Von Harriet Austen, IHK-Magazin 10/2026
„Was es nicht gibt, muss man selbst machen.“ Nach diesem Motto hat Karl Weinhold sein Lichttechnikunternehmen feno GmbH gegründet: In Eigenregie entwickelt er neuartige Steuergeräte, Leuchtmittel, Maschinen und Systeme. „Ich war schon als Kind technikinteressiert und schrieb mit 12 Jahren Software“, sagt der 58-Jährige. Hinzu kommen Kreativität und das Ziel, „etwas zu erschaffen, was ich anschauen kann“.
Zum Thema Licht sei er „wie die Jungfrau zum Kind“ gekommen, sagt Weinhold. Für sein Maschinenbaustudium absolvierte er ein Praktikum bei einem Hersteller von Leuchtensystemen. Das verlief so erfolgreich, dass er ein ganzes Jahr blieb und gut verdiente. In die Uni kehrte er nicht mehr zurück.
Über Produktlücke zur eigenen Firma
Das entscheidende Erlebnis hatte er dann in seinem folgenden Job als Bühnen- und Fernsehbeleuchter: Zu seinem Leidwesen gab es auf dem Markt keine präzise, stufenlose Farbansteuerung ohne die Verwendung von Filterfolien. Er beschloss, das Bauteil selbst herzustellen und dafür die KWL-Lighting GmbH zu gründen. Fachwissen dafür hatte er in 4 Semestern Maschinenbau ja gesammelt. Die nötige Steuerelektronik fertigte eine Firma nach seinen Plänen.
Das damals einmalige Produkt verkaufte sich gut. „Eigentlich aber wollte ich Leuchten herstellen“, so Weinhold. Die Gelegenheit dazu ergab sich, als er über eine neue Lichtsteuerung zur Allgemeinbeleuchtung kam – und zu einer einträglichen Kooperation mit dem österreichischen Lichttechnikunternehmen Tridonic und dem Leuchtenkonzern Osram.
Weinholds Idee, farbige T5-Leuchtstofflampen herzustellen, wollte der Konzern allerdings nicht verfolgen. „Dann nehme ich das halt selbst in die Hand“, entschied der Unternehmer und fand dafür eine Partnerfirma in Sachsen. Er hatte seine Nische gefunden: Steuerungen und farbige Leuchtmittel, die es so auf dem Markt noch nicht gab.
Technik und Kunst Hand in Hand
Seine unkonventionelle Herangehensweise sprach sich herum. Renommierte Künstler wie Angela Bulloch, James Turrell oder Yves Peitzner und Leuchtendesigner wie Ingo Maurer kamen auf ihn zu, weil er ihre hochkomplexen Ansprüche in die Praxis umsetzen konnte. „Ich hätte nie gedacht, dass mein Traum, mit Künstlern zusammenzuarbeiten, schon nach 5 Jahren in Erfüllung geht“, so Weinhold. Vor allem mit James Turrell entstanden weltweit „fantastische Lichtkunstprojekte“ wie die meditativen Skyspace-Installationen. „Ich bin ein Techniker, der Künstler versteht.“
Anfangs entwickelte, programmierte und baute Weinhold sämtliche Anlagen selbst. Dafür war eine eigene Fertigung nötig. Er schaffte die erforderlichen Geräte an, zog mit dem Betrieb in größere Räume und beauftragte eine Agentur, ein Marketingkonzept zu erstellen und einen griffigeren Firmennamen zu suchen.
Premiumfertigung in Oberhaching
2009 firmierte das Unternehmen in feno GmbH um, etablierte einen Vertrieb und warb auf dem Markt damit, ein tiefes Verständnis für jede Lichtanwendung zu haben und über künstlerisches Bewusstsein zu verfügen. Weinhold hatte eine wichtige Etappe geschafft: Die gesamte Prozesskette befand sich nun in Oberhaching bei München, wo in Premiumqualität und in Serie gefertigt werden konnte.
Sein nächstes Ziel: „Ich möchte den Qualitätsanspruch der Lichtkunst auf die Automobiltechnik übertragen.“ Er und seine Mitarbeiter hatten begriffen, dass „die technischen Anforderungen der Lichtkunst in ihrer Präzision und Perfektion weit über alles hinausgehen, was wir bisher gemacht haben“. Geistige Flexibilität und die Befreiung von erlerntem Sehen und Denken seien dazu nötig.
Einzigartige Lichterlebnisse fürs Wohlbefinden
Das Ergebnis: ungewöhnliche LED-Lichtsysteme für die neuen Kunden aus der Automobilindustrie – heute mit einem Umsatzanteil von 80 Prozent das größte Geschäft von feno. „Qualitativ wertvolles Licht im Fahrzeug kann so gesteuert werden, dass es für Wohlbefinden, Entspannung, Ruhe oder Aufmerksamkeit sorgt“, sagt Weinhold, der in einzigartigen Lichterlebnissen „ein Riesenpotenzial“ sieht. Schon jetzt fertigt feno über 6 Millionen Baugruppen pro Jahr. Weitere Kunden kommen aus der Medizintechnik, der Architektur und den Reedereien für Yachten und Kreuzfahrtschiffe.
Optimieren statt expandieren
Dennoch hat er momentan anderes vor. „Ich suche nicht mehr mit Gewalt nach neuen Märkten. Mir ist wichtig, das Unternehmen von innen heraus in den Fokus zu rücken.“ Das bedeutet für ihn, Prozesse, Qualitätsstandards und die Arbeitsumgebung zu optimieren. „Die Automatisierung ist für uns die größte Herausforderung, um wettbewerbsfähig zu bleiben“, sagt Weinhold. Versteht sich, dass feno die Maschinen dafür teilweise selbst baut.