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Passt das Geschäftsmodell noch? Das ist eine wichtige Frage, um Krisen zu vermeiden

Passt das Geschäftsmodell noch? Das ist eine wichtige Frage, um Krisen zu vermeiden

© Andrey Popov/Adobe Stock

Warnsignale rechtzeitig erkennen

Krisen kommen schleichend. Aber sie lassen sich mit einfachen Checks gut erkennen – und somit rechtzeitig abwenden. Welche Themen und Zahlen man stets im Blick haben, um nicht aus der Kurve zu fliegen.

Von Sabine Hölper, 8/2026

Wenn ein Selbstständiger oder ein Kleinunternehmer in eine finanzielle Schieflage gerät, hat er häufig diese Erklärung parat: „Der wichtigste Kunde ist abgesprungen.“ So zumindest erlebt Wolfgang Wadlinger, Betriebswirtschaftlicher Berater bei der IHK für München und Oberbayern, dies in der Praxis immer wieder. Das ist nicht immer ganz falsch, es ist aber auch nicht ganz richtig. Denn, so Wadlinger: „Eine Krise beginnt früher, nämlich genau damit, dass man sich nur auf einen Hauptkunden verlässt.“

BIHK-Webinar: „Unternehmenskrisen im Geschäftsumfeld – Frühwarnzeichen, Handlungsmöglichkeiten und Haftungsrisiken“ am 29. Oktober 2026

Das kostenlose Webinar richtet sich an Firmen aller Größen, insbesondere auch an kleinere Firmen. Vier auf das Insolvenzrecht spezialisierte Rechtsanwälte sprechen darüber, was zu tun ist, wenn Kunden oder Lieferanten in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, wie man derartige Krisensignale frühzeitig erkennt und richtig handelt.

4 Punkte für einen schnellen Check

Probleme entwickeln sich schleichend. Doch es lässt sich schon in einem frühen Stadium recht schnell herausfinden, ob daraus eine Unwucht wird. „Quick Check“ nennt Wadlinger die Möglichkeit, sich in kurzer Zeit einen Überblick über die Lage zu verschaffen und eine mögliche Krise zu erkennen. „Der Quick Check gibt gute Anhaltspunkt.“ Wadlinger empfiehlt vor allem diese 4 detaillierten, praxisnahen Tipps für einen schnellen Check:

1. Geschäftsmodell/Angebot regelmäßig überprüfen und anpassen:
Selbstständige sollten sich regelmäßig vergegenwärtigen, mit welchem Produkt respektive welchen Leistungen sie das meiste Geld verdienen, ob die Angebote noch zeitgemäß sind, wer die wichtigsten Zielkunden sind und ob die Auftragslage ausreichend hoch ist.

2. Finanzen/Liquidität kontinuierlich im Auge behalten:
Der Kontoauszug spricht eine deutliche Sprache. Wichtig ist, ihn mindestens wöchentlich, besser noch häufiger zu lesen – um Anzeichen einer Krise schnellstmöglich festzustellen. Ganz wichtig ist eine ausreichende Liquidität. Sie sollte für mindestens 6 Monate vorhalten.

Ebenfalls sollten Selbstständige zu jeder Zeit wissen, ob sie Gewinne oder Verluste (oder zumindest schwarze Zahlen) schreiben. Um dies ermitteln zu können, muss man alle Kosten kennen und im Griff haben.

Spätestens, wenn der Selbstständige nur noch kostendeckend arbeitet, muss er tätig werden, zum Beispiel an folgenden Stellschrauben drehen:

3. Markt/Vertrieb ankurbeln:
Wichtig ist, neue Kunden zu gewinnen. Allerdings sollte man dies nicht erst in der Krise, sondern kontinuierlich tun. „Alleine mit vorhandenen Kunden kann man auf Dauer nicht bestehen“, mahnt Experte Wadlinger. Für die Kundenakquise und Vertrieb sollten mehrere Vertriebskanäle genutzt werden.

4. Organisation/Prozesse verbessern:
Krisen können auch auftreten, wenn die Arbeitsabläufe im Betrieb ineffizient sind, die Mitarbeiter nicht ausreichend qualifiziert sind oder auch – wie oft auch bei Selbstständigen – die eigene Arbeitsbelastung auf Dauer zu hoch ist. Insofern gilt es auch, die Organisation und Prozesse im Blick zu behalten.

„Sobald man nur einige der oben genannten Punkte nicht zufriedenstellend beantworten kann, ist es ratsam, einen Berater der IHK aufzusuchen“, betont Wadlinger. „Dabei besser früher als zu spät in die Beratung kommen. Umso leichter ist es, das Ruder noch herumzureißen.“

IHK-Info: Kostenfreie Hilfsangebote zur Früherkennung von Krisen

  • IHK-Merkblatt der IHK zum Quick Check:
    Die IHK für München und Oberbayern stellt das Merkblatt „als PDF zur Verfügung.
  • Kostenlose IHK-Webinare:
    Einmal im Monat geben Experten insbesondere Inhabern kleiner Unternehmen und Selbstständigen Werkzeuge an die Hand, wie sie Krisen im Betrieb erkennen und gegebenenfalls gegensteuern können.
  • Unternehmerwerkstatt UWD:
    Eine gute Unterstützung, um Krisen vorzubeugen, leistet auch die kostenlose Plattform Unternehmerwerkstatt UWD. Das „Krisenthermometer“ der UWD liefert einen umfassenden Überblick über die aktuelle Situation. Sollte die Auswertung ergeben, dass es im Unternehmen kriselt, können Selbstständige sich an die Berater der IHK wenden.