Von Martin Armbruster, IHK-Magazin 9/2026
Das erste Highlight gab es vor der Veranstaltung: Ein humanoider Roboter „begrüßte“ die Teilnehmer der konstituierenden Sitzung der IHK-Vollversammlung. Sein Name: Agile One. Geboren wurde er nicht im chinesischen Shenzhen, sondern mitten im IHK-Bezirk – bei Agile Robots SE in Fürstenfeldbruck.
Nun also kam Agile One zur IHK-Vollversammlung – in der Rolle eines Mutmachers. In der IHK-Wahlperiode 2026 bis 2031 wird entschieden, ob unser heutiger Wohlstand Bestand hat. Und natürlich hat die größte deutsche IHK den Anspruch, das Geschäft mit Zukunftstechnologien nicht China zu überlassen. Die Zahlen von Agile Robots wirken wie ein Antidepressivum in der jetzigen Krisenstimmung: 200 Millionen Euro Umsatz, schon 2.500 Mitarbeiter weltweit. In Oberbayern will man eben auch in Zukunft gewinnen.
Mehr als 46.000 Stimmabgaben
Kein Roboter, sondern IHK-Urgestein Detlef Dörrié leitete mit Routine und Gelassenheit den ersten Teil der Sitzung. Er ist seit mehr als 30 Jahren in verschiedenen Funktionen für die IHK aktiv. Zuletzt war er Leiter des Wahlausschusses. In seinem Rückblick auf die IHK-Wahl 2026 sprach er von einem Erfolg. Mit mehr als 46.000 abgegebenen Stimmen habe man das zweitbeste Ergebnis der IHK-Geschichte erzielt.
Die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, scheint in Oberbayerns Wirtschaft höher denn je. 649 Unternehmerinnen und Unternehmer hatten sich zur Wahl in die Vollversammlung und die 20 Regionalausschüsse gestellt für insgesamt 416 direkt zu vergebende Sitze. 20 Mitglieder der Vollversammlung hatten sich im Vorfeld für einen Sitz im Präsidium beworben. Auch das ein Rekord.
Vom Vertreter zum Gewählten
Nur einen Bewerber gab es für die Wahl, auf die ganz Oberbayern gespannt wartete: Peter Inselkammer, Münchner Hotelier und bundesweit bekannter Wiesn-Wirt, hatte seit Januar die Funktion des „Präsidenten in Vertretung“ inne. Nun wollte er auch gewählter Präsident werden. In seinem erfrischend knappen Statement warb er für Zuversicht. Oberbayern habe viele „wahnsinnig gute Unternehmen“.
Er selbst stecke jeden Tag tief drin im operativen Geschäft. „Ich weiß, wo es drückt und was anders werden muss“, versicherte er. Schon im Vorfeld war aus dem Ehrenamt zu hören, „der Peter“ sei der richtige Mann zur rechten Zeit als IHK-Präsident. Als Familienunternehmer denke er branchenübergreifend in Zusammenhängen.
Offenbar sieht man das im neuen Plenum genauso. Die Vollversammlung wählte Inselkammer ohne Gegenstimme zum neuen Präsidenten der IHK
(siehe Artikel „Wir sind die Stimme der Wirtschaft“)
und beglückwünschte ihn mit Standing Ovations. Mit seiner Wahl wird Inselkammer zugleich Präsident des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags BIHK. Der BIHK ist die Dachorganisation der neun IHKs in Bayern und zugleich die größte Wirtschaftsorganisation im Freistaat.
Präsidium: Erfolg versprechende Mischung
Offener war die Frage, wer Inselkammer im Präsidium in den nächsten 5 Jahren unterstützen wird. Über 2 Präsidiumssitze hatten vor der Vollversammlung schon die Vorsitzenden der 20 IHK-Regionalausschüsse entschieden: Sie hatten Franz Schabmüller zu ihrem Sprecher und Sonja Ziegltrum zu dessen Stellvertreterin gewählt. Beide werden im Präsidium die Interessen der Region vertreten.
Dörrié bat, die weiteren 10 Sitze mit Bedacht zu vergeben. Es brauche eine Mischung aus Branchen, Firmengrößen und Erfahrungsgraden im Ehrenamt. Mit dem Wahlergebnis dürfte er sehr zufrieden gewesen sein: Im neuen Präsidium sitzen neben Bernd Hochberger, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse München, die Soloselbstständige Karin Elsperger und der gremienerfahrene Entsorgungsunternehmer Otto Heinz aus Moosburg. Ebenfalls langjährige Erfahrung im Ehrenamt bringt die Schwindegger Holzwerkchefin Ingrid Obermeier-Osl mit.