Von Eva Schröder, IHK-Magazin 10/2026
Attraktiv bleiben – dank neuer Ansätze – das ist das Motto des Wettbewerbs „Digitale Champions im bayerischen Handel“. Das Bayerische Wirtschaftsministerium und die Unternehmensberatung ibi research haben mit der Günther Rid Stiftung für den bayerischen Einzelhandel kürzlich 6 Preisträger gekürt. Einer davon ist die Bensegger GmbH aus Rosenheim, ausgezeichnet für ihren virtuellen Showroom. Geschäftsführer Andreas Bensegger erläutert, warum er neue Technologien wie virtuelle Realität (VR) sinnvoll findet.
Herr Bensegger, wofür nutzen Sie als Bürofachhändler 4 VR-Brillen?
Für manche war es schon eine Überraschung, dass ich im 166. Firmenjahr plötzlich mit so was ankam (lacht). Meine Vorfahren sind mit dem Buchhandel gestartet. Wir haben immer die Entwicklungen beobachtet und danach gehandelt. Heute haben wir 65 Mitarbeitende und statten insbesondere gewerbliche Kunden mit allem aus, was es im Büroalltag braucht. Speziell Möbel und Bürosysteme kann und will man sehen und ausprobieren, bevor man sie für Jahre anschafft.
Der Kundenberater auch als Avatar
Wie sieht das konkret aus?
Ein Kunde macht einen Termin in unserem virtuellen Showroom aus, bekommt 2 VR-Brillen zugeschickt. Dann wird er von einem Avatar online begrüßt. Diese Figur am Bildschirm steuert ein Vertriebskollege von uns. Er führt ihm Gerätevarianten vor, kann sogar Produktdaten aus Präsentationen live öffnen und vergleichen. Der Kunde kann etwa die Größe von Multifunktionsgeräten verändern oder Funktionen durchtesten.
Ist das nicht reine Spielerei?
Für mich nicht. Allein so etwas anzubieten, erleichtert uns die Kontaktanbahnung, macht neugierig und ist eine Vertriebsunterstützung. Außerdem können wir damit unsere Kunden zwischen Garmisch-Partenkirchen, München, Burghausen und dem Königssee besser betreuen. Nicht jeder kann für eine Produktvorführung nach Rosenheim kommen. Virtuell bieten wir eine zusätzliche Ebene der persönlichen Beratung. Auch im virtuellen Raum entsteht Verbundenheit. Es wurden schon erste Aufträge daraus.
Wie nimmt man das Team dafür mit?
Wir alle legen gerade eine steile Lernkurve hin. Ich sag immer: „Traut euch.“ Klar fällt das den Jüngeren leicht, aber es macht wirklich Spaß. Man öffnet sich, auch ich mit 54. Im Ernst: Bis Jahresende werden sich weitere Kollegen dafür „warmlaufen“. Unsere IT unterstützt sie. Wir nutzen VR auch selbst, weil wir aktuell unsere Gebäude erweitern.
Wissensvorsprung sichern, Mehrwert bieten
Haben Sie weitere Pläne zur Digitalisierung?
Wir wollen Trends erkennen, einen Wissensvorsprung haben und Mehrwert bieten. Der Kundendienst, Schulungen, auch von Herstellern, werden immer virtueller. Für mich zählt die Haltung: Ausprobieren, auf sich wirken lassen! Innovation geht auch in einem mittleren Familienbetrieb.