Von Gabriele Lüke, IHK-Magazin 10/2026
Anastasia Frühauf ist mit Begeisterung selbstständig. Bereits mit knapp 25 Jahren gründete sie das erste Mal – in der Gastronomie mit ihrem damaligen Ehemann. „Es war großartig, auch herausfordernd, denn ich hatte 2 kleine Kinder. Zugleich hatte ich mein Lebensmodell gefunden“, erinnert sie sich.
Nach der Scheidung 2022 zog sie sich aus dem gemeinsamen Geschäft zurück und arbeitete als Büroangestellte. „Schnell fühlte ich mich dort jedoch gefangen. Mir wurde klar: Ich will nicht nur umsetzen, sondern wieder selbst gestalten.“
Frauen starten anders …
Dies ermöglicht ihr heute die Agentur Mary Poppins, ein Franchiseunternehmen, das Personal für Privathaushalte vermittelt. Sie bewarb sich als Franchisepartnerin, eröffnete 2025 die Agenturniederlassung für Ingolstadt und Regensburg und begann, den Markt zu erschließen. Mit ihrem Lebensgefährten bereitet Frühauf zudem eine weitere Gründung vor. Gemeinsam wollen sie Hausbesitzern einen Immobilien-Concierge-Service anbieten.
Frühauf beweist ohne Zweifel viel Elan als Gründerin. Gesamtwirtschaftlich betrachtet, sind Frauen, die ein Unternehmen starten, allerdings in der Minderheit. Laut KfW-Gründungsmonitor lag der Frauenanteil unter Gründenden 2025 bundesweit bei 35 Prozent. Bei den technologieorientierten Start-ups waren es sogar nur knapp 19 Prozent, so der Female Founders Monitor 2025.
… vorsichtiger, öfter mit Impact
Zugleich gründen Frauen anders als Männer. „Sie sind risikoaverser, starten kleiner, oft im Nebenerwerb und ohne Mitarbeitende, finanzieren eher aus eigenen Mitteln oder Fördermitteln, gründen später im Leben, achten oft auf gesellschaftlichen Impact“, erklärt IHK-Gründungsberaterin Cornelia von Kapff.
Die strukturellen Voraussetzungen sind ebenfalls anders als bei männlichen Gründern. So stellte der Female Founders Monitor fest, dass „zu wenige Impulse im Bildungssystem, Herausforderungen bei der Vereinbarkeit von Care-Arbeit und Beruf sowie fehlende Zugänge zu relevanten Netzwerken“ Frauen den Weg in die Selbstständigkeit erschweren.
Knackpunkt Risikokapital
Auch die Finanzierung, insbesondere mit Risikokapital, ist oft eine Hürde. Laut der Unternehmensberatung EY ging in Deutschland gerade einmal ein Prozent des Risikokapitals 2025 an rein weibliche Gründungsteams.
„Und dann stehen Frauen sich manchmal auch selbst im Weg“, beobachtet IHK-Expertin von Kapff. „Manchen Frauen fehlt das letzte Quäntchen Selbstbewusstsein.“ Anstatt einfach durchzustarten, wollten sie ihre Planungen immer weiter perfektionieren. „Dabei gründen Frauen erfahrungsgemäß ebenso erfolgreich wie Männer, sie dürfen und sollten sich trauen.“
IHK berät und vernetzt
Durch das Zögern gehe der Wirtschaft viel Potenzial, Kompetenz und Innovationskraft verloren, findet Marlene Eder, IHK-Referentin Business Women. „Wir als IHK ermutigen die Frauen explizit, zu gründen und dabei auch größer zu denken. Wir unterstützen sie mit guter Beratung, mit Role Models und Netzwerkveranstaltungen, arbeiten dafür auch mit anderen Netzwerkern und Anbietern zusammen.“
Unternehmerin Frühauf hat sich ebenfalls beraten lassen. Den Businessplan und die Finanzierung diskutierte sie mit den AktivSenioren in Ingolstadt. Darüber hinaus nahm sie Kontakt zur Ingolstädter Servicestelle Frauen – Beruf – Gründung auf.
„Ich fürchte keine Niederlagen“
„Wertvolle Ratschläge lieferte zudem die IHK-Geschäftsstelle in Ingolstadt – ich hatte mich für den Gründerpreis beworben. Damit ging die Beratung bei der IHK einher. Und sichtbar wurde mein Geschäft durch die Bewerbung auch.“
Bislang ist sie mit ihrer Selbstständigkeit sehr zufrieden: Sie hat einen stabilen Kundenstamm, einen Pool passender Fachkräfte, zieht bald in ein größeres Ladenlokal um, die Zeichen stehen auf Wachstum. „Allerdings fürchte ich auch keine Niederlagen. Wenn ein Plan nicht aufgeht, ist das Lebenserfahrung“, bleibt sie gelassen. „Selbstständigkeit ist keine Komfortzone.“
Den Unterschied machen
Eigene Wege gehen zu wollen, war auch für Kate McGraphery der Antrieb, sich selbstständig zu machen. Die promovierte Biotechnologin sammelte viel Erfahrung in der Wissenschaft, im Innovationsmanagement und zuletzt in der Unternehmensberatung. „Dabei habe ich gesehen, wie wichtig es ist, unterschiedliche Welten zusammenzubringen: wissenschaftliche und technische Expertise auf der einen Seite, Strategie und Umsetzung auf der anderen“, erklärt sie.
Mit der InnoCollab GmbH in Allershausen, die sie 2025 mit einem Geschäftspartner gründete, setzt sie nun dort an. „Wir bringen die richtigen Experten und Organisationen zusammen und helfen Unternehmen, komplexe Herausforderungen in klare, umsetzbare Lösungen zu übersetzen.“
Schneller durch externe Expertise
McGraphery holte sich in der Gründungsphase ebenfalls externe Unterstützung. Sie sprach mit ihren wissenschaftlichen Mentoren, mit UnternehmerTUM, dem Gründer- und Innovationszentrum der Technischen Universität München, und der IHK-Geschäftsstelle in Mühldorf. „Als Gründerin muss ich mich neben meiner Kernkompetenz mit sehr vielen unterschiedlichen Themen beschäftigen – von Rechtsformen und Fördermöglichkeiten über Buchhaltung bis Marketing“, sagt sie. „Gerade von der IHK bekam ich viele Informationen und Orientierung. Ich musste das Rad nicht neu erfinden. Zugleich hat die externe Expertise den Gründungsprozess beschleunigt.“
Schon vorab ein Netzwerk aufgebaut
Was sie ebenfalls zu schätzen weiß, ist Networking. Schon vor dem Start hatte McGraphery ein breites Netzwerk in Wissenschaft und Wirtschaft aufgebaut. Während der Gründung besuchte sie Netzwerkveranstaltungen wie etwa die Veranstaltung „SheStartup – Frauen gründen“ (s. Kasten unten).
„Vorbilder haben mich bestärkt“
„Ich war überzeugt, dass die Selbstständigkeit der richtige Weg für mich ist“, sagt sie. Trotzdem gab es Momente, in denen man sich fragte, ob alles funktionieren werde. „Die vielen inspirierenden Frauen und Vorbilder auf den Veranstaltungen haben mich begeistert, mich in meinem Mut und meinen Zielen bestärkt – und mir auch die letzten Zweifel genommen.“
Inzwischen blickt sie zufrieden auf das erste Geschäftsjahr: Das Unternehmen wächst und beschäftigt bereits 5 Mitarbeitende. Als Dozentin und Mentorin beim UnternehmerTUM-Programm „Women Startup“ gibt sie ihre Leidenschaft für die Selbstständigkeit an junge Gründerinnen weiter: „Ich möchte Frauen darin bestärken, ihre Expertise und ihre Ideen mit Selbstvertrauen in unternehmerisches Handeln umzusetzen und ihren eigenen Weg zu gehen.“