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Tipp für Übergebende: Ein Unternehmen muss nicht in der Familie bleiben, es lässt sich auch verkaufen

Tipp für Übergebende: Ein Unternehmen muss nicht in der Familie bleiben, es lässt sich auch verkaufen

© contrastwerkstatt/Adobe Stock

Kaufen statt gründen

Der Kauf eines Unternehmens kann eine gute Alternative zur Neugründung sein. Potenzielle Übernahmekandidaten gibt es mehr als genug.

Von Eva Elisabeth Ernst, 9/2026

Sich mit schönen Dingen beschäftigen, das Arbeitsleben selbst gestalten, mehr Freiräume und keine Vorgesetzten: Mit diesem Wunschbild verließ Claudia Birkl Mitte 2023 ihre Führungsposition in einer PR-Agentur, um das Dessous-, Nachtwäsche- und Bademodengeschäft Hautnah zu übernehmen. Nach einer halbjährlichen Übergangszeit ist sie seit Februar 2024 Inhaberin des alteingesessenen Fachgeschäfts in Gräfelfing bei München.

In der Übergangszeit arbeitete sie sich nicht nur fachlich ein, sondern erstellte auch einen Businessplan, um einen Bankkredit sowie öffentliche Fördermittel für den Sprung in die Selbständigkeit zu beantragen. Nach einer Erstinformation bei der IHK für München und Oberbayern wandte sich Claudia Birkl dazu an die Initiative guide, die gründungsinteressierte Frauen unterstützt.

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Ist lieber über den Kauf eines Unternehmens in die Selbstständigkeit gestartet: Claudia Birkl

Kauf spart Aufbauarbeit

Mit ihrer Entscheidung, die Nachfolge bei Hautnah anzutreten, ist sie rundum zufrieden. „Es läuft gut und die Arbeit erfüllt mich“, sagt die Neu-Unternehmerin. Die frühere Inhaberin ist eine Freundin ihrer Mutter, die schon seit einigen Jahren eine Nachfolgerin suchte. „Für mich war es leichter, ein bestehendes Geschäft zu übernehmen als ein neues zu eröffnen“, sagt Claudia Birkl. „Das war nicht zuletzt eine Sache des Vertrauens.“

Dass der Weg in eine erfolgreiche Selbständigkeit nicht unbedingt über eine Neugründung führen muss, sondern auch der Kauf eines bereits existierenden Unternehmens eine gute Lösung sein kann, betont Wolfgang Wadlinger, Betriebswirtschaftlicher Berater bei der IHK. „Es hat durchaus Vorteile, in ein etabliertes Geschäftskonzept mit bestehenden Kunden- und Lieferantenbeziehungen und vielleicht auch einem festen Mitarbeiterstamm zu investieren. Im Vergleich zu einer Gründung kann das durchaus einige Aufbauarbeit einsparen.“ Gerade die Kombination aus Bewährtem mit eigenen Ideen und Innovationen könne ein guter Weg in die Selbstständigkeit sein – im Übrigen auch für Kleinunternehmer und Soloselbstständige.

52.500 Generationswechsel

Aktuell gibt es sehr, sehr viele Unternehmer, die aus Altersgründen einen Nachfolger suchen: Laut einer Studie des Bayerischen Wirtschaftsministeriums zur Unternehmensnachfolge im Freistaat stehen in Bayern zwischen 2027 und 2031 rund 52.500 Unternehmen mit einem erwirtschafteten Mindestgewinn von 50.000 Euro und rund 668.000 Mitarbeitern vor einem Generationenwechsel. Das sind zirka 16.000 Unternehmen und rund 50.000 Beschäftigte mehr als im vorherigen 5-Jahreszeitraum 2022 bis 2026.

Die zunehmende Dynamik des Generationenwechsels erklärt sich mit der wachsenden Zahl an Unternehmern aus der Babyboomer-Generation, die das Ruhestandsalter erreicht. „Für sie wird es Zeit, sich über den Generationswechsel Gedanken zu machen – um nicht ihr übergabereifes Unternehmen wegen Nachfolgermangels in ein paar Jahr stilllegen zu müssen“, sagt Wadlinger. Und da kommt eben auch der Verkauf ins Spiel.

ETA: Entrepreneurship through Acquisition

UnternehmerTUM, das Zentrum für Gründung und Innovation der TU München, startete schon 2025 ein neues Angebot zu "Entrepreneurship through Acquisition", kurz ETA: Dabei suchen Einzelpersonen oder Teams ein bestehendes Unternehmen, das sie erwerben und anschließend selbst leiten und weiterentwickeln. UnternehmerTUM möchte damit Wissenstransfer und die Vernetzung von unternehmerischen Talenten, Investoren sowie Unternehmen mit offener Nachfolge fördern. Auch über Unternehmensbörsen wie nexxt-change oder die IHK Nachfolgebörse finden Interessenten und Verkäufer zueinander.

Unbekannte Chancen

Laut Bettina Wenzel, Gründungsberaterin bei guide, haben viele Gründungsinteressierte die Möglichkeit der Übernahme eines bestehenden Unternehmens gar nicht auf dem Schirm. „Doch auch auf diesem Weg kann man etwas Eigenes schaffen und seine Vorstellungen verwirklichen“, sagt sie. „Wichtig ist, dass man sich mit der Branche und dem Unternehmen identifizieren kann und dass dessen Geschäftsmodell zukunftsfähig ist.“ Sie empfiehlt, sich vor einer Übernahme auch im Hinblick auf einen fairen Kaufpreis betriebswirtschaftlich beraten zu lassen.

Graduelle Anpassungen

Claudia Birkl hat das Unternehmenskonzept von Hautnah nur graduell verändert. „Ich bin allerdings etwas digitaler unterwegs und habe in ein neues Kassensystem investiert, eine Kundinnendatenbank aufgesetzt und bin auf Social Media aktiv.“ Das Bewährte hat sie gern übernommen.

IHK-Info zur Unternehmensnachfolge