Von Dr. Manfred Gößl, IHK-Magazin 10/2026
„Onward and Upward“ – unter diesem Motto „Vorwärts und Aufwärts“ schießt die 28 Meter lange „Spectrum“-Rakete am 5. September in den norwegischen Nachthimmel. Die „Spectrum“ ist nicht nur die erste deutsche Trägerrakete, sondern auch die erste privat entwickelte Rakete, die vom europäischen Kontinent aus den Orbit erreicht: Nach knapp vier Minuten überschreitet sie die Flughöhe von 100 Kilometern – die Grenze zum Weltall. Dann fliegt die „Spectrum“ weiter und setzt 500 Kilometer über dem Erdboden fünf wissenschaftliche Satelliten aus.
Mission erfüllt. Und europäische Raumfahrtgeschichte geschrieben! Unserem Start-up Isar Aerospace aus Ottobrunn ist ein technologischer und unternehmerischer Coup gelungen: Drei Studenten der Technischen Universität München (TUM) arbeiten an Raketentriebwerken, bauen nach der Gründung 2018 erste Prototypen mit Unterstützung der TUM, wachsen im bayerischen Innovations-Ökosystem und starten nunmehr in Parsdorf eine hoch automatisierte Serienfertigung für bis zu 40 Raketen im Jahr.
Tatkraft, Weitsicht und Durchhaltevermögen der Gründer von Isar Areospace sind bewundernswert. Ein Paradebeispiel für neues Unternehmertum „made in Bavaria“. Bayern und ganz Deutschland brauchen mehr davon.
Die gute Nachricht: Genau das passiert gerade! Die technologischen Gründungen im Umfeld unserer Universitäten wachsen und gedeihen. In Rekordzeit entsteht eine neue Macher-Generation. Allein die TUM Venture Labs betreuen mehr als 1.000 zukunftsweisende wissenschaftliche Gründungen („Deeptech“). Im ersten Halbjahr 2026 zählte Bayern 626 neue Start-ups, fast doppelt so viele wie im Halbjahr davor. Über 40 Prozent des in Deutschland investierten Wagniskapitals flossen 2026 in den Freistaat. Diese Start-ups sind ein Schlüssel für unsere technologisch-industrielle Wettbewerbsfähigkeit. Und für unser künftiges Wachstum.
Eine nachhaltige Volkswirtschaft funktioniert wie eine nachhaltige Forstwirtschaft: Wir müssen vitalen Boden erhalten, gesunde Bäume schützen und gleichzeitig Verjüngungsmaßnahmen einleiten – also neue, robuste Bäume pflanzen und die jungen Triebe pflegen. Deshalb begrüßen wir die Start-up-Strategie des Bundeswirtschaftsministeriums und die Hightech-Strategie des Bundesforschungsministeriums. Aber das allein reicht nicht.
Damit es für alle Unternehmen in Bayern und Deutschland „Vorwärts und Aufwärts“ geht, brauchen wir eine neue, moderne Leistungskultur: für bessere schulische Basiskompetenzen, für fleißige, qualifizierte Fachkräfte aus dem In- und Ausland, für flexible Beschäftigungsmöglichkeiten, für wettbewerbsfähige Steuern und Abgaben, für digitale und schnelle Verwaltungs-, Planungs- und Genehmigungsprozesse sowie für einen besseren EU-Binnenmarkt mit viel weniger Detailregulierungen und viel mehr unternehmerischen Freiheiten.
Dieses „Vorwärts und Aufwärts“ ist mit einer offensiven Strategie des Aufbruchs und des Anpackens verbunden. Wer hingegen ein „Rückwärts“ fordert und die angefangenen Reformen stoppen will, kann vielleicht Zeit gewinnen – wird aber niemals den Aufstieg schaffen.