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Wie wird das Zentrum zum Anziehungspunkt?

Wie wird das Zentrum zum Anziehungspunkt?

© Sina Ettmer/Adobe Stock

Impulse für die Innenstadt

Fantasievolle Events und Aktionen plus die Lockerungen des Bayerischen Ladenschlussgesetzes – wie sich Ortskerne und Einkaufsmeilen beleben lassen.

Von Eva Elisabeth Ernst, IHK-Magazin 9/2026

Reges Treiben am Bachlauf in der Geretsrieder Innenstadt: 620 quietschgelbe Badeenten aus Plastik kämpfen in mehreren Durchgängen um den Sieg beim Entenrennen. Ihre Eigentümer fiebern mit. Zu gewinnen sind Gastronomiegutscheine für das Geretsrieder Sommerfest. Die nummerierten Badeenten gab es vorher in Geschäften im Zentrum für 2 Euro zu kaufen, die Hälfte davon ging als Spende an die Tafel Geretsried.

Das Entenrennen im Juli war nur einer der Höhepunkte des Innenstadt Freitags und der Geretsrieder Shopping Nacht, die der lokale Gewerbeverein ProCit e.V. organisiert hatte. Ein weiteres Highlight zündete mit einer Feuershow nach Ladenschluss um 21 Uhr.

„Durch gemeinsame Aktionen, Veranstaltungen und Initiativen wollen wir unser Stadtleben aktiv mitgestalten und eine lebendige und attraktive Innenstadt fördern“, sagt ProCit-Vorstand Rudi Utzinger (68), Geschäftsführer der Sport Utzinger GmbH. Neben verkaufsoffenen Sonntagen, Streetfood-Festivals und Weihnachtsaktionen organisiert ProCit seit 2024 jährlich 7 bis 8 Innenstadt Freitage, die jeweils ein Motto erhalten und mit den verschiedensten Aktivitäten und Kooperationen die Stadtmitte beleben. Sie sorgen für zusätzliche Frequenz und stärken die Innenstadt als attraktiven Wirtschaftsstandort.

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© Intersport Utzinger

Durch gemeinsame Aktionen, Veranstaltungen und Initiativen wollen wir eine attraktive Innenstadt fördern.

Rudi Utzinger, Geschäftsführer Sport Utzinger

Idee „Komm ins Zentrum“ zündet

Mehr als die Hälfte der Einzelhändler, Gastronomen und Dienstleister hier, so Utzinger, engagieren sich bei ProCit. Der Zusammenschluss ist wiederum Teil einer neuen Initiative namens „Komm ins Zentrum“, die unter anderem die Stadt Geretsried, die Sparkasse, die lokale Baugenossenschaft und der Betreiber der Tiefgarage unter der Veranstaltungsfläche tragen. Ihr Ziel: das neu gestaltete Zentrum zu beleben und attraktiver zu machen.

Dass es dort keine leer stehenden Geschäfte gibt, wertet Utzinger als sichtbaren Erfolg der gemeinsamen Anstrengungen. Bereits nach 2 Jahren habe sich die Aktion etabliert und locke deutlich mehr Besucher an. In seinem Sportgeschäft merke er das auch an höheren Umsätzen.

Das Format gibt es auch in Bad Tölz, Bad Wiessee, Garmisch, Holzkirchen, Lenggries, Murnau, Oberammergau, Penzberg und Rosenheim. „Und zwar immer am ersten Freitag des Monats“, sagt André Liebe (61), Initiator der Veranstaltungsreihe. „Nach den Corona-Lockdowns wollten wir den stationären Einzelhandel unterstützen und die Menschen wieder zum Besuch der Einkaufsmeilen motivieren.“

Rund 1.600 Insta-Follower

Da sich mittlerweile die Innenstadt-Initiativen von zahlreichen Kommunen beteiligen, wurde im April 2026 der Verein Aktionsgemeinschaft Innenstadt gegründet, mit André Liebe als Geschäftsführer. Der Verein sieht sich als Impuls- und Ideengeber für die teilnehmenden Kommunen, er fördert den Austausch, stellt Werbematerial zur Verfügung und sorgt für Bekanntheit. Allein auf Instagram kommt der Innenstadt Freitag auf rund 1.600 Follower.

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Sport zieht – Aktion beim Innenstadt Freitag

„Die Initiative zeigt, dass eine gemeinsame Innenstadtbelebung funktionieren und als Vorbild für andere Gemeinden in Oberbayern dienen kann“, erklärt IHK-Handelsexperte Peter Groten. „Denn Frequenz entsteht nicht zufällig, sondern wenn mehrere Akteure die Innenstadt gemeinsam als Wirtschafts- und Erlebnisraum gestalten.“ Dabei unterstützt die kostenfreie IHK-Initiative „heimat shoppen“ (s. Kasten unten) als Kampagnenmarke mit individualisierbaren Werbematerialien.

Auch Chiara Wahler, Referentin Immobilienwirtschaft und Standortberatung bei der IHK, unterstreicht, dass lebendige Ortskerne immer dann entstehen, wenn Geschäfte, Gastronomie, Dienstleistungen sowie Kultur- und Freizeitangebote zusammenspielen. Selbst wenn der Einzelhandel eine Ankerfunktion übernimmt: Es geht um mehr als die reine Bedarfsdeckung und klassisches Shopping.

Belebte Innenstadt – zukunftsfähiger Standort

„Lebendige Ortszentren prägen das Bild einer Kommune, schaffen Identität und sind ein wichtiger Faktor für die Attraktivität als Wohn-, Arbeits- und Wirtschaftsstandort“, sagt Wahler. „Deshalb stärken Maßnahmen zur Belebung der Innenstädte nicht nur die lokale Wirtschaft, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit von Kommunen. Attraktive und frequenzstarke Innenstädte sind ein entscheidender Standortfaktor und helfen dabei, Leerstände zu vermeiden.“

Rückenwind kommt von den Lockerungen des Bayerischen Ladenschlussgesetzes, das seit 1. August 2025 gilt. Seither sind kommunale und unternehmensindividuelle Einkaufsnächte mit Öffnungszeiten bis 24 Uhr sowie erweiterte Sonn- und Feiertagsöffnungen in touristisch geprägten Orten oder Ortsteilen erlaubt.

„Doch die Umsetzung kommt vielerorts nur zögerlich voran“, bedauert Handelsexperte Groten. Eine IHK-Umfrage Anfang 2026 ergab, dass nur 10 Prozent der befragten Gemeinden die notwendige Verordnung für kommunale Einkaufsnächte überhaupt verabschiedet hatten. Weniger als die Hälfte war dazu mit dem örtlichen Einzelhandel im Gespräch.

Länger zu öffnen lohnt oft (noch) nicht

„Längere Öffnungszeiten scheitern in der Regel am Personalmangel beim Handel“, hat Liebe beobachtet. Aber auch viele Besucher gehen abends relativ früh wieder nach Hause. „Selbst am Innenstadt Freitag leeren sich die Stadt- und Ortszentren ab 18 Uhr, wenn nicht noch später besondere Aktionen stattfinden.“

In Garmisch-Partenkirchen zum Beispiel schließen die Geschäfte auch am Innenstadt Freitag meist um 18.30 Uhr, bei den Shopping Nights haben die teilnehmenden Betriebe bis 21 Uhr geöffnet. „Bei unserer ersten Shopping Night vor dem ersten Advent 2025 war ab 19 Uhr recht wenig los“, erinnert sich Michaela Nelhiebel (65).

IHK-Info: Toolbox „heimat shoppen“ für Innenstadtakteure

Professionell gestaltete Druck- und Designvorlagen zum Beispiel für Social-Media-Posts, Best-Practice-Beispiele sowie Anleitungen für Aktionen vor Ort: Damit unterstützt die von der IHK Mittlerer Niederrhein gestartete IHK-Initiative „heimat shoppen“ Innenstadtakteure wie Einzelhändler und Gastronomen dabei, sichtbarer zu werden und als starke Gemeinschaft aufzutreten. Die Toolbox ist nun auch für Händler, Gastronomen, Dienstleister, Stadtmarketing-Organisationen und Werbegemeinschaften aus München und Oberbayern kostenlos verfügbar.

Wetterfühlige Besucher

Sie ist Vorsitzende der Werbegemeinschaft Garmischer Zentrum, Präsidentin der Aktionsgemeinschaft Innenstadt sowie Gesellschafterin der Optik Schneider GmbH in Garmisch-Partenkirchen. Kälte und Dunkelheit würden nicht wirklich zum Einkaufsbummel einladen, deshalb blieben auch die Touristen nach dem Abendessen lieber in ihren Hotels.

Bei der 2. Aktion Anfang Mai war dagegen schon deutlich mehr Betrieb. „Das wird sich entwickeln – und je mehr übergreifende Aktionen stattfinden, desto besser.“ Auch das Zusammenspiel von Gastronomie und Handel wirke, so Nelhiebel, die mit der 3. Einkaufsnacht Anfang Oktober weitermacht. „Wir wollen die gesetzlichen Möglichkeiten voll ausschöpfen und die 8. zulässigen Shopping Nights realisieren.“

Von Prosecco bis Planschbecken

Die Unternehmerin geht voran und führt stets spezielle Aktionen durch – vom Sonnenbrillen-Special über kleine Werbegeschenke bis hin zu Prosecco und Planschbecken vor dem Laden. Die bessere Kommunikation der ansässigen Geschäfte untereinander, aber auch ortsübergreifend, findet sie besonders wertvoll. Ebenso Werbemaßnahmen mit individualisierbaren Plakaten und Social-Media-Postings im Rahmen der Aktionsgemeinschaft Innenstadt.

„Leider beteiligen sich die Filialisten in Garmisch gar nicht an unseren Aktivitäten zur Belebung und Aktivierung der Innenstadt“, bedauert Nelhiebel. „Dabei sind gerade gemeinschaftliche Initiativen wichtig, um Ortszentren langfristig attraktiv zu halten und Leerständen vorzubeugen.“

Sportaktionen bewegen

Andere sind umso aktiver. So organisierten Sportvereine am Innenstadt Freitag Anfang Juli 2026 einen Hindernisparcours und ein Torwandschießen, ein Golfclub baute ein Putting Green auf und der Waldkindergarten bot eine Bastelaktion an. Der Andrang war groß – und das lag nicht nur am schönen Wetter.

5 Tipps für mehr Leben im Ort

Wie lassen sich Ortszentren durch gemeinsame Aktionen beleben? 5 Tipps von André Liebe, Geschäftsführer der Aktionsgemeinschaft Innenstadt.

1. Binden Sie nicht nur die ansässigen Geschäftsleute ein, sondern bieten Sie auch regionalen Vereinen, Initiativen und Organisationen die Möglichkeit, sich zu präsentieren.

2. Ein Motto dient als Klammer für die verschiedensten Aktivitäten und regt die Fantasie der Beteiligten an.

3. Es lohnt sich, auch für Kinder Programmpunkte einzuplanen. Diese Angebote ziehen in der Regel viele Menschen an.

4. Organisieren Sie unternehmensübergreifende Aktionen wie Quiz-Rallyes oder Stempelkarten, die Innenstadtpassanten zum Besuch der teilnehmenden Geschäfte und Lokalitäten motivieren.

5. Genauso wichtig ist es, dass sich die Unternehmer auch vor ihren Geschäftsräumen präsentieren: zum Beispiel mit besonderen Aktionen, Getränkeangeboten, einer Relaxzone oder dem Verteilen von kleinen Geschenken.