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Der Airport wächst weiter – der neue Terminal 1-Pier

Der Airport wächst weiter – der neue Terminal 1-Pier

© Flughafen München

Tor zur Welt

Als internationales Drehkreuz spielt der Flughafen München eine besondere Rolle für die bayerische Wirtschaft. Was bestimmt das Geschäft? Und wo gibt es Nachholbedarf?

Von Daniel Boss, IHK-Magazin 10/2026

Der Deutschlandsitz von Amazon trägt konzernintern nicht von ungefähr den Namen „MUC“. Der US-Riese benennt seine Dependancen weltweit nach dem Code des örtlichen Flughafens – internationale Verbindungen sind für den Konzern eben essenziell.

Das gilt nicht nur für Amazon. Die Nähe zu einem leistungsfähigen Airport gehört für viele Unternehmen in Bayern zu den entscheidenden Standortkriterien. „Als zentrale Verkehrsinfrastruktur sichern wir die internationale Anbindung der Region und stärken deren Wettbewerbsfähigkeit“, beschreibt Geschäftsführer Jost Lammers diese wichtige Rolle des Airports.

Wachsende Nachfrage erwartet

Zugleich agiert der Flughafen auch als Unternehmen mit vielfältigen Geschäftsbereichen – von der Immobilienvermarktung bis zum Innovationszentrum. Wie gelingt es dem Flughafen angesichts internationaler Krisen, wachsender Sicherheitsanforderungen und Kostendruck, sich erfolgreich weiterzuentwickeln?

Derzeit bereitet sich der Flughafen München auf eine langfristig wachsende Nachfrage vor. Mitte April 2026 wurde ein neuer Flugsteig eröffnet: „Unser neuer Terminal-1-Pier erhöht die Kapazität um bis zu 6 Millionen Passagiere jährlich“, erklärt Lammers. Doch damit nicht genug: Gemeinsam mit Lufthansa wird bereits ein weiterer Ausbau vorbereitet.

Ausbau statt künftiger Engpässe

Die geplante Erweiterung des Terminal-2-Satelliten soll zusätzliche Kapazitäten von bis zu 10 Millionen Passagieren pro Jahr schaffen und mehr Langstreckenverkehr bei zugleich höherer Servicequalität ermöglichen. Mit der vorausschauenden Weiterentwicklung der Infrastruktur wolle man Engpässen bewusst vorbeugen, so Lammers.

Den Passagierzahlen gilt wegen der Rolle des Flughafens als bedeutendes Drehkreuz für Tourismus und Geschäftsreisen meist besondere öffentliche Aufmerksamkeit: 2025 nutzten rund 43 Millionen Passagiere den Flughafen München. Das sind 1,8 Millionen mehr als im Jahr davor, aber immer noch weniger als vor Corona. 2019 zählte der Münchner Flughafen knapp 48 Millionen Fluggäste (s. Grafik unten).

Luftfracht – Plus von 10 Prozent

Zur hohen wirtschaftlichen Bedeutung des Standorts trägt entscheidend auch die Luftfracht bei. Hier gibt es ein deutliches Wachstum. Nach Angaben des Flughafens wurden rund 340.000 Tonnen Luftfracht 2025 umgeschlagen – ein Plus von 10 Prozent gegenüber dem Jahr zuvor. Treiber sind vor allem Langstreckenverbindungen und 5 reine Frachtfluggesellschaften.

Alexander Doden, Geschäftsführer der Airtruck Befrachtungsgesellschaft, steht im Sakko vor hellem Hintergrund und blickt leicht lächelnd in die Kamera.

© Das Kraftbild

Unser wirtschaftlicher Erfolg ist mit der positiven Entwicklung des Flughafens unmittelbar verbunden.

Alexander Doden, Geschäftsführer Airtruck

In diesem Umfeld agieren zahlreiche Logistikunternehmen. Zu ihnen gehört die Airtruck Befrachtungsgesellschaft mbH mit ihren rund 100 Mitarbeitenden: „Unser wirtschaftlicher Erfolg ist mit der positiven Entwicklung des Flughafens seit dem Umzug von Riem ins Erdinger Moos unmittelbar verbunden“, sagt Geschäftsführer Alexander Doden.

Schneller Umschlag, attraktive Preise

Das Geschäftsmodell habe sich in dieser Zeit komplett von einem „Trucking-Geschäft zu einem Handling-Geschäft“ gewandelt: Ging es früher eher darum, Fracht per Lkw zwischen verschiedenen Flughäfen oder Logistikzentren zu transportieren, liegt der Schwerpunkt heute auf der eigentlichen Abfertigung der Luftfracht am Flughafen – verbunden mit Dienstleistungen wie etwa Sortieren, Lagern, Zollabwicklung, Sicherheitskontrollen.

„Die hohe Anzahl an internationalen Flugfrequenzen sorgt dafür, dass wir nicht nur erheblich mehr Fracht als früher aus dem Wirtschaftsraum München, sondern insbesondere auch von anderen europäischen Hubs abziehen können“, so Doden. „Der Umschlag am MUC zeichnet sich durch sehr kurze Umschlagszeiten und preisliche Attraktivität aus.“

Nötig: Mehr Cargo Airlines oder E-Säulen

Doch der Logistikunternehmer schlägt auch kritische Töne an: „Insbesondere im Frachtbereich besteht ein erheblicher Bedarf an Renovierungs- und Instandhaltungsmaßnahmen, um die grundsätzlich gute Infrastruktur langfristig zu erhalten und einen reibungslosen Betrieb sicherzustellen“, sagt Doden. Darüber hinaus fehlten ausreichende Ladeinfrastruktur für die Elektromobilität sowie gut angebundene Park- und Warteflächen für Lkws.

Auch im Bereich der reinen Frachtfluggesellschaften („Cargo Airlines“) sieht er deutlichen Nachholbedarf: „Hier liegt der Flughafen München im Vergleich zu führenden europäischen Luftfrachtstandorten wie dem Frankfurt Airport und dem Flughafen Lüttich noch deutlich zurück.“

Frachtanlieferung auch nachts?

Ähnlich äußert sich Sven Zelmer, Geschäftsführer der Detzer Aircargo Service GmbH mit rund 120 Mitarbeitenden: Einerseits sei der Flughafen zweifellos eine „Jobmaschine“ und auch sein Unternehmen profitiere von Umschlag und Abfertigung der Luftfracht. Andererseits sei der Ausbau von Lagerkapazitäten unsicher und dauere viel zu lange. „Die Erweiterung der Fracht ist auch nur begrenzt möglich, da kein Platz mehr vorhanden ist“, meint Zelmer. „Alle angedachten Ausweichflächen sind eher als Krücke zu verstehen, werden aber langfristig sehr viele Schwierigkeiten bereiten.“

Umso wichtiger findet er, „dass wir am Standort Flughafen keine weitere Sanktionierung durch Behörden oder Servicepartner des Flughafens erfahren“, sagt Zelmer und nennt unter anderem das Thema Öffnungszeiten. Seiner Meinung nach könnten über Nacht mehr Frachten in München von verschiedenen Außenstationen wie beispielsweise den Airports Stuttgart oder Nürnberg angeliefert werden, die dann von München aus auf die Reise gehen.

Besser mit Zug und Lkw vernetzen

„Die eingeschränkten Öffnungszeiten zwingen aber die Außenstationen, oft über andere Flughäfen – zum Beispiel Frankfurt – abzufliegen“, so Zelmer. Zudem sollte „die Komplexität der Frachtabfertigung“ im Auge behalten werden: „Es gibt schließlich nicht nur Luftfracht. Die intelligente Vernetzung von Verkehrsträgern wie Lkw und Bahn ist immens wichtig.“

Sven Zelmer, Geschäftsführer der Detzer Aircargo Service GmbH, mit Brille und hellem Hemd vor unscharfem Hintergrund in einem Innenraum.

© Detzer Aircargo Service

Die eingeschränkten Öffnungszeiten zwingen dazu, oft über andere Flughäfen abzufliegen.

Sven Zelmer, Geschäftsführer Detzer Aircargo Service

Die Schiene rückt auch bei der Personenbeförderung in den Fokus. Eine Anbindung des Airports an das Fernbahnnetz wäre aus Sicht des Airports ein Meilenstein. „Eine Fernbahnanbindung hat große strategische Bedeutung für die langfristige Entwicklung des Standorts“, betont Flughafenchef Lammers. Als Luftverkehrsdrehkreuz würde der Flughafen München von einem erweiterten Einzugsgebiet profitieren und wäre für Passagiere, Mitarbeitende und Unternehmen noch besser zu erreichen.

Nein zu ICE auf S-Bahn-Gleisen

Dafür müssten aber wohl neue Gleise verlegt werden. Denn eine Behelfslösung, bei der ICEs auf der bestehenden Trasse für S-Bahnen und Regionalzüge fahren können, hält die Deutsche Bahn nach einer Prüfung für nicht sinnvoll umsetzbar. Sie erklärte im Juni 2026, dass die Auslastung der aktuellen Gleise dafür zu hoch sei.

Gesperrte Lufträume treiben Kosten

Dass Wachstum alles andere als selbstverständlich ist, zeigt auch der Blick auf die globale Lage. „Geopolitische Krisen wie der Krieg im Iran wirken sich spürbar auf den weltweiten Luftverkehr und damit auch auf den Flughafen München aus“, sagt Geschäftsführer Lammers. Gesperrte Lufträume über Iran, Russland oder der Ukraine machen Flugrouten länger und erhöhen die Kosten. Zwar könne München zeitweise profitieren, wenn andere internationale Drehkreuze ausfielen. Insgesamt würden die aktuellen Krisen die Entwicklung des Passagierverkehrs jedoch bremsen.

Beständiges Zusatzgeschäft am Boden

Auch die Logistikunternehmen beurteilen die Lage zurückhaltend. Viele Warenströme verändern sich derzeit, Planbarkeit ist kaum gegeben. Langfristige Prognosen sind schwierig bis unmöglich. Das Geschäft am Boden könnte hier als stabilisierender Faktor wirken: „Die Bereiche Einzelhandel, Gastronomie, Hotellerie und das Parken am Flughafen sind für uns wichtige Einnahmequellen neben dem reinen Aviation-Geschäft“, betont der Flughafenchef.

Zukunftstechnologien am LabCampus

Besonders große Erwartungen verbindet der Airport mit dem LabCampus auf dem Gelände. Noch im laufenden Jahr wird zum Beispiel die Technische Universität München (TUM) hier neue Forschungszentren eröffnen, darunter das weltgrößte Trainingszentrum für kognitive Robotik RoboGym und das TUM LivingLab für künftige Arbeits- und Lebenswelten. Auf diese Weise soll sich das Innovationsquartier zum eigenständigen Wirtschaftsstandort entwickeln – als weiterer zukunftsträchtiger Baustein im Geschäftsmodell Flughafen München.