IHK-Chef Manfred Gößl zu Gast beim Wirtschaftsempfang Starnberg mit 180 Gästen
Zu Beginn des Wirtschaftsempfangs gab Cyrus Ahari, der im Juni den Vorsitz des frisch gewählten IHK-Regionalausschusses Starnberg von Katja Lindo Roever übernommen hatte, die Richtung vor: „Wir können weder weltpolitische Krisen noch wirtschaftliche Unsicherheiten oder tiefgreifende Transformationsprozesse aufhalten. Aber wir können entscheiden, wie wir darauf reagieren. Wir können die Segel neu setzen und unseren Kurs bewusst wählen.“ Die Wirtschaft im Landkreis brauche vor allem eines: „Verlässlichkeit, dort, wo wir es selbst im Griff haben.“
Ahari machte klar: Gerade der Landkreis Starnberg stehe seit vielen Jahren für wirtschaftliche Stärke, Innovationskraft und Unternehmergeist. „Die Vielfalt aus Familienunternehmen, Mittelständlern, international tätigen Unternehmen und jungen Gründerinnen und Gründer macht unseren Wirtschaftsstandort besonders und schafft die Grundlage für die hohe Lebensqualität, die unsere Region auszeichnet.“ Der IHK-Regionalausschussvorsitzende appellierte daher an die Unternehmerinnen und Unternehmer: „Bleiben Sie sichtbar. Bleiben Sie engagiert. Unternehmerisches Handeln verdient Vertrauen und Anerkennung. Denn ohne erfolgreiche Unternehmen gibt es keinen nachhaltigen Wohlstand.“
Diesen Ball griff IHK-Chef Manfred Gößl auf und verwies gleich zu Beginn seines Vortrags auf das jüngste Regionalranking des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Dort erreichte der Landkreis Starnberg mit dem fünften Rang unter 400 deutschen Regionen einen Spitzenplatz. „Hier läuft’s viel besser als in anderen Regionen Deutschlands. Die würden sofort tauschen“, so Gößl. „Das bedeutet aber nicht, dass wir uns im Landkreis zurücklehnen dürfen. Die Frage müsse jetzt vielmehr lauten: Wie können wir weiter besser werden und uns ganz oben halten?“
Eine der vielen Strukturkrisen sei der demografische Wandel und die Rentenwelle der Babyboomer-Generation, die den Landkreis Starnberg besonders stark treffen wird. „Während in Bayern auf sechs kommende Rentner vier Nachwuchskräfte auf den Arbeitsmarkt nachkommen, liegt das Verhältnis hier in der Region bei sechs zu drei“, mahnt der IHK-Chef. Gleichzeitig seien das Zurückdrehen der Schröder-Reformen, die Energieverteuerung, die US-Zölle, die Wandlung Chinas vom riesigen Exportmarkt zum größten Konkurrenten eine echte Zeitenwende. Gößl prognostizierte: „Unsere Zeit wird als die ‚mageren 20er-Jahre‘ in die Chroniken eingehen, weil wir das niedrigste Wirtschaftswachstum in der deutschen Nachkriegsgeschichte haben werden.“ Es gebe nur ein nachhaltig wirksames Rezept für mehr Wachstum: „Private Investitionen rauf, Arbeitsvolumen rauf, Produktivität rauf“.
Eine Gesellschaft könne zudem nur erfolgreich sein, wenn sie anpassungsfähig sei und Widerstandskraft beweise, sagte Gößl. „Es entsteht immer Neues und es gibt immer auch Rückschläge. Statt dauernd Defizite zu besprechen, müssen wir Lösungen in den Angriff nehmen. Lernen wir von den besten Ländern in Europa. Übernehmen wir von unseren Nachbarn gute, bewährte Lösungen statt ewig zu politisieren.“ Als erfolgreiches Beispiel sprach Gößl über den sensationellen Raketenstart von Isar Aerospace aus Ottobrunn unter dem Motto „Vorwärts und Aufwärts“. „Es geht darum, die eigene Energie nicht mit dem Aufhalten zu vergeuden, sondern auf das Weitergehen zu konzentrieren. Seids einmalig, mutig und unberechenbar“, so der IHK-Chef.
Im Rahmen des Wirtschaftsempfangs stellten die beiden stellvertretenden Regionalausschussvorsitzenden Karin Klarwein und Benedict Padberg zwei kommende Projekte im Landkreis vor: So soll das IHK-Wirtschaftsforum als Plattform für Dialog in der Region ein Comeback erleben. Außerdem wird der IHK Startup School Cup im Landkreis weiter ausgerollt, um Schülerinnen und Schüler mit dem Gründen sowie dem Unternehmertum vertraut zu machen.