Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) griff die Vorlage dankbar auf. Die Sorge, Söder könnte aufgrund seiner neuen Kommunikationsstrategie (weniger Polemik, mehr Demut und so weiter) nicht mehr so spannend sein, war unbegründet. Söder kann es noch. Er erinnerte daran, wie er via Hochzeit vom IHK-Skeptiker zum IHK-Fan mutiert sei. Und er erinnerte an „die unglaubliche Leistung“, die die IHK während der Coronazeit für die Bewilligung der Staatshilfen gezeigt habe.
„Wirtschaft zuerst“. Laut Söder ist das das Gebot der Stunde. Für ihn ist das auch entscheidend für den Zusammenhalt des Landes. Wenn die Politik nicht mehr in der Lage sei, das Wohlstandsversprechen für seine Bürger einzulösen, gefährde das die Demokratie. Was droht, machte Söder deutlich: „Ich will nicht, dass unser Land von Radikalen regiert wird.“ Der Grund für die heutige Misere, liegt für Söder auf der Hand: „Die Welt hat sich fundamental verändert.“
Die Konsequenzen sind für ihn ebenso klar: Damit aufhören, die Welt mit Instrumenten wie dem Lieferkettengesetz glücklich zu machen. Man müsse auch nicht jede EU-Richtlinie national nachschärfen. Was laut Söder Hoffnung macht, ist zudem das Reformpaket der Bundesregierung. Das sei zwar noch nicht der „Big Bang“, aber endlich gehe im Land wieder etwas voran.
„Wir haben in den vergangenen drei Wochen mehr umgesetzt, als ich gehofft hatte“, sagte Söder. Man habe gute Schritte bei Rente und Gesundheitssystem hinbekommen, der Bürokratieabbau komme voran. Mit dem Infrastrukturgesetz schränke man ein, was viele Projekte blockiert habe: Verbandsklagerecht und überzogene Umweltauflagen. Ein wichtiges Signal für Investoren sei, dass die Bundesregierung Pläne zur Verstaatlichung von Wohnungsgesellschaften untersagt habe.
Söder sagte das, was man im Atrium und im Thierschsaal gerne hörte: Mit ihm werde es keine Verschärfung der Erbschaftsteuer und Substanzbesteuerung geben. Und dann tat Söder, was er am besten kann: Über das beste Bundesland der Welt (Bayern) reden. Beispiel Nummer eins: „Das Oktoberfest hat mehr Besucher als jeweils 11 Bundesländer Einwohner haben.“ Nummer zwei: „Wir Bayern werden nie Kaiser, König oder Kanzler.“ Champions seien sie trotzdem – bei der Innovation.
Laut Söder gibt es drei Dinge, die Bayern jetzt helfen: „Technologie, Technologie, Technologie“. Und da sei man gut unterwegs mit Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik, Robotik und den besten Deeptech-Startups des Landes. Zudem profitiere man vom Boom der Rüstungsindustrie. Dafür habe Bayern mit sechs Milliarden Euro für seine Hightech-Strategie den Grundstein gelegt. Nun beginne bereits die Ernte. In Bayern, da war sich Söder sicher, fange die Zukunft erst richtig an.