Von Josef Stelzer, 7/2026
Künstliche Intelligenz (KI) ist längst im Geschäftsalltag angekommen. Das Spektrum möglicher Einsatzfelder ist schier grenzenlos. ChatGPT und andere Sprachmodelle beantworten Fragen, fassen Texte zusammen, helfen beim Recherchieren, sind Sparringspartner bei der Konzeptentwicklung, suchen nach Lieferanten, Dienstleistern oder Partnern.
Die sogenannten KI-Agenten gehen nun noch weiter. Sie sind autonome Softwareprogramme, die nicht nur reagieren, sondern selbstständig Handlungen und Aufgaben ausführen, für die sie zuvor trainiert wurden. Die digitalen Helfer greifen dabei auf betriebliche und fachspezifische Informationen zu, nutzen hierzu etwa unternehmensinterne Datenbanken oder E-Mail-Programme und übernehmen dann zum Beispiel Rechnungsprüfung und Terminkoordination.
Enorme Erleichterung
Davon profitieren gerade auch Selbstständige und Kleinunternehmen. Wie etwa Wolfgang Schneider. Der Geschäftsführer der POS Electronic GmbH in Allersberg hat einen KI-Agenten im Einsatz, der die Angebotserstellung übernimmt. Der Unternehmer vermietet Bezahlterminals an kleinere Betriebe, von Einzelhändlern, Friseurgeschäften über Werkstätten bis zu Apotheken oder Arztpraxen.
Aktiv wird der Agent, wenn Schneiders Kunden per E-Mail um Zusendung eines Angebots mit den für sie relevanten Details bitten, etwa die gewünschte Anzahl der Terminals samt Zubehör und die geplante Zahl der Bezahltransaktionen pro Monat. Daraus formuliert der digitale Helfer selbstständig ein Angebot mit Einzelheiten wie Preisen oder Lieferzeiten. Schneider prüft die Inhalte und gibt die Angebots-Mail mit seiner E-Mail-Signatur frei.
Ein zweiter Agent zur Kontrolle
„Das ist eine große Erleichterung im Alltag, zumal ich viel unterwegs bin und die Angebotserstellung durch den KI-Agenten praktisch komplett automatisiert ist“, freut sich Schneider, der eine Vollzeit- sowie eine Teilzeitkraft beschäftigt. „Fast täglich spare ich mit dem digitalen Assistenten rund eine Stunde Arbeitszeit, weil ich abends keine Angebote mehr schreiben muss.“
Entwickelt wurde der digitale Angebotsassistent von der andact GmbH, Grünwald, die auf solche KI-Agenten spezialisiert ist. Kai Sahling, Geschäftsführer des 2025 gegründeten Unternehmens, erklärt: „Der Assistent stellt sogar selbstständig Rückfragen, wenn in der Kundenanfrage bestimmte Informationen fehlen.
Zudem begründet er seine Angebotserstellung, etwa durch geeignete Textabschnitte aus dem Katalog oder aus früheren Bestellungen.“ Ein 2. Agent kontrolliert, ob das Angebot passt. Sahling betont: „Da der Angebotsassistent aus vergangenen Angeboten lernt, ist er innerhalb weniger Tage einsatzbereit.“
KI-Agenten selber bauen
Immer mehr Selbstständige und Kleinunternehmen nutzen inzwischen solche KI-Agenten. Ein Restaurant-Inhaber in Weihenstephan zum Beispiel lässt sich Angebote zu Firmenevents oder privaten Feiern erstellen. Andere erstellen mit KI-Agenten automatisiert Verträge, lassen sie E-Mails sortieren, Rechnungen verarbeiten oder Marketingaufgaben erledigen.
Um sich mit KI-Agenten vertraut zu machen, empfiehlt IHK-Experte Daniel Meyer, mit frei verfügbaren KI-Tools erste Anwendungsfälle zu testen und einfache Agenten-Prototypen zu entwickeln. Die Anweisungen dafür gibt es im Internet. „Der beste Einstieg ist ein kleiner, klar abgegrenzter Anwendungsfall mit messbarem Nutzen – und erst danach kommt die Skalierung. Dadurch erhält man auch schnell einen guten Überblick über die Logik und Arbeitsweise von KI-Agenten.“