Von Natascha Plankermann, IHK-Magazin 10/2026
Für einen Tag wird München zum Treffpunkt internationaler Märkte: Die IHK Trade & Connect feiert 2026 ihr 20-jähriges Jubiläum. Aus einem überschaubaren Beratungsformat wurde der wichtigste Termin für bayerische Unternehmen im Auslandsgeschäft. Experten der Auslandshandelskammern (AHK) aus mehr als 60 Ländern nehmen am 19. November 2026 Platz an den Gesprächstischen – gegenüber sitzen Unternehmer, die wissen wollen, wie es um ihre Märkte wirklich steht.
„Die Bedeutung der Veranstaltung wächst mit der Unsicherheit des Weltgeschehens“, sagt Gabriele Vetter, stellvertretende Bereichsleiterin International bei der IHK für München und Oberbayern. Unternehmen müssen fortlaufend neue Entwicklungen einordnen – egal ob es um die Handelspolitik in Europa oder in den Kernmärkten USA und China geht.
Politik der USA bereitet Sorgen …
Bei der Trade & Connect informieren sie sich aus erster Hand, wie im Zeitraffer: Wo produziere ich künftig? Welche Exportmärkte bieten die größten Chancen? Wie sichere ich Importe und Lieferketten? Wie gehe ich mit hohen Energie- und Transportkosten um?
Kaum einen Markt trifft die neue Unwucht so deutlich wie die USA. Christoph Schemionek, Leiter der Delegation der Deutschen Wirtschaft in Washington D.C.: „Die Fundamente des deutsch-amerikanischen Handels sind nach wie vor bemerkenswert stark.“ Dennoch fehle es an Planungssicherheit – die politischen Dynamiken unter „Trump II“ sorgen dafür. Laut dem German American Business Outlook 2026 spüren 86 Prozent der Unternehmen negative Effekte der US-Zollpolitik, vor allem administrativen Mehraufwand. Erstmals überholen politische Unsicherheit und die Zollfolgen in der Umfrage den Fachkräftemangel als größte Herausforderung.
… eröffnet aber auch Chancen
Die deutsche Wirtschaft bleibt dem Markt dennoch treu: 67 Prozent wollen ihre US-Investitionen weiter ausbauen, 57 Prozent haben KI-Projekte umgesetzt – doppelt so viele wie im Vorjahr. Mit mehr als 680 Milliarden Dollar Direktinvestitionen ist Deutschland drittgrößter ausländischer Investor in den USA, mehr als 6.000 deutsche Unternehmen sichern dort rund eine Million Jobs, viele in der Fertigung.
Trumps Ziel der Reindustrialisierung eröffnet Geschäftschancen, etwa in Rüstung, Auto- und Maschinenbau, Luft- und Raumfahrt sowie beim Bau von Rechenzentren. Zugleich bringt der Aufbau von Produktionskapazitäten Hürden mit sich: Bürokratie, langwierige Genehmigungsprozesse und Zölle, die auch Vorprodukte verteuern können.
Startvorteil: Büro am AHK-Standort
Schemionek beschreibt das Klima als unternehmensfreundlich, betont aber, dass Expansion klare Strategie und sorgfältige Navigation der Regularien erfordert. Wer einsteigen wolle, dem rät er zu klarer Fokussierung – notfalls zunächst mit einem virtuellen Büro. Das AHK-Netzwerk mit Standorten in Atlanta, Chicago, New York, San Francisco und Washington sei der beste Startpunkt.
Wie ein Rückhalt aussehen kann, weiß Matthias Klaholt von der Euler Hermes Aktiengesellschaft, die im Auftrag des Bundes die Exportkreditgarantien verwaltet. „Die größte Herausforderung ist der Umgang mit geopolitischen Risiken wie Kriegen, Sanktionen und Protektionismus. Selbst etablierte Geschäftsbeziehungen können dadurch kurzfristig beeinträchtigt werden“, sagt Klaholt. Daneben blieben klassische Zahlungsausfälle wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten von Kunden ein zentrales Thema.
Exportgarantien senken Risiken
Klaholts Rat: Risiken schon in der Angebotsphase mitdenken. Neben Bonitätsprüfungen, Anzahlungen, Akkreditiven oder Bankgarantien spielen Exportkreditversicherungen eine wichtige Rolle – bei anspruchsvollen Märkten sind die Exportkreditgarantien des Bundes, die Hermesdeckungen, oft das Mittel der Wahl.
Für den Mittelstand interessant sei die Fabrikationsrisikodeckung: Sie greift schon während der Produktion, falls ein Exportgeschäft vor Lieferung platzt. Ergänzend erleichtert die Avalgarantie des Bundes Anzahlungs-, Leistungs- oder Gewährleistungsbürgschaften – ein Wettbewerbsvorteil.
Dynamisch: Naher Osten und Indien
Besonders interessant sind laut Klaholt Projekte in Energie, Infrastruktur, Rohstoffen und industrieller Transformation, rund um erneuerbare Energien, Wasserstoff und strategische Rohstoffe. Zu den wichtigsten Zielländern zählen die Türkei, Indien und Saudi-Arabien – Märkte mit großen Chancen, die professionelle Risikoabsicherung erfordern, ebenso wie einen „sauber ausgearbeiteten, anwaltlich geprüften Vertrag mit klar geregeltem Recht, Gerichtsstand und Zahlungsbedingungen“.
Mercosur bietet attraktive Ziele
Die IHK blickt zudem über etablierte Märkte hinaus. Neben den USA und China rückt für Vetter Indien in den Fokus, wo das frisch unterzeichnete Handelsabkommen mit der EU noch auf seine Ratifizierung wartet. Auch Lateinamerika sei seit dem Mercosur-Abkommen attraktiver, das gelte nicht nur für Brasilien, sondern auch für Argentinien, Paraguay oder Uruguay.
Wissen teilen durch Vernetzung
„Wer im Ausland investieren möchte, profitiert enorm vom Wissen der AHK-Expertinnen und -Experten vor Ort“, sagt Vetter. Das Matchmaking mache die Trade & Connect wertvoll: Teilnehmende lernen voneinander und finden gemeinsam Lösungen. Vetter: „So bleibt der Standort Bayern die sichere Basis – und bietet zugleich das Sprungbrett in die Welt.“