Auf einen Blick

  • Der BIHK-Konjunkturindex legt gegenüber dem Frühjahr um 4 Zähler auf 105 Punkte zu und erreicht wieder das Niveau vom Herbst 2025. Gleichzeitig liegt das Barometer weiterhin unter dem Langzeitdurchschnitt von 111 Punkten.

  • Die Geschäfte der Unternehmen laufen nach zwei Jahren Dauertief wieder etwas besser. Die Aussichten für die kommenden Monate bleiben hingegen mager und sprechen gegen einen klassischen Wirtschaftsaufschwung.

  • Trotz besser laufender Geschäfte sind die Inlandsinvestitionen äußerst schwach. Die Rekordunzufriedenheit mit den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen zeigt die strukturellen Investitionshemmnisse auf.

  • Der Stellenabbau in der bayerischen Wirtschaft setzt sich weiter fort, auch wenn sich die Abbaudynamik zuletzt etwas verlangsamt hat.

Inhalt

BIHK-Konjunkturumfrage

Mit den Pfeiltasten können Sie die Tabelle horizontal scrollen.

Befragungszeitraum

14.09.2026 bis 25.09.2026

Eingegangene Unternehmensantworten

3.200

Herbst 2026: Leichter Aufwind in der bayerischen Wirtschaft

Der aus Lageurteilen und Erwartungen zusammengesetzte BIHK-Konjunkturindex legt gegenüber dem Frühjahr um 4 Zähler auf 105 Punkte zu und erreicht nach dem Rückschlag infolge der Eskalation des Irankonflikts wieder das Niveau vom Herbst 2025. Gleichzeitig liegt das Barometer weiterhin unter dem Langzeitdurchschnitt von 111 Punkten.

Nach zwei Jahren Dauertief lässt die Geschäftslage ihre Talsohle hinter sich. Mit 14 Punkten steigt der Saldo aus guten und schlechten Lageurteilen sowohl gegenüber dem Frühjahr als auch gegenüber Herbst 2025 um 5 Zähler an, bleibt jedoch unter dem Langzeitdurchschnitt von 17 Punkten. Hintergrund der Erholung sind die hohen schuldenfinanzierten Staatsausgaben, die die Inlandsnachfrage stützen. Auch die Auslandsnachfrage hat sich im Jahresverlauf von schwachem Niveau ausgehend verbessert. Die Dienstleister zeigen sich zufrieden. In der Industrie hat sich die Geschäftslage im Jahresverlauf erholt, auch wenn die Aufwärtsdynamik gegenüber dem Frühjahr schwach bleibt. Baugewerbe und Tourismus melden saisonüblich bessere Geschäfte als im Frühjahr, eine Belebung gegenüber Herbst 2025 bleibt jedoch aus. Der Handel ist weiterhin unzufrieden: Der schwache private Konsum ist vor allem für den Einzelhandel eine Belastung.

Die Aussichten für die kommenden Monate bleiben mager und sprechen gegen einen klassischen Wirtschaftsaufschwung. Zwar steigen die Geschäftserwartungen gegenüber dem Frühjahr um 3 Zähler auf -3 Punkte an, bleiben aber unter dem Niveau vom Herbst 2025. Auch liegt der Saldo seit nun fast fünf Jahren unter dem Langzeitdurchschnitt von 7 Punkten. Bei den Dienstleistern und in der Industrie halten sich optimistische und pessimistische Stimmen in etwa die Waage. Handel, Baugewerbe und Tourismus blicken dagegen pessimistisch auf die kommenden Monate.

Die Rekordunzufriedenheit der Unternehmen mit den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen verdeutlicht, warum trotz der besser laufenden Geschäfte die Inlandsinvestitionen schwach bleiben. In der Industrie lässt die Investitionsbereitschaft am heimischen Standort sogar weiter nach, während die Auslandsinvestitionen spürbar anziehen. Derweil setzt sich der Stellenabbau in der bayerischen Wirtschaft fort, auch wenn sich die Abbaudynamik zuletzt verlangsamt hat.

66 % der Unternehmen – so viele wie nie zuvor – sehen in den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen ein Geschäftsrisiko.

Konjunkturbericht Herbst 2026

Impulse für die Wirtschaftspolitik

  • Reformen in den sozialen Sicherungssystemen umsetzen, um die Arbeitskosten zu senken. Sozialversicherungsbeiträge auf maximal 40 Prozent der Bruttolöhne zurückführen.

  • Zu tragfähigen Staatsfinanzen zurückkehren. Prioritäten auf staatliche Kernaufgaben sowie wachstumsfördernde öffentliche Investitionen legen.

  • Angesichts fragiler Energiemärkte für Entlastung sorgen. Stromsteuer für alle Branchen auf das europäische Mindestmaß senken.

  • Regulierungspause in Brüssel einlegen. Bestehende EU-Regelungen vereinfachen und Goldplating vermeiden.

Industrie: Erholung im Jahresverlauf

  • In der Industrie hat sich die Geschäftslage gegenüber Herbst 2025 dank gestiegener Aufträge aus dem In- und Ausland von schwachem Niveau ausgehend erholt. Gegenüber dem Frühjahr zeigt sich jedoch kaum noch zusätzliche Aufwärtsdynamik. Der Blick auf die kommenden Monate bleibt verhalten: Optimistische und pessimistische Stimmen halten sich die Waage.
  • Die Industrie sieht die größten Risiken in den Energie- und Rohstoffpreisen sowie in den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Auch steigende Arbeitskosten bereiten den Unternehmen Sorgen.

Dienstleistungen: Zufriedenheit nimmt zu

  • Die Dienstleister zeigen sich bis auf wenige Ausnahmen in der Breite zufrieden mit ihren laufenden Geschäften. Rückenwind kommt vor allem aus dem IKT-Bereich. Auch die Aussichten sind etwas besser als zuletzt, bleiben aber unter dem Niveau vom Herbst 2025. Skepsis zeigt sich vor allem bei den konsumnahen Dienstleistern angesichts des schwachen privaten Konsums.
  • Das Hauptrisiko sehen die Dienstleister in den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Auch die Inlandsnachfrage und die hohen Arbeitskosten werden von mehr als jedem zweiten Unternehmen als Risiken genannt.

Handel: Unzufriedenheit überwiegt

  • Im Handel überwiegen weiterhin die negativen Lageeinschätzungen. Der schwache private Konsum sorgt vor allem im Einzelhandel für schlechte Geschäfte. Im Großhandel halten sich gute und schlechte Lageurteile die Waage. Die Aussichten bleiben in der gesamten Branche weiterhin düster.
  • Die Inlandsnachfrage ist das mit Abstand größte Risiko im Handel. Etwa zwei Drittel der Unternehmen nennen zudem die hohen Energie- und Rohstoffpreise sowie die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen.

Baubranche: saisonbedingt bessere Geschäfte

  • Im Baugewerbe laufen die Geschäfte saisonüblich besser als zuletzt, bleiben jedoch hinter dem Niveau vom Herbst 2025 zurück. Innerhalb der Branche zeigt sich ein gespaltenes Bild: Der Hochbau ist angesichts hoher Bauzinsen äußerst unzufrieden, während der Tiefbau dank gestiegener öffentlicher Aufträge gute Geschäfte vermelden kann. Die Erwartungen bleiben jedoch in der gesamten Branche pessimistisch.
  • Das Baugewerbe sieht in den hohen Energie- und Rohstoffpreisen das zentrale Risiko für die kommenden Monate. Auch die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen sowie die hohen Arbeitskosten bereiten den Betrieben Sorgen.

Tourismus: saisonbedingt bessere Geschäfte

  • Saisonüblich melden die Betriebe im Tourismus bessere Geschäfte als zuletzt. Eine Belebung gegenüber Herbst 2025 bleibt jedoch aus. Hotel- und Gastronomiebetriebe zeigen sich zufrieden, während die Reisebranche klar unzufrieden ist. Mit Blick auf den Winter nimmt der Pessimismus in der gesamten Branche saisonüblich wieder zu.
  • Vor der Heizsaison sehen die Betriebe in den Energie- und Rohstoffpreisen das größte Risiko. Auch die Arbeitskosten und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen bereiten den Betrieben Sorgen.

Kontakt

yannik_hahn

Yannik Hahn

Referent Wirtschaftspolitik und Konjunktur

FAQ: BIHK-Konjunkturumfrage

Die BIHK-Konjunkturumfrage ist eine der größten regelmäßigen Unternehmensbefragungen zur konjunkturellen Entwicklung im Freistaat Bayern. An ihr beteiligen sich regelmäßig mehr als 3.000 Unternehmen aus der IHK-zugehörigen gewerblichen Wirtschaft in allen bayerischen Regionen.

Die Umfrage erfasst unter anderem die aktuelle Geschäftslage, die Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate, wirtschaftliche Risiken sowie Investitions- und Beschäftigungsabsichten der Unternehmen. Mit Zusatzfragen werden weitere relevante Themen abgefragt.

Der BIHK-Konjunkturindex bildet die konjunkturelle Stimmung der bayerischen Wirtschaft ab, indem er die Einschätzungen der Unternehmen zu ihrer aktuellen Geschäftslage und zu ihren Geschäftserwartungen in den kommenden zwölf Monaten in einer Kennzahl zusammenfasst.

Dazu werden zunächst zwei Salden gebildet:

  • Der Geschäftslagesaldo ist die Differenz zwischen dem Anteil der Unternehmen mit guter und dem Anteil der Unternehmen mit schlechter Geschäftslage.
  • Der Erwartungssaldo ist die Differenz zwischen dem Anteil der Unternehmen, die in den kommenden zwölf Monaten bessere Geschäfte erwarten, und dem Anteil der Unternehmen, die mit schlechteren Geschäften rechnen.

Für die Berechnung werden beide Salden jeweils um 100 erhöht und anschließend geometrisch gemittelt:

BIHK-Konjunkturindex = √[(100 + Lagesaldo) × (100 + Erwartungssaldo)]

Die Addition von 100 überführt die Salden, die zwischen minus 100 und plus 100 Punkten liegen können, in nichtnegative Indexwerte. Lage und Erwartungen gehen gleichgewichtet in den Index ein.

Ein Indexwert von 100 Punkten bildet die rechnerische Neutralmarke des Index. Werte über 100 stehen für eine insgesamt positive, Werte unter 100 für eine insgesamt negative konjunkturelle Stimmung. Dabei entspricht die Neutralmarke von 100 Punkten nicht dem langfristigen Durchschnitt des Index. Dieser liegt derzeit bei rund 111 Punkten. Das liegt daran, dass die Unternehmen ihre Lage bzw. Erwartungen im langjährigen Mittel häufiger positiv als negativ bewertet haben.

Unterschiedliche Kombinationen von Lage- und Erwartungswerten können zum gleichen Indexwert führen. Für eine belastbare Einordnung sollten deshalb neben dem BIHK-Konjunkturindex auch die beiden Teilindikatoren sowie der Langzeitdurchschnitt betrachtet werden. Veränderungen des Index zeigen, ob sich die Beurteilung von Lage und Erwartungen gegenüber einem Vergleichszeitpunkt insgesamt verbessert oder verschlechtert hat.

An der BIHK-Konjunkturumfrage beteiligen sich kleine, mittlere und große IHK-Mitgliedsunternehmen aus allen Branchen und bayerischen Regionen. Bei der Auswahl der Unternehmen werden Branchen-, Regional-, Beschäftigungs- und Größenstrukturen berücksichtigt, um ein möglichst breites Stimmungsbild der bayerischen Wirtschaft abzubilden.

Die BIHK-Konjunkturumfrage ist keine Vollerhebung. Ihre Ergebnisse beruhen auf den Antworten der teilnehmenden Unternehmen und bilden deren Einschätzungen zum jeweiligen Befragungszeitpunkt ab. Diese werden über die Zeit dargestellt.

Der BIHK veröffentlicht die Ergebnisse der BIHK-Konjunkturumfrage dreimal pro Jahr: zu Jahresbeginn, im Frühjahr und im Herbst. Mit jeder Veröffentlichung wird auch der aktuelle BIHK-Konjunkturindex ausgewiesen. Dadurch lassen sich Veränderungen der konjunkturellen Stimmung im Zeitverlauf nachvollziehen. Erstmals wurden die Ergebnisse im Herbst 1993 veröffentlicht.

Ja. Die BIHK-Konjunkturumfrage ermöglicht Auswertungen für einzelne Wirtschaftszweige sowie für die bayerischen IHK-Regionen. Dadurch lassen sich Unterschiede zwischen Branchen und Regionen sichtbar machen und strukturelle Entwicklungen gezielt analysieren.

Die IHKs haben den gesetzlichen Auftrag, das Gesamtinteresse der ihnen zugehörigen Gewerbetreibenden ihres Bezirks auf regionaler, nationaler, europäischer und internationaler Ebene wahrzunehmen. Im Rahmen ihrer Aufgaben haben die IHKs insbesondere durch Vorschläge, Gutachten und Berichte die Behörden zu unterstützen und zu beraten (§1IHKG).

Die BIHK-Konjunkturumfrage ist dabei ein Instrument, um verschiedene konjunkturelle Indikatoren der gewerblichen Wirtschaft in Bayern quantitativ abzubilden. Ihre Ergebnisse dienen als Grundlage, wirtschaftspolitische Handlungsbedarfe und Empfehlungen im Gesamtinteresse der gewerblichen Wirtschaft abzuleiten und die Positionen der bayerischen IHKs gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit faktenbasiert zu vertreten.

Die BIHK-Konjunkturumfrage erfasst die Einschätzungen und Erwartungen der Unternehmen zum Zeitpunkt der Befragung. Sie bildet damit die Stimmung und die wirtschaftlichen Perspektiven frühzeitig ab. Offizielle Statistiken wie das Bruttoinlandsprodukt, die Industrieproduktion oder die Arbeitslosenquote werden dagegen häufig erst mit Verzögerung veröffentlicht. Deshalb können sich beide Informationsquellen vorübergehend unterschiedlich entwickeln.