Hinzu kommt die menschliche Seite: Zentral sei eine resiliente, neugierige Persönlichkeit, die die Herausforderungen einer Gründung bewältigen kann. „Ich erwarte Offenheit, die Bereitschaft zuzuhören und Beharrlichkeit“, sagt Schöllhammer. „Da die Zusammenarbeit anfangs oft intensiv ist, ist auch die persönliche Sympathie wichtig.“
Der Angel ist der „erste Kunde“
Unternehmer sollten Business Angels beim Kennenlernen wie die ersten und wichtigsten Kunden behandeln, die überzeugt werden müssen, rät die Investorin. „Gründende sollten sich wie auf ein Kundengespräch vorbereiten, wissen, wer wir sind, um uns dann mit ihrer Idee, ihren Leistungen und ihrer Begeisterung einzufangen.“
Sind Angels und Gründende sich einig, werden in Bezug auf das Kapital Beteiligungsverträge geschlossen. „Wie man zusammenarbeitet, kommuniziert oder wie viel Einfluss ein Business Angel auf die Geschäftsführung nimmt, wird zumeist in informellen Commitments geregelt“, so Ruhnke. Ein Angel-Investment ist immer längerfristig auf einige Jahre angelegt.
Die Angels über Netzwerke finden
Bastian Behrens hat ebenfalls von einer Angel-Finanzierung profitiert. Sein Unternehmen, die Blackwave GmbH in Taufkirchen mit inzwischen rund 170 Mitarbeitenden, produziert für die Raumfahrtindustrie ultraleichte Drucktanks aus Carbon. „Wir sind 2016 mit dem EXIST-Förderprogramm gestartet; ab 2017 kamen dann ein strategischer Investor und Business Angels an Bord“, erläutert der Gründer und Geschäftsführer von Blackwave.
Gefunden hat Behrens die Angels über sein persönliches Netzwerk, über UnternehmerTUM, das Gründungs- und Innovationszentrum der Technischen Universität München TUM, sowie das Netzwerk BayStartUP.
Organische Entwicklung statt Druck
„Eine millionenschwere Finanzierung durch VC-Fonds und die damit einhergehenden Renditeerwartungen hätten uns kurz nach der Gründung zu viel Druck gemacht. Die Business Angels haben uns die Zeit gegeben, uns organisch in unserem Tempo zu entwickeln und zu wachsen, unsere inhaltliche Spezialisierung zu finden und uns schließlich auf die Raumfahrtindustrie zu fokussieren“, so Behrens.
Gestärkt in den Pitch
„Nicht zuletzt haben sie uns bei der Unternehmer-Werdung geholfen, uns gezeigt, was Unternehmens- und Mitarbeiterführung bedeutet.“ Die erste Entlassung eines Mitarbeiters wäre ohne die Angels sicher eine Katastrophe geworden, sagt er. „Mit ihrer Lebens- und unternehmerischen Erfahrung im Rücken konnten wir diese und ähnliche Herausforderungen besser bewältigen.“ Zum Beispiel als Blackwave dann tatsächlich eine Finanzierung durch VC-Gesellschaften brauchte. „Die Angel-Unterstützung hat unsere Vorbereitung optimiert, uns vor allem auch emotional gestärkt – wir sind viel selbstbewusster in den Pitch gegangen.“
Inzwischen hat sich Blackwave „abgenabelt“. Große VC-Fonds sind eingestiegen, ein Kundenstamm aus dem Who’s who der Raumfahrtindustrie ist entstanden. Ein paar Angels sind aber immer noch an Bord.
Weitere Angels gesucht
Business Angel zu sein, sei eine großartige Sache, fasst BAND-Vorstandsvorsitzende Ruhnke zusammen. „Wir schieben Ideen an, wirken an der Innovations- und Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschaft mit, erzielen im besten Fall gesellschaftlichen Impact.“ Sie ist überzeugt: „Wir sind die Katalysatoren, damit aus einer Gründung oder einem Kauf etwas ganz Großes werden kann.“
Im Vergleich zu anderen Ländern habe Deutschland aber noch zu wenige Angels. „Wir freuen uns auf neue Mitstreiter.“