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Sind durch Business Angels mit ihren Gründungen gut vorangekommen - Andrea Schneller, Geschäftsführerin koorvi Circular Systems, und Bastian Behrens, Geschäftsführer Blackwave

Sind durch Business Angels mit ihren Gründungen gut vorangekommen - Andrea Schneller, Geschäftsführerin koorvi Circular Systems, und Bastian Behrens, Geschäftsführer Blackwave

© Sapna Richter I Christoph Krenn

Unter zwei Flügeln

Start-ups auf Kapitalsuche sind bei Business Angels gut aufgehoben. Die Privatinvestoren bringen nicht nur Geld mit, sondern auch Rat, Know-how und ihr Netzwerk.

Von Gabriele Lüke, IHK-Magazin 9/2026

Gebrauchte Industriegeräte, Haushaltswaren oder Kleidung einfach entsorgen? „Im Gegenteil – gute Produkte verdienen ein 2. Leben“, ist Andrea Schneller überzeugt und machte daraus eine Geschäftsidee: Die von ihr und ihrem Mann Mario Schneller 2023 in München gegründete koorvi Circular Systems UG bietet eine digitale Plattform, über die Hersteller gebrauchte Exemplare ihrer Markenware von den Nutzern zurückkaufen können, um sie dann aufzubereiten und wieder zu verkaufen.

„Für die Umsetzung brauchte es aber nicht nur den Glauben an die Idee, sondern auch eine ausreichende Finanzierung“, sagt die Unternehmerin. „Wir haben zunächst Ersparnisse genutzt, den Gründungszuschuss der Arbeitsagentur und eine Förderung über das Bundesprogramm EXIST bekommen.“ Das sei perfekt für den Einstieg, die ersten Schritte und Entwicklungen gewesen. Dann klopfte der erste große Kunde an, die Plattform ging live, es brauchte frisches Geld. „So kamen Business Angels als Investoren ins Spiel. Sie brachten uns genau die Unterstützung, die zu uns passte“, so Schneller.

Gewichtiger Finanzier für Start-ups

Business Angels, auf Deutsch etwa Unternehmensengel, sind in der Finanzierungslandschaft schon lange ein gewichtiger Faktor – gerade für Start-ups in der Frühphase, die mit ihren Innovationen noch in der Entwicklung stecken, sich auf den Markteinstieg vorbereiten, die ersten Kunden suchen oder die ersten Wachstumsschritte vor sich haben. 74 Prozent aller Erstinvestoren in Start-ups sind laut einer Langzeitstudie des Business Angels Deutschland (BAND) e.V. solche Investoren.

„Sie steigen ein, wenn die persönlichen Mittel der jungen Unternehmer oder Fördergelder nicht mehr ausreichen, aber das Geschäft für die Millioneninvestments großer institutioneller Venture-Capital-Fonds noch nicht skalierbar genug ist“, sagt IHK-Experte Wolfgang Wadlinger. „Die hohen Renditeerwartungen der großen Geldgeber können die jungen Unternehmen überfordern. Business Angels sind in dieser Phase eine gute Lösung.“

Risiken sind kein Hindernis

In der Regel sind Business Angels Privatinvestoren, die selbst unternehmerisch tätig sind oder waren oder auch Vermögen geerbt haben. Sie bringen ihr privates Kapital direkt oder über eigens gegründete Beteiligungsvehikel als Anteilseigner in die Gründungen ein, halten aber in der Regel nicht die Mehrheit der Anteile.

2025 finanzierte ein Angel durchschnittlich 2,4 Gründungen und investierte pro Gründung durchschnittlich knapp 67.000, insgesamt rund 166.000 Euro, ermittelte die BAND-Studie. Ein Einzelinvestment kann aber auch mehrere Hunderttausend Euro umfassen. „Wir können dabei nicht sicher sein, dass unsere Investments gute Renditen bringen – mehr als 50 Prozent der Start-ups scheitern“, erklärt Katja Ruhnke, BAND-Vorstandsvorsitzende und Geschäftsführerin von CK Venture Capital GmbH. „Wir sind aber überzeugt, dass innovative Start-ups kein Nice-to-have, sondern ein Must-have für unsere Wirtschaft sind – daher gehen wir das Risiko ein. Unterm Strich rechnet es sich.“

Neues Feld: Gründer, die Firmen kaufen

Seit einiger Zeit kristallisiert sich noch ein weiteres Investitionsfeld für Business Angels heraus. Wie das Institut für Mittelstandsforschung 2024 ermittelte, investieren Angels „zu einem bemerkenswerten Teil“ auch in Entrepreneurship through Acquisition: Sie unterstützen Gründende also, wenn diese ein bestehendes Unternehmen kaufen, statt ein neues aufzubauen.

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© Sung-Hee Seewald

Wir helfen, das Geschäft zu entwickeln, geben fachlichen Input, stellen Kontakte her.

Katja Ruhnke, Vorstandsvorsitzende Business Angels Deutschland e.V.

Bei jeder Form von Investition ist das Kapital stets nur ein „Flügel“ der „Unternehmensengel“. „Das Besondere ist, dass Business Angels immer auch ihre unternehmerische Erfahrung, Fachkunde, Netzwerke, Kontakte mit einbringen – den zweiten Flügel“, erläutert BAND-Vorstandsvorsitzende Ruhnke. „Wir begleiten die Gründenden als Ratgeber, helfen, das Geschäft zu entwickeln, geben fachlichen Input, stellen Kontakte her.“ Sie betont: „Je intensiver wir uns kümmern, umso geringer ist das Risiko zu scheitern.“

Kapital und Kompetenzen

Wie finden Jungunternehmer die passenden Angels? Circular-Systems-Gründerin Schneller hat vorausschauend recherchiert, welche Kapitalformen und Kapitalgeber für ihre Unternehmung überhaupt infrage kommen, und kannte die Idee der Business Angels. „Dann habe ich mich an ihre Netzwerke und Organisationen gewandt, mich über Social Media und auf Events umgehört, Kontakt zu Angels aufgenommen, mich weiterempfehlen lassen, schon im Vorfeld regelmäßig an alle interessanten Kontakte einen Investors’ Newsletter verschickt“, erzählt sie. „Über Pitches habe ich meine Angels schließlich gefunden, dabei aber auch Angebote abgelehnt, wenn ein Angel einsteigen wollte, der nicht zu uns passte.“

Derzeit hat sie 4 Business Angels an Bord. Sie hat sie bewusst auch nach Kompetenz ausgewählt: „Sie bringen genau das Know-how ein, das wir nicht vorhalten, das uns aber besser macht – etwa zu Marketing, Finanzen oder Recht. Das ist neben der Finanzierung der große Pluspunkt.“

Die Rendite muss stimmen

Ruth Schöllhammer, Mitgründerin von smartaxxess, einer Gründungsberatung mit Fokus auf Planung und Finanzierung junger Unternehmen und zudem engagiert im Frauen-Investment-Netzwerk EncourageVentures, hat als Angel bereits 3 Gründungen begleitet. Ihre Bedingungen für ein Engagement sind klar: „Ich steige ein, wenn mich die Idee reizt und sie neu und innovativ ist. Zugleich sind wir Business Angels aber keine Mäzene oder Sponsoren. Auch die zu erwartende Rendite muss stimmen.“

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© smartaxxess

Ich steige ein, wenn mich die Idee reizt und sie neu und innovativ ist.

Ruth Schöllhammer, Mitgründerin smartaxxess und Business Angel

Hinzu kommt die menschliche Seite: Zentral sei eine resiliente, neugierige Persönlichkeit, die die Herausforderungen einer Gründung bewältigen kann. „Ich erwarte Offenheit, die Bereitschaft zuzuhören und Beharrlichkeit“, sagt Schöllhammer. „Da die Zusammenarbeit anfangs oft intensiv ist, ist auch die persönliche Sympathie wichtig.“

Der Angel ist der „erste Kunde“

Unternehmer sollten Business Angels beim Kennenlernen wie die ersten und wichtigsten Kunden behandeln, die überzeugt werden müssen, rät die Investorin. „Gründende sollten sich wie auf ein Kundengespräch vorbereiten, wissen, wer wir sind, um uns dann mit ihrer Idee, ihren Leistungen und ihrer Begeisterung einzufangen.“

Sind Angels und Gründende sich einig, werden in Bezug auf das Kapital Beteiligungsverträge geschlossen. „Wie man zusammenarbeitet, kommuniziert oder wie viel Einfluss ein Business Angel auf die Geschäftsführung nimmt, wird zumeist in informellen Commitments geregelt“, so Ruhnke. Ein Angel-Investment ist immer längerfristig auf einige Jahre angelegt.

Die Angels über Netzwerke finden

Bastian Behrens hat ebenfalls von einer Angel-Finanzierung profitiert. Sein Unternehmen, die Blackwave GmbH in Taufkirchen mit inzwischen rund 170 Mitarbeitenden, produziert für die Raumfahrtindustrie ultraleichte Drucktanks aus Carbon. „Wir sind 2016 mit dem EXIST-Förderprogramm gestartet; ab 2017 kamen dann ein strategischer Investor und Business Angels an Bord“, erläutert der Gründer und Geschäftsführer von Blackwave.

Gefunden hat Behrens die Angels über sein persönliches Netzwerk, über UnternehmerTUM, das Gründungs- und Innovationszentrum der Technischen Universität München TUM, sowie das Netzwerk BayStartUP.

Organische Entwicklung statt Druck

„Eine millionenschwere Finanzierung durch VC-Fonds und die damit einhergehenden Renditeerwartungen hätten uns kurz nach der Gründung zu viel Druck gemacht. Die Business Angels haben uns die Zeit gegeben, uns organisch in unserem Tempo zu entwickeln und zu wachsen, unsere inhaltliche Spezialisierung zu finden und uns schließlich auf die Raumfahrtindustrie zu fokussieren“, so Behrens.

Gestärkt in den Pitch

„Nicht zuletzt haben sie uns bei der Unternehmer-Werdung geholfen, uns gezeigt, was Unternehmens- und Mitarbeiterführung bedeutet.“ Die erste Entlassung eines Mitarbeiters wäre ohne die Angels sicher eine Katastrophe geworden, sagt er. „Mit ihrer Lebens- und unternehmerischen Erfahrung im Rücken konnten wir diese und ähnliche Herausforderungen besser bewältigen.“ Zum Beispiel als Blackwave dann tatsächlich eine Finanzierung durch VC-Gesellschaften brauchte. „Die Angel-Unterstützung hat unsere Vorbereitung optimiert, uns vor allem auch emotional gestärkt – wir sind viel selbstbewusster in den Pitch gegangen.“

Inzwischen hat sich Blackwave „abgenabelt“. Große VC-Fonds sind eingestiegen, ein Kundenstamm aus dem Who’s who der Raumfahrtindustrie ist entstanden. Ein paar Angels sind aber immer noch an Bord.

Weitere Angels gesucht

Business Angel zu sein, sei eine großartige Sache, fasst BAND-Vorstandsvorsitzende Ruhnke zusammen. „Wir schieben Ideen an, wirken an der Innovations- und Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschaft mit, erzielen im besten Fall gesellschaftlichen Impact.“ Sie ist überzeugt: „Wir sind die Katalysatoren, damit aus einer Gründung oder einem Kauf etwas ganz Großes werden kann.“

Im Vergleich zu anderen Ländern habe Deutschland aber noch zu wenige Angels. „Wir freuen uns auf neue Mitstreiter.“

IHK-Info: Finanzierung