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Einstimmig – klares Votum für IHK-Präsident Peter Inselkammer

Einstimmig – klares Votum für IHK-Präsident Peter Inselkammer

© Goran Gajanin/Das Kraftbild

Großer Auftakt

Das Plenum wählt Peter Inselkammer zum IHK-Präsidenten – Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger bietet eine enge Zusammenarbeit an.

Von Martin Armbruster, IHK-Magazin 9/2026

Das erste Highlight gab es vor der Veranstaltung: Ein humanoider Roboter „begrüßte“ die Teilnehmer der konstituierenden Sitzung der IHK-Vollversammlung. Sein Name: Agile One. Geboren wurde er nicht im chinesischen Shenzhen, sondern mitten im IHK-Bezirk – bei Agile Robots SE in Fürstenfeldbruck.

Nun also kam Agile One zur IHK-Vollversammlung – in der Rolle eines Mutmachers. In der IHK-Wahlperiode 2026 bis 2031 wird entschieden, ob unser heutiger Wohlstand Bestand hat. Und natürlich hat die größte deutsche IHK den Anspruch, das Geschäft mit Zukunftstechnologien nicht China zu überlassen. Die Zahlen von Agile Robots wirken wie ein Antidepressivum in der jetzigen Krisenstimmung: 200 Millionen Euro Umsatz, schon 2.500 Mitarbeiter weltweit. In Oberbayern will man eben auch in Zukunft gewinnen.

Mehr als 46.000 Stimmabgaben

Kein Roboter, sondern IHK-Urgestein Detlef Dörrié leitete mit Routine und Gelassenheit den ersten Teil der Sitzung. Er ist seit mehr als 30 Jahren in verschiedenen Funktionen für die IHK aktiv. Zuletzt war er Leiter des Wahlausschusses. In seinem Rückblick auf die IHK-Wahl 2026 sprach er von einem Erfolg. Mit mehr als 46.000 abgegebenen Stimmen habe man das zweitbeste Ergebnis der IHK-Geschichte erzielt.

Die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, scheint in Oberbayerns Wirtschaft höher denn je. 649 Unternehmerinnen und Unternehmer hatten sich zur Wahl in die Vollversammlung und die 20 Regionalausschüsse gestellt für insgesamt 416 direkt zu vergebende Sitze. 20 Mitglieder der Vollversammlung hatten sich im Vorfeld für einen Sitz im Präsidium beworben. Auch das ein Rekord.

Vom Vertreter zum Gewählten

Nur einen Bewerber gab es für die Wahl, auf die ganz Oberbayern gespannt wartete: Peter Inselkammer, Münchner Hotelier und bundesweit bekannter Wiesn-Wirt, hatte seit Januar die Funktion des „Präsidenten in Vertretung“ inne. Nun wollte er auch gewählter Präsident werden. In seinem erfrischend knappen Statement warb er für Zuversicht. Oberbayern habe viele „wahnsinnig gute Unternehmen“.

Er selbst stecke jeden Tag tief drin im operativen Geschäft. „Ich weiß, wo es drückt und was anders werden muss“, versicherte er. Schon im Vorfeld war aus dem Ehrenamt zu hören, „der Peter“ sei der richtige Mann zur rechten Zeit als IHK-Präsident. Als Familienunternehmer denke er branchenübergreifend in Zusammenhängen.

Offenbar sieht man das im neuen Plenum genauso. Die Vollversammlung wählte Inselkammer ohne Gegenstimme zum neuen Präsidenten der IHK (siehe Artikel „Wir sind die Stimme der Wirtschaft“) und beglückwünschte ihn mit Standing Ovations. Mit seiner Wahl wird Inselkammer zugleich Präsident des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags BIHK. Der BIHK ist die Dachorganisation der neun IHKs in Bayern und zugleich die größte Wirtschaftsorganisation im Freistaat.

Präsidium: Erfolg versprechende Mischung

Offener war die Frage, wer Inselkammer im Präsidium in den nächsten 5 Jahren unterstützen wird. Über 2 Präsidiumssitze hatten vor der Vollversammlung schon die Vorsitzenden der 20 IHK-Regionalausschüsse entschieden: Sie hatten Franz Schabmüller zu ihrem Sprecher und Sonja Ziegltrum zu dessen Stellvertreterin gewählt. Beide werden im Präsidium die Interessen der Region vertreten.

Dörrié bat, die weiteren 10 Sitze mit Bedacht zu vergeben. Es brauche eine Mischung aus Branchen, Firmengrößen und Erfahrungsgraden im Ehrenamt. Mit dem Wahlergebnis dürfte er sehr zufrieden gewesen sein: Im neuen Präsidium sitzen neben Bernd Hochberger, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse München, die Soloselbstständige Karin Elsperger und der gremienerfahrene Entsorgungsunternehmer Otto Heinz aus Moosburg. Ebenfalls langjährige Erfahrung im Ehrenamt bringt die Schwindegger Holzwerkchefin Ingrid Obermeier-Osl mit.

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Das neue Präsidium – vorn (v.l.): Benedict Padberg, Bernd Hochberger, Peter Inselkammer, Ingrid Obermeier-Osl, Laura Sasse; mittlere Reihe: Franz Schabmüller, Karin Elsperger, Dagmar Schuller, Christian Krömer, Otto Heinz; hinten: Denise Schurzmann, Johannes Hauner, Sonja Ziegltrum

Christian Krömer aus Schrobenhausen nimmt zum 1. Mal Platz im Präsidium. Laura Sasse und Denise Schurzmann stehen an der Spitze klassischer Familienunternehmen aus München und Rosenheim. SZ-Geschäftsführer Johannes Hauner (Medien, Digitalisierung) sowie Benedict Padberg (IT, Software) und Dagmar Schuller (KI), deren Betriebe im Landkreis Starnberg ansässig sind, bereichern das Präsidium mit ihrem technischen Know-how.

Aiwanger bietet Zusammenarbeit an

Bemerkenswert ist die Zuwahl von 3 zusätzlichen Mitgliedern in die Vollversammlung, bei denen es sich um Schwergewichte der Wirtschaft Oberbayerns handelt: Andreas Kießling, beim Stromnetzbetreiber Bayernwerk Leiter Vorstandsbüro und Politik; Klaus Kapp, bei BMW-Leiter Arbeitsumfeld, Konzernsicherheit und Konzerndatenschutz. Schließlich wird mit Deutschlands Unicredit-Chefin Marion Höllinger eine Bankerin im Plenum sitzen, die sich mit Finanzierung auch im europäischen Netzwerk bestens auskennt.

Nach Ansicht von Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) hat die IHK „eine super Truppe“ am Start. Aiwanger war in die IHK gekommen, um als erster Vertreter der Staatsregierung dem neuen Präsidenten die „Fortsetzung der guten Zusammenarbeit“ anzubieten.

China greift Kern der Wirtschaft an

Aiwanger zeigte in seiner Rede den für ihn typischen Mix aus Blockflöte und Pauke. Er kritisierte, viele hätten nicht verstanden, wie ernst die Lage sei. China stehe heute schon für 1 Drittel der weltweiten Industrieproduktion und greife nun den Kern der deutschen Wirtschaft direkt an. Doch China sei nicht allein. „Wir werden weltweit herausgefordert“, stellte Aiwanger fest. Vielleicht habe das auch etwas Gutes. Die Einsicht etwa, dass es so wie bislang nicht weitergehen könne.

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„Wir werden weltweit herausgefordert“ – Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger

Die Prozesse in der Verwaltung, fuhr Aiwanger fort, seien so langsam, dass man den Verdacht habe, ganze Abteilungen stünden auf der Payroll der Chinesen. Wer einen Batteriespeicher ans Stromnetz anschließen wolle, bekomme zu hören, er könne in 5 Jahren wiederkommen. Wer Drohnen entwickeln wolle, warte monatelang auf die Genehmigung des Luftfahrt-Bundesamts in Braunschweig. Der Minister forderte die Unternehmer auf, sich „laut“ zu Wort zu melden und sich zu wehren. Wer ein Problem habe, könne sich jederzeit an ihn wenden.

Lebensziel: Erbschaftssteuer abschaffen

Typisch für die Misere ist nach Aiwangers Ansicht die endlose Debatte um die Erbschaftsteuer. Statt über die Höhe der Steuertarife zu diskutieren, müsse der Staat froh sein, wenn überhaupt noch jemand eine Firma weiterführen wolle. Nur mit Eigentum und Leistung komme man aus der Krise. Sein Lebensziel, so Aiwanger, sei die Abschaffung der Erbschaftsteuer. „Wenn ich das geschafft habe, werde ich mit dem Manfred eine Halbe trinken.“

Der angesprochene IHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl nahm Aiwangers Angebot spontan als „ausgemacht“ an. Man wisse es in der IHK sehr zu schätzen, dass Aiwanger für konkrete Anliegen in der Wirtschaft immer selbst erreichbar sei. Bisweilen könne mit einer SMS ein aktuelles Thema beim Wirtschaftsminister adressiert werden, worauf zügig eine persönliche Rückmeldung erfolge. Das wolle und werde man gegenseitig fortsetzen.

Von Milchkühen und Lasteseln

Gößl führte die neue Vollversammlung in die vielfältige Welt der IHK-Arbeit ein. „Das IHK-Gebäude ist euer Wohnzimmer und unser Miteinander eure Heimat“, stellte er fest. Er griff Aiwangers zuvor gezeichnetes Bild der Familienunternehmen als „Milchkühe und Lastesel“ auf und betonte, es sei eine Kernaufgabe der IHK, sich nicht mit der passiven Opferrolle abzufinden. Mit einem Schaubild erklärte Gößl exemplarisch, mit welchen politischen Entscheidern die IHK auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene seit der letzten Vollversammlung im März im Austausch stand.

Dass die IHK Einfluss hat, zeigt Gößls Worten zufolge das Einlenken der Deutschen Bahn (DB InfraGO) bei der Sanierung der Strecke München–Rosenheim. Ursprünglich hatte die Bahn eine monatelange Komplettsperrung geplant. Die IHK wies auf die für die Wirtschaft untragbaren Folgen hin – die Bahn reagierte. Die Sanierung erfolgt nun in 2 Etappen 2027/2028 und 2031. Dabei wird 1 Gleis weiter befahrbar sein.

Wohnungen nicht vergesellschaften

Der IHK-Hauptgeschäftsführer berichtete zudem, dass die IHK dazu beigetragen hat, ein Risiko für Münchens Wohnungsmarkt zu eliminieren: Pläne der Stadt Berlin zur Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen. Man habe Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) Ende vergangenen Jahres auf die Gefahren hingewiesen – Verunsicherung der Investoren, noch weniger Wohnungsbau. Söder und sein Bauminister Christian Bernreiter (CSU) hätten entschlossen reagiert. Der Koalitionsausschuss der Bundesregierung will nunmehr die Vergesellschaftung von Wohnungen auf Landesebene durch ein Bundesgesetz verbieten.

„Olympia dahoam“ als Schwungauslöser

Gößl stimmte das Plenum schließlich auf die Entscheidung ein, die der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) am 26. September 2026 treffen wird. Wen schickt der DOSB ins Kandidatenrennen um die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044: Berlin, München oder die Region Köln-Rhein-Ruhr? Gößl gab sich überzeugt, dass München die Stadt in Deutschland mit den international besten Siegeschancen ist. „Olympia dahoam“ ist für Gößl „ein Schwungauslöser, den wir uns auch in der Wirtschaft wünschen“.