Von Schultzendorff entschied sich für das chinesische Portal TikTok beziehungsweise TikTokShop, die neue Verkaufsfunktion, die TikTok seit 2025 auch in Deutschland anbietet. „Um den Verkauf anzukurbeln, beauftrage ich vor allem das TikTok-Influencernetzwerk. Die Creators bewerben mein Produkt für mich und bringen die Reichweite“, erläutert er. „Social Commerce wird immer wichtiger. Wir müssen als Hersteller und Händler dorthin gehen, wo die Kunden ihre Zeit verbringen – und das sind eben vielfach die sozialen Medien.“
Vertriebsschub durch Social Media
IHK-Handelsreferent Peter Groten sieht das ähnlich. Zumal sogenannte In-App-Verkäufe schon seit einiger Zeit zum Angebot der meisten Social-Media-Kanäle gehören. Bei TikTokShop kann der Käufer vom Anschauen bis Bezahlen sogar alles in der App, also medienbruchfrei abwickeln. Bei Instagram Shopping wird zum Bezahlen auf eine externe Website weitergeleitet. „Social Commerce ist eine gute Erweiterung der Onlinestrategie. Gerade auch kleine Handelsunternehmen können davon profitieren, ihre Sichtbarkeit erhöhen und den Vertrieb fördern“, so Groten.
Wer einmal beginnt, über Social Media seine Produkte zu präsentieren, muss allerdings mehrmals wöchentlich mit Posts, Fotos, Reels oder Aktionen aktiv sein und in Kontakt mit seinen Followern treten, sonst springen sie ab. Social Commerce erfordert Zeit und personelle Kapazitäten. Das müssen Selbstständige bedenken. Dorothee von Krshiwoblozki, IHK-Referentin Selbstständige, betont: „Social Commerce kann gerade für kleinere Unternehmen eine gute Möglichkeit sein, neue Kundengruppen zu erreichen. Wichtig ist, die passenden Plattformen auszuwählen und die Aktivitäten so zu planen, dass sie dauerhaft zum Geschäftsalltag passen.“
Gute Basis: eigener Onlineshop
Wie können kleine Firmen also vorgehen? „Ein eigener Onlineshop ist eine gute Basis. Es gibt genügend vorgefertigte Tools, ein Onlineshop ist heute keine Herausforderung mehr“, sagt IHK-Digitalisierungsreferent Bernhard Kux. Da nicht jeder Social-Media-Kanal einen medienbruchfreien Verkauf ermöglicht, kann über den Shop dann auch der Kaufabschluss abgewickelt werden. Kux betont: „Bezüglich der Social-Media-Portale geht es nicht darum, alle zu bedienen, sondern abzuwägen, wo die Zielgruppe sich am ehesten aufhält, welche Kanäle passen.“ Seine Tipps für den Einstieg:
- Ziele definieren – was will ich mit Social-Media-Marketing erreichen?
- Zielgruppen definieren – wen will ich ansprechen?
- Inhalte festlegen – was will ich kommunizieren?
- Mitbewerber analysieren – welche Strategien verfolgen die Konkurrenten?
- Social-Media-Kanäle definieren – welche Plattformen eignen sich am besten für die eigene Zielgruppe?
- Kanäle verknüpfen – wie vernetze ich Social-Media mit dem kompletten Marketing-Mix?
- Social-Media-Controlling durchführen – welche Kennzahlen sind wichtig für die Erfolgsmessung?
„Sinnvoll kann zudem sein, auf Provisionsbasis Influencer einzubinden oder sich mit Geschäftspartnern zusammenzutun und die Reichweite zu erhöhen“, ergänzt IHK-Handelsexperte Groten.