Von Martin Armbruster, IHK-Magazin 9/2026
Schon im Vorzimmer des Oberbürgermeisters (OB) im Münchner Rathaus hat man einen guten Blick auf den Marienplatz. Daneben ist der Balkon, auf dem der FC Bayern seine Meisterschaften feiert. Auf dem Schreibtisch des Oberbürgermeisters liegen nur ein paar Akten. Hier wird über einen 10-Milliarden-Etat und die Zukunft einer Metropole entschieden. Dann rauscht er schon herein, Münchens neuer grüner OB.
Herr Krause, einen Punkt haben Sie bei der IHK schon gemacht. Vizepräsidentin Karin Elsperger hält Ihre Social-Media-Beiträge für sehr gelungen.
Danke für das Lob, aber ich hoffe, dass ich die IHK auch anderweitig gut abholen kann (lacht).
Die TV-Bilder Ihrer grünen Wahlparty im März 2026 haben bundesweit Eindruck gemacht. Wie viel ist von dieser Euphorie noch übrig?
Es war unglaublich, diese Aufbruchstimmung zu erleben, die es in der Stadt vor der Stichwahl gab. Natürlich hat mich das gefreut, weil das auch mit meiner Person verbunden wurde. Es geht aber darüber hinaus. Die Leute wünschen sich einen Aufbruch in ihrer Stadt.
Aufbruchstimmung – auch in der Verwaltung
Wie gehen Sie damit um?
Um den Punkt kreiste schon mein ganzer Wahlkampf: Wir haben eine wunderschöne Stadt. Es ist toll, hier zu leben. Aber wir müssen jetzt dringend etwas tun, damit es weiter bezahlbare Wohnungen gibt, einen zuverlässigen ÖPNV und gute Arbeitsplätze. Das ist der Wunsch der Münchner. Ich gebe alles dafür, den zu erfüllen. Und ja, ich spüre diese Euphorie noch immer – in der Stadtgesellschaft und in der Stadtverwaltung.
Euphorie in der Verwaltung. Es fällt schwer, sich das vorzustellen.
Aber das ist für mich das Entscheidende. Politiker und Bürgermeister halten Reden und geben politische Linien vor, konkret umsetzen müssen es andere. Mein Job als OB ist, dafür zu sorgen, dass wir eine Verwaltung haben, die Lust hat, die Arbeit zu machen und die Stadt voranzubringen. München braucht eine Verwaltung, die nicht auf Impulse von außen wartet, sondern selbst voranschreitet.
Sehen Sie dafür erste Anzeichen?
Das ist gerade das Tolle. Nur ein paar Tage nach der Wahl stand die Leitungsebene des Planungsreferats in Mannschaftsstärke bei mir im Büro. Die Kollegen haben mir von sich aus viele Vorschläge gemacht, wie wir beim Thema bezahlbares Wohnen vorankommen. Nehmen Sie das Stichwort Umbauagentur …
Bezahlbares Wohnen: 10 Seiten Reformvorschläge
… die Agentur, die für die Umwandlung von leer stehenden Büroflächen in Wohnungen sorgen soll …
Ich habe die verschiedenen Referate angesprochen mit der Bitte, mir zu sagen, wie wir das als Stadt angehen können, welche Ideen sie haben. Von den Referaten kamen jeweils bis zu 10 Seiten voller guter Vorschläge zurück.
Für die Umsetzung brauchen Sie wohl auch den Stadtrat. Ist Ihre Mango-Koalition dafür stabil genug?
Wir haben intensive Gespräche geführt mit der CSU und mit unseren Mango-Partnern (Grüne/Rosa Liste, SPD, FDP, Freie Wähler). Es gab von allen Seiten ein hohes Verantwortungsbewusstsein und den Willen, etwas voranzubringen. Das zeigt sich auch darin, dass wir seit Langem erstmals wieder über die Grenze zwischen Regierungsblock und Opposition hinweg gemeinsam agieren. Das war bei der Referentenwahl so, das setzt sich bei inhaltlichen Themen fort.
Und Ihre Kontakte zur Wirtschaft – wie gut sind die?
Ich hatte in meiner Zeit als 2. Bürgermeister viel mit der IHK zu tun, ich war auch bei einer IHK-Ausschusssitzung. Im Wahlkampf habe ich mit vielen Unternehmen gesprochen. Wir brauchen eine funktionierende Wirtschaft, damit wir München gestalten können. Wir können uns die schönsten Dinge überlegen. Ohne Gewerbesteuer wird es nichts mit bezahlbarem Wohnraum, mehr Grünflächen und ÖPNV.
Olympia prägt Münchens Entwicklung
Wie sieht denn Ihre Vision der Zukunft Münchens aus?
Wenn man das konkret herunterbricht, landen wir bei unserer Olympiabewerbung. Wir haben ein sehr nachhaltiges Bewerbungskonzept. Die Dinge, die wir für Olympia bewegen, werden die Stadt prägen: der ÖPNV-Ausbau, die Entwicklung im Münchner Nordosten. Ich würde mir auch eine Entwicklung im Norden wünschen. Was ich wahnsinnig wichtig finde, ist zudem die Münchner Selbstwahrnehmung als Weltstadt mit Herz.
Sie betonen Münchens Weltoffenheit. Warum ist Ihnen das so wichtig?
Ich glaube, dass der Faktor entscheidend ist für die Lebens- und Standortqualität. Das höre ich gerade von den Tech-Unternehmen, die nach München kommen. Die sind gern hier, weil ihre Mitarbeiter in einem weltoffenen Klima frei leben können. Ich finde, gerade in Zeiten zunehmenden Rechtsextremismus müssen wir das Selbstbewusstsein haben, diesen Punkt anzusprechen. Weltoffenheit gehört zu Münchens Identität und ist essenziell für den Wirtschaftsstandort.