Von Stefan Bottler, IHK-Magazin 10/2026
Bauleitplanungen können sich über Jahre hinziehen. Das musste die SWMUNICH Real Estate GmbH in Freising erfahren. Rund 4 Jahre dauerten die Verfahren für die neue Konzert- und Eventhochburg MUNICH ARENA, die der Projektentwickler für knapp 400 Millionen Euro unmittelbar neben dem Flughafen bauen will.
Wie bei jeder Bauleitplanung wurden unter anderem 30 Träger öffentlicher Belange (TöB), darunter auch die IHK für München und Oberbayern, gehört. Vor allem gegen Flächengestaltung und Verkehrsanbindung äußerten mehrere Stellen Einwände.
Konzert-Konzept mehrfach modifiziert
In Zusammenarbeit mit Verkehrsplanern, Landschaftsarchitekten und anderen Experten modifizierte die Stadtverwaltung von Freising das ursprüngliche Konzept mehrfach. So werden jetzt unmittelbar neben der Halle mit 20.000 Sitzplätzen ein Hotel mit rund 200 Zimmern und ein Parkhaus gebaut.
Im Juni 2026 beschloss der Freisinger Stadtrat den Bau mehrheitlich. „Die Qualität eines Projekts entsteht auch im Verfahren“, wirbt Barbara Schelle (60), Stadtbaumeisterin und Referatsleiterin Planen, Bauen und Liegenschaften, um Verständnis für die lange Dauer.
Bei dem ambitionierten Vorhaben in Freising hatte die Öffentlichkeit offenbar dieses Verständnis. Der neue Konzerttempel, der nach den Plänen eines Londoner Architekturbüros errichtet wird, soll laut Projektentwickler ein „kulturelles und wirtschaftliches Leuchtturmprojekt“ werden, wie Geschäftsführer Lorenz Schmid sagt.
Verfahrensdauer selten unter 1 Jahr
Bei neuen Wohnvierteln und Gewerbegebieten führt es jedoch zu Befremden, wenn sich Planverfahren gerade im Großraum München wiederholt über mehrere Jahre erstrecken, ohne dass die ursprünglichen Entwürfe spürbar verändert werden. Aber auch Planungen für kleine Bauvorhaben können sich in die Länge ziehen. „Weniger als 1 Jahr dauert kaum ein Verfahren“, sagt IHK-Referent Andreas Fritzsche. „Wir brauchen daher vollständig digitale Prozesse: Sie können Bauleitplanungen deutlich beschleunigen.“
Das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr strebt dieses Ziel in mehreren Schritten an. 2023 verpflichtete es Städte und Gemeinden auf den Datenstandard XPlanung: Jede Kommune speichert Dateien in einem einheitlichen Format ab. Das beschleunigt den Austausch von Daten spürbar.
Als eines der ersten Bundesländer führte 2025 das Staatsministerium die Plattform DiPlanung ein. Auf ihr können Städte und Gemeinden unter anderem Flächennutzungs- und Bebauungspläne vollständig digital steuern und alle intern und extern Beteiligten integrieren, die ihre Rückmeldungen und Stellungnahmen ebenfalls digital dort abgeben.
Künftig mehr als 40.000 Nutzer
DiPlanung ist ein bundesweites Projekt auf Basis des Onlinezugangsgesetzes (OZG). Neben Bayern beteiligen sich bisher 6 Bundesländer an dem Portal. Ab 1. November 2026 ist als nächster großer Schritt die Teilnahme an DiPlanung für alle Städte und Gemeinden in Bayern Pflicht. Über 40.000 Akteure werden dann die Plattform nutzen, schätzt das Ministerium. Hinzu kommen Planungsbüros, die über Schnittstellen angeschlossen werden.
Die IHK für München und Oberbayern gibt bereits seit 2025 Stellungnahmen über DiPlanung ab, wenn die jeweilige Kommune die Plattform ebenfalls nutzt. Als Träger öffentlicher Belange wird die IHK zu jedem Bauleitplan, den die rund 500 Städte und Gemeinden in Oberbayern ausarbeiten, gehört.
Flut an Stellungnahmen
„Jährlich fallen rund 1.600 Stellungnahmen an“, sagt IHK-Referentin Theresa Piras. Das Spektrum der eingereichten Bauvorhaben reicht von sozialen Einrichtungen wie Kindergärten über Großprojekte wie die Freisinger Konzertarena bis hin zu kompletten Wohn- und Gewerbegebieten.
Bei jeder Stellungnahme analysiert Piras mögliche Auswirkungen auf Unternehmen, die jetzt oder in Zukunft von den Plänen der Gemeinden betroffen sein können. Jedes Planverfahren bedarf dabei einer Einzelfallbetrachtung. Der Blickwinkel ist eine Gesamtinteressenvertretung, die Interessen aller gewerblichen Firmen würdigt.
Wenn nötig, holt die Referentin bei den IHK-Geschäftsstellen oder bei betroffenen Unternehmen zusätzliche Informationen ein. Die IHK hat ihre Empfehlungen zur Bauleitplanung im „Leitfaden zur Standortsicherung“ zusammengefasst.
Rechtssicher dokumentieren
„Mit DiPlanung werden Gemeinden die städtebaulichen Auswirkungen ihrer Planungen noch besser erfassen können“, prognostiziert Fritzsche. Das sehen Kommunen, die bereits mit dem Portal arbeiten, ähnlich. „Mit DiPlanung können die einzelnen Verfahrensschritte rechtssicher und nachvollziehbar dokumentiert werden“, sagt Alexander Weiß, Bauamtsleiter von Chieming am Chiemsee. „Auch die Beteiligung der TöB und weiterer Institutionen lässt sich über die Plattform übersichtlich erfassen und dokumentieren: Das schafft Transparenz und erleichtert die Bearbeitung.“
Weiß hat bislang 10 Verfahren auf DiPlanung betreut. Darunter waren Pläne für einen Lebensmittelmarkt sowie ein Misch- und Gewerbegebiet. „Weil die gesetzlich vorgeschriebenen Auslegungs- und Beteiligungsfristen weiterhin einzuhalten sind, ist eine grundsätzliche Beschleunigung der Verfahren nur eingeschränkt möglich“, warnt der Beamte.
Effizienzschub trotz Fristvorgaben
Schneller gehen soll es trotzdem. So rechnet die Landeshauptstadt München mit einem „spürbaren Effizienzschub in der Verfahrenssteuerung“ durch das Portal. „Vor allem bei der frühzeitigen Behebung von Verfahrenshemmnissen, bei Projektübergaben infolge von Personalwechseln sowie beim Datenmanagement, etwa bei der Verteilung an die Prozess-teilnehmer, bietet das System erhebliche Vorteile“, heißt es aus dem Referat für Stadtplanung und Bauordnung.
Von solchen Verbesserungen wird wohl jedes Unternehmen profitieren, dessen Standorte Gegenstand von neuen Flächennutzungs- und Bebauungsplänen sind.