„Die Initiative zeigt, dass eine gemeinsame Innenstadtbelebung funktionieren und als Vorbild für andere Gemeinden in Oberbayern dienen kann“, erklärt IHK-Handelsexperte Peter Groten. „Denn Frequenz entsteht nicht zufällig, sondern wenn mehrere Akteure die Innenstadt gemeinsam als Wirtschafts- und Erlebnisraum gestalten.“ Dabei unterstützt die kostenfreie IHK-Initiative „heimat shoppen“ (s. Kasten unten) als Kampagnenmarke mit individualisierbaren Werbematerialien.
Auch Chiara Wahler, Referentin Immobilienwirtschaft und Standortberatung bei der IHK, unterstreicht, dass lebendige Ortskerne immer dann entstehen, wenn Geschäfte, Gastronomie, Dienstleistungen sowie Kultur- und Freizeitangebote zusammenspielen. Selbst wenn der Einzelhandel eine Ankerfunktion übernimmt: Es geht um mehr als die reine Bedarfsdeckung und klassisches Shopping.
Belebte Innenstadt – zukunftsfähiger Standort
„Lebendige Ortszentren prägen das Bild einer Kommune, schaffen Identität und sind ein wichtiger Faktor für die Attraktivität als Wohn-, Arbeits- und Wirtschaftsstandort“, sagt Wahler. „Deshalb stärken Maßnahmen zur Belebung der Innenstädte nicht nur die lokale Wirtschaft, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit von Kommunen. Attraktive und frequenzstarke Innenstädte sind ein entscheidender Standortfaktor und helfen dabei, Leerstände zu vermeiden.“
Rückenwind kommt von den Lockerungen des Bayerischen Ladenschlussgesetzes, das seit 1. August 2025 gilt. Seither sind kommunale und unternehmensindividuelle Einkaufsnächte mit Öffnungszeiten bis 24 Uhr sowie erweiterte Sonn- und Feiertagsöffnungen in touristisch geprägten Orten oder Ortsteilen erlaubt.
„Doch die Umsetzung kommt vielerorts nur zögerlich voran“, bedauert Handelsexperte Groten. Eine IHK-Umfrage Anfang 2026 ergab, dass nur 10 Prozent der befragten Gemeinden die notwendige Verordnung für kommunale Einkaufsnächte überhaupt verabschiedet hatten. Weniger als die Hälfte war dazu mit dem örtlichen Einzelhandel im Gespräch.
Länger zu öffnen lohnt oft (noch) nicht
„Längere Öffnungszeiten scheitern in der Regel am Personalmangel beim Handel“, hat Liebe beobachtet. Aber auch viele Besucher gehen abends relativ früh wieder nach Hause. „Selbst am Innenstadt Freitag leeren sich die Stadt- und Ortszentren ab 18 Uhr, wenn nicht noch später besondere Aktionen stattfinden.“
In Garmisch-Partenkirchen zum Beispiel schließen die Geschäfte auch am Innenstadt Freitag meist um 18.30 Uhr, bei den Shopping Nights haben die teilnehmenden Betriebe bis 21 Uhr geöffnet. „Bei unserer ersten Shopping Night vor dem ersten Advent 2025 war ab 19 Uhr recht wenig los“, erinnert sich Michaela Nelhiebel (65).