IHK-Präsident Peter Inselkammer spricht über seine Ziele, das Teamwork mit der Staatsregierung und die Bedeutung regionaler Ausschuss-Arbeit.

Von Martin Armbruster


Herr Inselkammer, mit Ihnen hat Deutschlands größte IHK wieder einen Präsidenten. Glückwunsch. Wie hat Ihr Umfeld darauf reagiert?

So einen Schritt spricht man vorher ab – mit seiner Frau, mit seiner Familie. Klar, ich habe gecheckt, ob das mit meinem bisherigen Leben zusammenpasst. Was mich ermutigt hat: Ich habe von Anfang an sehr viel positives Feedback bekommen. Ich habe oft gehört: Sehr schön, dass ein mittelständischer Unternehmer das macht. Ich bin in dieses Amt in den vergangenen Monaten reingewachsen. Und irgendwann habe ich gespürt: Ja, das ist der richtige Weg.

Das Plenum hat Sie ohne Gegenstimme gewählt. Werten Sie das als Vertrauensbonus?

Natürlich freue ich mich über das Votum. Mit einem guten Ergebnis hatte ich gerechnet, weil es schon im Vorfeld so viel Zuspruch gab. Aber Standing Ovations der Vollversammlung, das hat mich schon überrascht und auch wirklich bewegt. Da fehlten mir die Worte. Das war richtig emotional.

Wie zufrieden sind Sie mit dem neuen IHK-Präsidium, das Ihre Arbeit unterstützen wird?

Hotellerie, Gastronomie, da weiß ich gut Bescheid. Aber wenn es um Verkehr oder Digitalisierung geht, haben wir in der IHK kompetentere Leute als mich. Daher freut es mich, dass wir im Präsidium einen guten Mix aus Branchen und Firmengrößen haben. Wir haben Geschlechterparität. Neben den neuen Mitgliedern haben wir Vizepräsidenten und -präsidentinnen, die jahrelange Erfahrung mit diesem Amt haben. Das sichert eine gewisse Kontinuität unserer IHK-Arbeit.

Vergangene Woche Vollversammlung, heute unser Interview und BIHK-Spitzengespräch mit dem CSU-Präsidium, morgen eröffnen Sie den IHK-Jahresempfang. Wie erleben Sie Ihre ersten Tage als IHK-Präsident?

Ich hatte die einmalige Chance, mich als Präsident in Vertretung einige Monate lang auf das Präsidenten-Amt vorzubereiten. Das hat schon sehr geholfen. Ich wusste daher schon ziemlich genau, was da auf mich zukommt und welche Themen auf unserer IHK-Agenda stehen. Aber jetzt, im Amt, geht es tatsächlich Schlag auf Schlag.

Als Sprecher der Wiesn-Wirte wissen Sie, wie Interessenvertretung geht. Als BIHK-Präsident stehen Sie für eine Million bayerische Unternehmen. Wie fühlt sich das an?

Wiesn-Wirte, ja, das ist ein öffentlichkeitswirksames Thema, aber tatsächlich reden wir da von 15 Wirten, deren Interessen fast identisch sind. Als Münchner IHK-Präsident bin ich automatisch auch BIHK-Präsident. Da vertrete ich das Interesse aller Branchen Bayerns. Vor der Aufgabe habe ich tatsächlich Respekt.

Der Auftakt ist Ihnen aber offenbar ganz gut gelungen.

Ja, die ersten Tage waren jetzt schon wirklich spannend. Gerade das Treffen mit dem CSU-Präsidium hat mich heute beeindruckt. Das war wirklich ein guter Austausch. Und was mir aufgefallen ist: Man spürt schon, wie ernst die Politik unsere Themen nimmt. Und wie gut auch ein Ministerpräsident zuhört, wenn wir unsere Punkte in die Diskussion einbringen, weil wir wirklich die Stimme der Wirtschaft sind.

Porträtfoto von Peter Inselkammer, Präsident der IHK für München und Oberbayern

© Thorsten Jochim

Man spürt schon, wie ernst die Politik unsere Themen nimmt.

IHK-Präsident Peter Inselkammer

Ob in der Vollversammlung oder in einem Ausschuss – Sie haben in der IHK schon viele Sitzungen erlebt. Was hat sich da in den vergangenen Jahren verändert?

Über die Jahre hat sich da wirklich eine Diskussionskultur entwickelt. Es gibt viel mehr Wortmeldungen, die jeweiligen Themen werden nicht mehr einfach abgenickt. Ich fand sehr gut, wie die bisherigen IHK-Präsidenten die Sitzungen geleitet haben.

Wie wollen Sie das handhaben?

Ich werde versuchen, die richtige Balance zu finden: keine Diskussion abwürgen, Wortmeldungen fördern und zulassen, aber eingreifen, wenn eine Diskussion ausufert. Unsere Aufmerksamkeitsspanne ist einfach begrenzt. Wenn eine Sitzung länger als drei Stunden dauert, werden die Leute müde. Dann wird das Ganze unproduktiv.

Andere Unternehmer aus dem Ehrenamt sagen, Sie seien als Präsident schon deshalb eine gute Wahl, weil Sie auch an andere Branchen denken.

Jeder Hotelier und Wirt tut das. Alles, was in der Wirtschaft passiert, betrifft indirekt auch unser Geschäft: Altstadt-Entwicklung, Verkehr, Ladenöffnungszeiten, Industrie-Krise, Steuerpolitik und so weiter. Wenn die Leute nicht mehr in die Innenstadt kommen, weil es keine spannenden Läden mehr gibt, dann kommen sie auch nicht in die Gastronomie. Auch als Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Stadt München habe ich mich intensiv und gerne mit den Sorgen anderer Branchen beschäftigt. Gerade in München und Oberbayern ist die Wirtschaft ganz stark vernetzt.

Dafür ist die IHK doch die perfekte Plattform.

Das ist absolut so. Das wird hier in der IHK abgebildet und auch gelebt. Wir haben hier eine schöne Vernetzung der Regionen unseres IHK-Bezirks über die Regionalausschüsse. Das verbinden wir gut mit der Arbeit unserer Fachausschüsse. Ich kann mit Überzeugung sagen: In diesen Ausschüssen sitzen Unternehmerinnen und Unternehmer, die wirklich Bescheid wissen. Auch deshalb hört uns die Politik so aufmerksam zu.

Was sagen Sie der Politik gerade? Was macht den Firmen Sorgen?

Da kann ich berichten aus dem Gespräch, das wir gerade mit dem Ministerpräsidenten hatten. Da ging es um die Themen, mit denen sich auch die Bundesregierung beschäftigt: Bürokratie, Arbeitszeiten, Arbeitskosten. Es tut den Firmen weh, wenn Genehmigungen ewig dauern. Wir leiden unter unserer Neigung, alles besonders gründlich zu machen: bei den Dokumentationspflichten oder der Datenschutz-Grundverordnung.

Porträtfoto Peter Inselkammer, Hotelier - Gastronom - IHK Präsident

© Thorsten Jochim

Es tut den Firmen weh, wenn Genehmigungen ewig dauern.

IHK-Präsident Peter Inselkammer

Wie hat Söder darauf reagiert?

Er will im Herbst in Berlin einige Themen nacharbeiten. Dafür braucht er den Input aus unseren Reihen. Es schadet uns, wenn etwa die Mini-Jobs abgeschafft würden. Auch die Verschärfung der Reichensteuer ist ein Signal, das ich schwierig finde. Inhabergeführte Unternehmen und Personengesellschaften wird das nicht zu mehr Leistung motivieren.

Münchens neuer OB betont, wie wichtig Weltoffenheit für die Stadt ist. Sehen Sie das ähnlich?

Ja, definitiv. München lebt von der Weltoffenheit. Denken Sie an das Oktoberfest. Da feiern wir mit der ganzen Welt. Unsere Biergarten-Kultur basiert auf Toleranz und Offenheit. Deswegen kommen doch die Tech-Firmen hierher. Die wissen: München ist eine Stadt, in der wir willkommen sind. Rund 30 Prozent der Münchnerinnen und Münchner haben keinen deutschen Pass. Das Schöne daran ist: Die Vielfalt in München funktioniert.

Wie kommen wir aus der Krise raus?

Eine einfache, schnelle Antwort darauf hat niemand. Was sicher ist: Unsere Region hat die Kraft, aus der Krise rauszukommen. Wir haben super Unternehmen, wir haben die stärkste Start-up-Szene im Land. Wir haben hier Leute, die etwas bewegen und investieren wollen. Natürlich wünschen wir uns, dass die Bundesregierung ihren Teil beiträgt und die richtigen Schalter umlegt. Wir wollen aber nicht nur kritisieren, sondern erklären, was man besser machen könnte.

Man sagt, Sie hätten nicht nur Berlin im Blick, sondern fühlten sich auch den Regionen verbunden.

Ja, diesen Austausch der Regionen innerhalb der IHK empfinde ich als ungemein gewinnbringend. Wir haben unsere Präsenz in der Fläche mit unseren Geschäftsstellen und den mittlerweile 20 Regionalausschüssen ausgebaut. Im Präsidium und Vollversammlung sitzen heute mehr Unternehmer aus den Regionalausschüssen denn je. Dieser Austausch mit den Regionen wird eine Hauptaufgabe für mich als IHK-Präsident sein.

Seit der Kommunalwahl wird intensiv über die Zukunft Münchens diskutiert. Was halten Sie davon?

Da gibt es viele Themen, Olympia-Bewerbung, Mobilität, Wohnungen und so weiter. Viel wird derzeit über das Projekt „Altstadt für alle“ des Mobilitätsreferats diskutiert. Da werden und müssen wir uns als IHK einbringen. Der Gedanke ist grundsätzlich richtig: Die Innenstadt beleben, Plätze schön gestalten – ja, das tut München sicher gut. Das gelingt aber nur, wenn man dabei die Akteure aus der Wirtschaft einbindet. Niemand flaniert durch eine tote Innenstadt. Wir brauchen Cafés, Kneipen, Ausstellungen, Konzerte und spannende Läden. Das ist doch das, was das Münchner Lebensgefühl ausmacht.