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Europäischer Satellit – Infrastruktur schützen

Europäischer Satellit – Infrastruktur schützen

© Visualisierung: ESA – P. Carril

Stark im Weltraum

Junge, innovative Unternehmen aus Oberbayern tragen mit Weltraumtechnologie zu mehr Sicherheit bei – auf ziviler und militärischer Ebene.

Von Daniel Boss, IHK-Magazin 9/2026

Im All gibt es keine Straßen und natürlich auch keine Straßenverkehrsordnung. Eine Art Verkehrsordnung zur Überwachung des Weltraums braucht es aber dennoch. Darauf hat das Münchner Space-Start-up Vyoma GmbH sein Geschäftsmodell aufgebaut. Es ist gestartet mit eigener, weltraumgestützter Sensorik sowie Software, um Kollisionen zwischen Satelliten und sogenanntem Weltraumschrott zu verhindern. Die Software und Technologie dazu lässt sich aber auch – teils sehr rasch – für Verteidigungszwecke einsetzen.

Damit stehen die Münchner in einer Reihe von Gründungen, deren Fähigkeiten zunehmend gefragt sind. Der Grund: Sie haben Produkte, die sich zivil, aber auch militärisch nutzen lassen („Dual Use“). Ein starker Investitionsbedarf bei der Bundeswehr und auf internationaler Ebene treibt ihre Markt- und Investitionschancen in bislang ungeahnte Höhen. Gleichzeitig konfrontiert er die Jungunternehmer aber auch mit besonderen Anforderungen.

Münchner Verkehrslotse im All

Der 1. Satellit von Vyoma startete im Januar 2026 in die Umlaufbahn. Gesteuert wird er seitdem aus München. Das schnell wachsende, mittlerweile 50-köpfige Team arbeitet daran, weitere Satelliten ins All zu bringen, um eine unabhängige und engmaschige Abdeckung des Weltraumverkehrs zu erreichen.

Der Schutz nationaler weltraumgestützter Infrastruktur und eine wirksame Abschreckung setzen die Fähigkeit voraus, Bedrohungen frühzeitig zu erkennen und zu beobachten. „Dies können wir mittels unserer Software aus auffälligen Manövern leisten“, betont Vyoma-Gründer Stefan Frey. Nähern sich fremde Satelliten den nationalen Systemen, kann eine ernsthafte Bedrohung entstehen, falls diese fremden Satelliten mit Abhörtechnologie ausgestattet sind – „oder sogar über Fähigkeiten zur Lahmlegung anderer Systeme verfügen“, erklärt er.

Weltraumtransporter für Satelliten

Den Dual-Use-Charakter ihrer eingesetzten Technologie erkannte auch die DeltaOrbit GmbH früh: Das 2023 gegründete Start-up mit Sitz in Garching hat sich auf den Bau von Weltraumtransportern für Satelliten spezialisiert. Zu seinen Partnern und Kunden zählen unter anderem die European Space Agency (ESA) und die TU München. „Regelmäßig zeigen andere Staaten, dass sie Infrastruktur im Orbit bedrohen können“, sagt DeltaOrbit-CEO Christian Bauer.

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© DeltaOrbit

Regelmäßig zeigen andere Staaten, dass sie Infrastruktur im Orbit bedrohen können.

Christian Bauer, CEO DeltaOrbit

Die Dringlichkeit, eigene Systeme im All notfalls zu schützen, habe in den vergangenen Jahren zu einer Neupriorisierung geführt. Bauer: „Wie auf der Erde kann ein leistungsfähiger Motor sowohl einen Lastwagen als auch einen Panzer antreiben.“

Dual-Use: Segen und Fluch

Die doppelte Verwendbarkeit der Produkte stellt die jungen Unternehmen oft vor neue Herausforderungen jenseits der Technologie. So geht es zum Beispiel darum, sich im Beschaffungswesen der Bundeswehr zurechtzufinden. „Bei zivilen Kunden sind die Ansprechpartner, Verantwortlichkeiten und Anforderungen meistens schnell klar“, erläutert Gründer Bauer. „Im Verteidigungssektor ist das leider nicht immer so.“ Deshalb bleibe der Sektor trotz der Zeitenwende ein schwieriges Umfeld für Start-ups.

Im Verteidigungsbereich liege der Schwerpunkt deutlich mehr als in der zivilen Nutzung auf der Kontrolle über die Technologie und dem Sicherstellen langfristiger Verfügbarkeit, führt der DeltaOrbit-Chef aus: „Und während es sonst letztlich um die Balance zwischen Preis und Leistung geht, stehen bei Defense-Anwendungen Leistung, Resilienz und völlig neue Anwendungsfelder und Möglichkeiten im Vordergrund.“ Das mache aber auch den besonderen Reiz solcher Aufträge aus.

Vyoma-Gründer Frey hebt die sehr hohen Anforderungen der militärischen Abnehmer an die Cybersicherheit hervor. „Das bedeutet natürlich zunächst erhöhten Aufwand für uns, von dem langfristig jedoch auch unsere kommerziellen Kunden profitieren.“ Als Beispiel nennt er die „An-Bord-Verschlüsselung“ der Beobachtungen, die der Satellit generiert. Sie stellt sicher, dass die Daten bei der Übertragung nicht manipuliert werden.

Geopolitik boostert Innovationen

Wer sich in der Branche umhört, merkt schnell: Die Marktchancen sind exorbitant gestiegen durch die aktuelle geopolitische Lage. „Die naheliegende Verknüpfung von Weltraumsicherheit und Verteidigung boostert wegen der hohen Nachfrage Innovationen enorm“, sagt Max Gulde, CEO der Constellr GmbH. Das Münchner Unternehmen mit 110 Mitarbeitenden betreibt bislang 2 Satelliten, die thermale Bilder liefern. Der Start eines 3. ist für das nächste Jahr geplant. Die Satelliten nehmen Städte, Wälder und Ozeane bei Tag und bei Nacht auf und machen deutlich, wo sich Hitze in unterschiedlichen Stadtteilen staut und man deshalb beispielsweise Bäume pflanzen sollte, um den Bereich zu kühlen.

Die Wärmeaufzeichnungen zeigen aber auch andere Aktivitäten, erläutert Gulde. „Heiße Motoren fahrender Schiffe sind gut sichtbar, was etwa für Nachrichtendienste in der Straße von Hormus relevant ist.“ Auch der Betrieb von Ölraffinerien oder die Aktivitäten an Militärbasen ließen sich durch Wärmebilder deutlich besser erkennen.

„Wir müssen in Europa selbst für unsere Sicherheit sorgen. Dabei können durch Investitionen in Start-ups und die großen Unternehmen der Branche Partnerschaften entstehen“, sagt Gulde. Das fördere die Entwicklung neuer Technologien und strahle „durch hohe Investitionen in das sich rasant entwickelnde Ökosystem aus“.

35 Milliarden Euro für Weltraumsicherheit

Finanzielle Mittel sind ausreichend vorhanden: Die Bundesregierung plant nach eigenen Angaben mit 35 Milliarden Euro bis 2030 für Sicherheitsanwendungen im Weltraum. „Davon soll ein Großteil in Deutschland, insbesondere in Bayern, ausgegeben werden“, so DeltaOrbit-CEO Bauer. „Das ist nicht einfach nur etwas mehr Geld im System.“ Es dürfte zu einer massiven Schwerpunktverschiebung in Europa kommen. „Während andere Sektoren stagnieren, kann und will die Luft- und Raumfahrtindustrie hierzulande erheblich wachsen, um den neuen Bedarf zu decken.“