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© IHK München / HR Schulz

Pressemeldung vom 21.07.2026

„Bleibt´s mutig und unberechenbar“

Mehr Eigenverantwortung wagen – das ist das Fazit des zweiten Wirtschaftsempfangs des IHK-Regionalausschusses Erding-Freising. Rund 120 Gäste aus der heimischen Wirtschaft, Kommunalpolitik und Verwaltung sind der Einladung der IHK in den historischen Jakobmayer-Saal in Dorfen gefolgt. Über die Irrungen und Wirrungen des Bürokratieabbaus tauschte sich die neue Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Erding-Freising, Veronika Kamm, mit IHK-Chef Manfred Gößl, Landtagsabgeordneten Johannes Becher (Grüne) und Bundestagsabgeordneten Christian Moser (CSU) in einer Podiumsdiskussion aus.

Manfred Gößl, Christian Moser und Johannes Becher beim Wirtschaftsempfang Erding-Freising

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Veronika Kamm in der Diskussion mit Manfred Gößl, Johannes Becher und Christian Moser

Gößl skizzierte in seiner Eingangsrede die Stärken und Chancen der Flughafen-Region als Wirtschaftsstandort. „Uns geht’s viel besser als den anderen Regionen Deutschlands. Die würden sofort mit uns tauschen“, so der IHK-Hauptgeschäftsführer. Er verwies auf den jüngsten Prognos-Zukunftsatlas. Die Ergebnisse bescheinigen den Landkreisen Freising und Erding Plätze im ersten Viertel unter 400 deutschen Regionen. „Bei aller Kritik, müssen wir uns klarmachen: Wir stehen gut da!“, sagte Gößl. „Das bedeutet aber nicht, dass wir uns zurücklehnen dürfen.“ Die Frage müsse jetzt vielmehr lauten: „Wie können wir besser werden und uns oben halten?“

Die vielen Strukturkrisen gleichzeitig – ein Zurückdrehen der Schröder-Reformen, Energieverteuerung, US-Zölle, die Wandlung Chinas vom Exportmarkt zum Konkurrenten nur als einige Beispiele – seien die eigentliche Zeitenwende, so Gößl. Der IHK-Chef prognostizierte: „Das Jahrzehnt wird als die ‚mageren 20er-Jahre‘ in die Geschichtsbücher eingehen, weil wir das niedrigste Wirtschaftswachstum in der Nachkriegsgeschichte haben werden.“ Das Rezept für mehr Wachstum laut Gößl: „Private Investitionen rauf, Arbeitsvolumen rauf, Produktivität rauf!“ Zudem brauche es permanente Anpassungsfähigkeit und Widerstandskraft: „Es entsteht immer Neues und es gibt immer auch Rückschläge. Darauf zu reagieren und alle Kraft auf das Weitergehen zu lenken, ist gelebtes Unternehmertum!“ Sein Appell: „Der Mittelstand muss seine Einmaligkeit gegenüber den Kunden herausarbeiten und kommunizieren. Bleibt’s mutig und unberechenbar“, sagte der IHK-Chef den Unternehmerinnen und Unternehmern aus der Flughafen-Region.

Dass vor allem die Bürokratie ein hausgemachter Bremsklotz für die heimischen Betriebe ist, bestätigten die zwei Politiker Christian Moser und Johannes Becher in der Diskussion mit Kamm und Gößl. „Wir sind bei weitem noch nicht da, wo wir hin wollen“, so Becher von der Fraktion der Grünen im Bayerischen Landtag. Er berichtete von seiner Teilnahme an einer IHK-Delegationsreise nach Schweden , einem Vorbild in Sachen moderner Staatsverwaltung und erfolgreichem Bürokratieabbau. „Die haben alles durchdigitalisiert – und dort gilt trotzdem auch die Datenschutzgrundverordnung.“ In Österreich können, so Becher, die Unternehmen mit einer ID über eine zentrale Plattform mit allen Behörden kommunizieren. Bechers Fazit: „Nur mit Vertrauen werden wir den Kulturwandel erfolgreich schaffen.“

Moser beschrieb eine zentrale Herausforderung beim Bürokratieabbau: „Ich finde zu jeder Regelung jemanden, der sie verteidigt!“ Ein großes Problem sei der deutsche Drang nach Einzelfallgerechtigkeit. „Wir müssen einfacher werden, statt jeden Sonderfall regeln zu wollen“, so der CSU-Bundestagsabgeordnete. Er stimmte Becher zu, dass es einen anderen Mindset brauche. Das Motto müsse lauten: „Maximale Freiheit, maximale Eigenverantwortung!“

Kamm sprach sich für mutige Schritte beim Bürokratieabbau aus und forderte mehr Tempo. „Keiner wird im Raum sagen, dass der Bürokratieabbau schon spürbar bei einem ankommt“, so die neue Regionalausschussvorsitzende mit einem Blick ins Publikum. Die Erdinger Familienunternehmerin nutzte den Empfang, den langjährigen Vorsitzenden Otto Heinz zu verabschieden und ihm für sein ehrenamtliches Engagement zu danken. Weil beide bekennende TSV 1860-Fans sind, überreichte sie Heinz ein Trikot des leidgeprüften Münchner Traditionsklubs. „Aber anders als die Löwen ist unser Wirtschaftsstandort nicht viertklassig, sondern spielt in der ersten Liga!“, stellte Kamm klar.

Bildunterschrift (v.l.n.r.): IHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl, IHK-Vizepräsidentin Ingrid Obermeier-Osl, Bundestagsabgeordneter Christian Moser (CSU), Landtagsabgeordneter Johannes Becher (Grüne), Erdings Landrat Martin Bayerstorfer, IHK-Regionalausschussvorsitzende Veronika Kamm, Dorfens Bürgermeister Claudius Siebert, stellvertretender IHK-Regionalausschussvorsitzender Andreas Scharf und IHK-Vizepräsident Otto Heinz.

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