die Chance, meinem Traum näher zu kommen“, sagt Betz. „Wir mussten noch viel Zeit und Arbeit in das alte Gemäuer stecken – eingezogene Wände und Altlasten der Vormieter entfernen.“ Doch die Grundstruktur der Räume und Gewölbe sei sehr gut, dank der gelungenen Sanierung in den 1990ern. So hätte daraus ein hochmodernes Multimedia-Haus entstehen können.

Konzerte im Kühlschiff

Heute gibt es neben dem Sudhaus mit Bar, Konzert- und Theatersaal sowie Tonstudio noch einen Raum für die Videoregie mit Schnittplätzen und Live-Schalte-System. Die daran angrenzende „Lounge“ eignet sich für private oder geschäftliche Events. Im Keller befindet sich neben den 2 Kinosälen ein smartes Podcast-Studio, das sich um Ton und Schnitt selbst kümmert. Das spare, laut Betz, viel Zeit, Aufwand und Kosten.

Der Konzert- und Theatersaal liegt im früheren Kühlschiff der Brauerei. Der 6 Meter hohe Raum mit den alten, unebenen und porösen Backsteinwänden besitzt eine beeindruckende Akustik, die ein selbst entwickeltes 3-dimensionales Soundsystem („immersive Audiotechnik“) noch verbessert: 46 Lautsprecher befinden sich unter der hohen Decke, jeder wird mit einem im eigenen Haus entwickelten Algorithmus einzeln angesteuert und erzeugt einen 3-dimensionalen Klang. Dazu nehmen Kameras mit Gesichtserkennung das Geschehen auf, können sich entsprechend eigenständig bewegen. Das Licht ist ebenfalls darauf abgestimmt und programmiert.

Attraktiv für Promis aus Oper wie Rap

Die ausgefeilte Technik wissen auch Stars zu schätzen, die nach Stegen kommen und am Rande des Ammersees in ihre Musik förmlich eintauchen und diese aufnehmen können. Künstler wie Jonas Kaufmann oder Shirin David haben im Studio der alten Brauerei bereits aufgezeichnet. „Wir haben anfangs nicht gedacht, dass das so gut funktioniert“, meint Betz.

Ausgetüftelt und die Steuerungstechnik konstruiert hat der Technische Leiter und Entwickler Julius Drescher. Er hat in Graz Elektrotechnik und Toningenieur studiert und kam eher zufällig zu Groundlift. „Auf einem Musikfestival haben sich unsere Wege vor vielen Jahren gekreuzt“, erzählt er. „Daniel und ich sind gute Freunde, spielen einfach gut zusammen. Als er mir damals die alte Brauerei zeigte, hatten wir genau die gleichen Ideen und Visionen vor Augen.“

Schwieriger Start durch Corona

Das war im Juni 2020. Gut einen Monat zuvor hätte eigentlich schon die Eröffnungsfeier der neuen Brauerei stattfinden sollen. Doch dann stand plötzlich Corona vor der Tür. Die Feier musste abgesagt werden. Nichts ging mehr. Aufgeben war für Betz allerdings keine Option. Und so kam Drescher ins Spiel beziehungsweise in die Brauerei.

„Möglichkeiten, Räume, Perspektiven“

„Corona hätte uns fast das Genick gebrochen“, sagt Betz. „Mit Kultur allein kommt man nicht mehr über die Runden. Wir mussten umplanen, umdenken, neue Schwerpunkte setzen und dafür Wege finden.“ Das gelang. Die alte Brauerei bringt nun Kreativität mit neuester Technologie zusammen – für Kulturevents, kleine Fachmessen, private Veranstaltungen, Medien- und Kunstschaffende sowie Businessveranstaltungen.

„Wir sind sehr breit und innovativ aufgestellt“, findet Betz, „und verfügen über das Werkzeug, das neue Möglichkeiten, Räume und Perspektiven schafft.“ Hier in Stegen, in der alten Brauerei, am Rande des Ammersees.