Gößl: „Unternehmen bauen auf kommunale Finanzpolitik mit Augenmaß“
Insgesamt sieht die IHK aber einen langfristigen Trend zu Erhöhungen und kritisiert diese Entwicklung: Seit 2015 haben 210 Kommunen ihren Hebesatz erhöht, nur 15 Kommunen verzeichnen in diesem Zeitraum eine Senkung. In 275 Gemeinden blieb der Gewerbesteuerhebesatz konstant.
„Augenmaß bei den Gewerbesteuern bleibt das A und O einer soliden Finanz- und Wirtschaftspolitik in den Gemeinden. Steigende Hebesätze erhöhen die Kosten für die Unternehmen und können Investitionen erschweren. In der aktuellen Dauerkrise mit ohnehin schon zahllosen Belastungen für die Unternehmen wäre das langfristig umso schädlicher für die Wirtschaft vor Ort“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl. „Dass viele Gemeinden und Städte durch immer höhere Ausgaben finanziell unter Druck stehen, ist nachvollziehbar. Die Haushaltslöcher dürfen aber nicht auf dem Rücken der heimischen Unternehmen gestopft werden“, sagt Gößl.
Im Jahr 2025 betrug der durchschnittliche Gewerbesteuerhebesatz der oberbayerischen Gemeinden und Städte 343 Prozent, ein Plus von einem Prozentpunkt gegenüber dem Vorjahr. Oberbayerischer Spitzenreiter beim Gewerbesteuerhebesatz blieb die Landeshauptstadt München mit 490 Prozent. Es folgt die Gemeinde Kirchberg (Lkr. Erding) mit 430 Prozent sowie mit jeweils 420 Prozent die Gemeinden Berglern, Langenpreising (beide ebenfalls Lkr. Erding) und Kösching (Lkr. Eichstätt).
Den niedrigsten oberbayerischen Hebesatz von 230 Prozent veranschlagt neuerdings die Gemeinde Baierbrunn (Lkr. München), dahinter folgen die Gemeinden Grünwald (Landkreis München), Pöcking (Landkreis Starnberg), Stammham (Landkreis Altötting) sowie Bad Wiessee (Landkreis Miesbach) mit jeweils 240 Prozent. Gesetzlich ist den Gemeinden bundesweit ein Mindesthebesatz von 200 Prozent vorgeschrieben, dieser Wert wird ab 2027 allerdings auf 280 Prozent steigen. Dies würde nach aktuellem Stand 13 Kommunen in Oberbayern betreffen.
Von ihren Gewerbesteuereinnahmen müssen die Kommunen eine Umlage an Bund und Länder abführen, im vergangenen Jahr waren das in Oberbayern 660 Millionen Euro. Die Netto-Gewerbesteuereinnahmen (nach Abzug der Umlage) standen 2024 mit 46 Prozent für knapp die Hälfte der kommunalen Steuereinnahmen in Oberbayern.
Basis der IHK-Auswertung ist der Stand der Gewerbesteuerhebesätze von 2025 bereitgestellt durch das Bayerischen Landesamt für Statistik.
Hinweis an die Redaktionen: Die IHK-Auswertung mit Datentabellen zu allen oberbayerischen Landkreisen und deren Kommunen finden Sie unter diesem Link auf der IHK-Webseite. Zusätzliche Pressemeldungen zu den oberbayerischen Landkreisen veröffentlicht die IHK im Verlauf des heutigen Tages.