Ein Kunde zieht einen Auftrag kurzfristig zurück. Die Nachfrage bleibt hinter den Erwartungen zurück. Eine Krankheit erschwert den Arbeitsalltag. – Situationen wie diese gehören für viele Selbstständige zur Realität. Während größere Unternehmen Aufgaben verteilen können, müssen Selbstständige häufig allein Entscheidungen treffen und mit den Folgen umgehen. Deshalb treffen Krisen oft nicht nur das Unternehmen, sondern auch die Person dahinter. Eine Krise bedeutet jedoch nicht automatisch persönliches Scheitern. Oft zeigt sie, dass es Zeit ist, genauer hinzuschauen. Die folgenden Anregungen stammen aus den Erfahrungen von Selbstständigen und Coaches und können dabei helfen, auch in schwierigen Phasen handlungsfähig zu bleiben.

Selbstständigkeit bedeutet Freiheit und Verantwortung

Viele machen sich selbstständig, weil sie eigene Ideen umsetzen, selbst entscheiden oder ihre Arbeit stärker an den eigenen Werten ausrichten möchten. Diese Freiheit schätzen Selbstständige besonders. Gleichzeitig tragen sie die Verantwortung für Aufträge, Einkommen, Kundenbeziehungen und die eigene Absicherung. Bleiben Aufträge aus oder treten gesundheitliche Probleme auf, bekommen sie die Folgen oft direkt zu spüren. Besonders belastend wird es, wenn mehrere Herausforderungen gleichzeitig auftreten. Damit diese Freiheit nicht zur ständigen Verfügbarkeit führt, sind klare Arbeitszeiten und Erholungsphasen besonders wichtig.

Erinnern Sie sich daran, warum Sie selbstständig geworden sind

Wenn Aufträge fehlen oder Unsicherheit entsteht, drehen sich die Gedanken schnell nur noch um Probleme und Risiken. Dann kann es helfen, einen Schritt zurückzugehen und sich an die Gründe zu erinnern, die ursprünglich für die Selbstständigkeit gesprochen haben.

Fragen Sie sich:

  • Warum habe ich mich für diesen Weg entschieden?
  • Was gefällt mir an meiner Arbeit?
  • Welche Freiheiten möchte ich nicht aufgeben?

Diese Fragen lösen die Krise nicht. Sie erinnern jedoch daran, warum Sie diesen Weg gewählt haben und was Ihnen daran wichtig ist.

Schreiben Sie Ihre Sorgen auf

Im Kopf werden Probleme mit jedem Gedankengang größer. Nehmen Sie sich deshalb einige Minuten Zeit und schreiben Sie auf, was Sie beschäftigt.

  • Was befürchte ich konkret?
  • Was wäre das schlimmste Szenario?
  • Wer könnte mich unterstützen?
  • Welche Möglichkeiten hätte ich trotzdem noch?

Oft wirkt eine Sorge auf Papier weniger bedrohlich als im Kopf. Das Schreiben schafft Abstand und hilft dabei, die eigenen Gedanken zu sortieren.

Gehen Sie mit Unsicherheit aktiv um

Unsicherheit gehört zur Selbstständigkeit dazu. Statt sich von ihr treiben zu lassen, können Sie versuchen, Klarheit zu schaffen.

Fragen Sie sich:

  • Was weiß ich sicher?
  • Was vermute ich nur?
  • Was kann ich beeinflussen?
  • Was muss ich absichern?
  • Wen kann ich fragen?
  • Was ist mein nächster realistischer Schritt?

Mit diesen Fragen trennen Sie Fakten von Vermutungen und erkennen leichter, wo Sie ansetzen können.

Kommen Sie ins Handeln

Krisen können dazu führen, dass die Gedanken weit in die Zukunft wandern. Hilfreicher ist häufig die Frage:

Was kann ich heute tun?

Vielleicht können Sie:

  • einen Kunden anrufen,
  • Ihr Netzwerk aktivieren,
  • ein Angebot überarbeiten,
  • sich weiterbilden,
  • neue Geschäftsideen prüfen.

Nicht jeder Schritt führt sofort zum Erfolg. Jeder Schritt hilft aber, in Bewegung zu bleiben.

Setzen Sie Grenzen

Gerade in schwierigen Zeiten arbeiten viele Selbstständige länger, verzichten auf Pausen oder beantworten Anfragen rund um die Uhr. Kurzfristig mag das sinnvoll erscheinen. Auf Dauer kostet es Kraft.

Legen Sie deshalb bewusst fest:

  • Wann beginnt und endet Ihr Arbeitstag?
  • Wann sind Sie erreichbar?
  • Wann machen Sie Pause?
  • Wann kümmern Sie sich um Weiterbildung oder Akquise?

Solche Regeln schützen Ihre Arbeitsfähigkeit und schaffen Orientierung, gerade wenn der Druck steigt.

Fragen für Ihren persönlichen Arbeitsrahmen

Nutzen Sie die folgenden Fragen als Orientierung. Sie helfen dabei, den eigenen Arbeitsalltag bewusst zu gestalten und Überlastung frühzeitig zu erkennen.

Arbeitszeiten

  • Zu welchen Zeiten arbeite ich normalerweise?
  • Woran erkenne ich, dass mein Arbeitstag beginnt und endet?

Erreichbarkeit

  • Wann bin ich für Kunden erreichbar?
  • Wann bin ich bewusst nicht erreichbar?

Projektumfang

  • Wie viele Projekte kann ich gleichzeitig betreuen, ohne dauerhaft an meine Grenzen zu kommen?
  • Ab wann sollte ich einen Auftrag ablehnen oder verschieben?

Honorare

  • Welchen Umsatz oder welches Honorar benötige ich, um meine laufenden Kosten, meine Absicherung und Rücklagen zu decken?

Reaktionszeiten

  • Welche Antwortzeiten kommuniziere ich Kunden?
  • Wo ziehe ich die Grenze zwischen gutem Service und ständiger Verfügbarkeit?

Erholung

  • Wann plane ich feste Zeiten für Erholung, Familie oder Freizeit ein?
  • Wie verhindere ich, dass diese Zeiten regelmäßig durch Arbeit ersetzt werden?

Weiterbildung und Akquise

  • Wann kümmere ich mich um Themen, die für die Zukunft meines Geschäfts wichtig sind?
  • Welche Aufgaben verschiebe ich zu häufig?

Achten Sie auf Ihre Energie

Nicht jede Aufgabe wirkt gleich auf die eigene Motivation.

Manche Tätigkeiten geben Energie, beispielsweise:

  • Kundengespräche
  • kreative Arbeit
  • neue Projekte

Andere kosten vielleicht Energie, etwa:

  • Buchhaltung
  • Verwaltung
  • Dokumentation

Versuchen Sie, beides bewusst zu mischen, um ihr Energiemanagement konstant aufrecht zu halten. Wenn Sie sich einen Vormittag mit ungeliebten Aufgaben beschäftigen, planen Sie danach etwas ein, das Ihnen Freude macht oder Ihnen ein Erfolgserlebnis verschafft. Die Tätigkeiten und Einordnungen sind natürlich individuell.

Sprechen Sie mit anderen

Viele Selbstständige ziehen sich zurück, wenn es schwierig wird. Dabei hilft oft genau das Gegenteil. Sprechen Sie mit Menschen, die Ihre Situation verstehen. Teilen Sie Erfahrungen, holen Sie sich Feedback oder fragen Sie nach Ideen.

Der Austausch kann helfen,

  • neue Perspektiven zu gewinnen,
  • Lösungen zu finden,
  • Kontakte aufzubauen,
  • sich gegenseitig zu unterstützen.

Oft entsteht bereits Erleichterung, wenn man merkt, dass andere ähnliche Erfahrungen machen.

Netzwerke helfen außerdem nicht nur dabei, Aufträge zu gewinnen. Sie können auch dabei unterstützen, Belastungen einzuordnen, Entscheidungen zu reflektieren und sich gegenseitig zu stärken. Besonders hilfreich sind Kontakte, die nicht nur Probleme beschreiben, sondern gemeinsam nach Lösungen suchen.

Netzwerkangebote der IHK München

Porträt einer lächelnden Floristin mittleren Alters mit Kund\:innen im Hintergrund im Blumenladen.

© Tyler Olson

  • IHK-Selbstständigentag - unser jährlich statt findendes großes Netzwerkevent für Soloselbstständige und Kleinunternehmen
  • Kooperationsveranstaltung mit dem VGSD e.V - Selbstständige stärken - Gemeinsam diskutieren, informieren, verändern

Lassen Sie Frust zu

Eine Absage, ein verlorener Auftrag oder eine schwierige Marktphase dürfen frustrieren. Es ist völlig normal, enttäuscht oder verärgert zu sein.

Nehmen Sie diese Gefühle wahr und geben Sie ihnen Raum. Versuchen Sie jedoch, nicht länger als ein paar Tage darin hängen zu bleiben.

Fragen Sie sich anschließend:

  • Was habe ich daraus gelernt?
  • Was möchte ich künftig anders machen?
  • Was ist jetzt der nächste sinnvolle Schritt?

So richten Sie den Blick wieder nach vorn.

Atmen Sie bewusst durch

Bewusstes Atmen kann in Stresssituationen helfen, kurz innezuhalten, Emotionen zu regulieren und die Aufmerksamkeit wieder auf den Moment zu richten.

Eine einfache und schnelle Übung:

  1. Vier Sekunden durch die Nase einatmen.
  2. Den Atem kurz anhalten.
  3. Sechs bis acht Sekunden langsam ausatmen.
  4. Die Übung für mindestens fünf Atemzüge wiederholen.

Atemtechniken gehören heute zu den etablierten Methoden des Stressmanagements und kommen unter anderem in Gesundheitsprogrammen, Coachings und Führungskräfte-Trainings zum Einsatz.

Holen Sie sich Unterstützung

Sie müssen nicht jede Krise allein bewältigen.

Fragen Sie sich:

  • Wer kennt meine Situation wirklich?
  • Mit wem kann ich offen sprechen?
  • Wer kann mir helfen, die Situation aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten?

Unterstützung können andere Selbstständige, Mentoring-Programme, Coaches, Berufsverbände oder Beratungsstellen bieten.

Wenn Belastungen über längere Zeit anhalten oder Ihren Alltag deutlich beeinträchtigen, sollten Sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische, psychologische oder therapeutische Beratung.

Krisen bedeuten nicht automatisch Scheitern

Krisen gehören zur Selbstständigkeit dazu. Sie zeigen oft, dass sich Rahmenbedingungen verändert haben oder dass bisherige Strategien nicht mehr passen.

Entscheidend ist nicht, jede Krise zu vermeiden. Entscheidend ist, hinzuschauen, Unterstützung anzunehmen und die nächsten Schritte zu gehen. Genau darin liegt die Chance, gestärkt aus einer schwierigen Phase hervorzugehen.

FAQs zu Krisenzeiten in der Selbstständigkeit

Wenn Sie sich über längere Zeit erschöpft fühlen, schlecht schlafen, sich nur schwer konzentrieren können oder dauerhaft unter Druck stehen, sollten Sie genauer hinschauen und aktiv gegensteuern.

Selbstständige tragen häufig allein die Verantwortung für Aufträge, Einkommen und ihre Absicherung. Wirtschaftliche Schwierigkeiten wirken sich deshalb oft direkt auf die persönliche Situation aus.

Schreiben Sie Ihre Sorgen auf und prüfen Sie, was tatsächlich passieren könnte. Oft wird dadurch klarer, welche Handlungsmöglichkeiten Sie noch haben und welche Befürchtungen eher auf Annahmen beruhen.

Konzentrieren Sie sich auf den nächsten konkreten Schritt. Fragen Sie sich nicht nur, was passieren könnte, sondern vor allem, was Sie heute tun können.

Ja. Der Austausch mit anderen Selbstständigen oder vertrauten Personen hilft oft dabei, neue Perspektiven zu gewinnen und sich weniger allein zu fühlen.

Wenn Belastungen über längere Zeit anhalten und Ihren Alltag deutlich beeinträchtigen, sollten Sie professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen.

Ihre Ansprechpartnerin

Porträt einer Frau

Dorothee von Krshiwoblozki