Von Josef Stelzer, IHK-Magazin 7-8/2026
Für Transportunternehmer Ferdinand Kloiber (62) steht fest: „Der Stromer ist aktuell neben den anderen klimaneutralen Antrieben eine Alternative, um den hohen Dieselpreisen zu begegnen“ Der Geschäftsführer der auf Containerlogistik spezialisierten Kloiber GmbH in Petershausen betreibt derzeit 18 voll-elektrisch angetriebene 40-Tonner, weitere werden hinzukommen. Zudem erweitert der Unternehmer das betriebliche Ladenetz und wird künftig einen Teil des selbst produzierten Photovoltaikstroms dafür verwenden.
So wie Kloiber setzen gerade immer mehr Transportunternehmen auf E-Lkws. Sie nutzen eigene oder öffentliche Ladeparks und wollen sich damit Schritt für Schritt unabhängiger von fossilen Kraftstoffen machen. Die steigenden Preise für Diesel – nicht nur durch den Krieg im Iran – sehen sie neben dem Klimaschutz als schlagendes Argument für E-Mobilität. Gleichzeitig wächst auch das Angebot an Systemen, um die Nutzung von E-Fuhrparks zu optimieren. Wie attraktiv ist also der Umstieg?
35.000 Euro Kostenersparnis
Für das Unternehmen Kloiber sieht die Rechnung so aus: Einsparungen ergeben sich, weil für E-Trucks die Mautgebühren entfallen, zumindest bis Juni 2031. Bei einer Maut von rund 35 Cent je Kilometer und einer Fahrstrecke von 100.000 Kilometern auf Autobahnen oder Bundesstraßen summiert sich die Kostenersparnis für Transportunternehmen dank Elektroantrieb auf 35.000 Euro. „Damit können wir die zusätzlichen Kosten eines E-Lkw gegenüber einem vergleichbaren Diesel in der Gesamtkostenbetrachtung bei idealen Einsatzbedingungen und moderaten Strompreisen nahezu ausgleichen“, betont der Firmenchef.
Bleibt das Thema Laden: Seine Elektroflotte ist meist in einem Umkreis von etwa 200 Kilometern um den Firmensitz unterwegs. „Die bis zu 400 Kilometer Reichweite unserer vollelektrischen Zugmaschinen reichen für die täglichen Routen nicht aus“, so der Unternehmer. Am Depot oder an den Ladestellen muss aktuell noch nachgeladen werden.
Reichweite ausbaufähig
Ideal wären 600 Kilometer Reichweite für eine Schicht, sodass das zeitraubende Nachladen entfallen würde. Nachts dienen die 10 firmeneigenen Ladepunkte im Petershausener Depot zum Laden. Zudem plant Kloiber für die Münchner Niederlassung weitere Lademöglichkeiten für den elektrischen Schwerlastverkehr.
Elektro-Trucks eignen sich allerdings nicht für alle Touren. „Die Strecken müssen zum E-Lkw passen und Einsparungen von Mautgebühren auf Autobahnen oder Bundesstraßen und die optimale Kombination der Ladezeiten mit den Ruhezeiten der Fahrer ermöglichen“, betont Georg Dettendorfer (56), Geschäftsführer der Johann Dettendorfer Spedition Ferntrans GmbH & Co. KG in Nußdorf. Wenn aber alles zusammenpasst, „sind sie mindestens so gut wie Diesel-Lkws“, berichtet der Logistikunternehmer, der seit November 2025 vier elektrische 40-Tonner einsetzt und Schritt für Schritt seinen E-Fuhrpark vergrößert.
Geld- und Zeitgewinn
Argumente für die E-Mobilität sieht er zum Beispiel bei den laufenden Kosten. „Beim Depotladen an unseren Standorten kommen wir auf 20 bis 24 Cent pro Kilowattstunde und liegen damit im Vergleich zum Diesel deutlich kostengünstiger“, so Dettendorfer. Überdies will er die Transporte über den Brenner nach Italien elektrifizieren (s. auch Artikel:
E-LKW als Ausweg).
Vorteil: Für die Stromer entfällt das in Tirol geltende Nachtfahrverbot, was gegenüber Diesel-Lkws einen erheblichen Zeitgewinn mit sich bringt.
Der dänische Dienstleister DSV Global Transport & Logistics setzt bereits seit Juli 2025 einen vollelektrischen 40-Tonner auf der Strecke zwischen den Firmenstandorten Neufahrn bei München und Sterzing in Südtirol ein. Der E-Lkw legt dabei täglich rund 490 Kilometer zurück und bewältigt den „Rundlauf“ nach DSV-Angaben ohne Zwischenladen.
Neue E-Tankstellen und Megawattladen
Das Thema Laden ist ein sensibler Punkt beim Umstieg auf E-Mobilität. Die Dettendorfer Energy GmbH, ein Zusammenschluss der Spedition Dettendorfer und des regionalen Energieversorgers Energie Südbayern, treibt daher den Aufbau einer Ladeinfrastruktur voran. Ladeparks in Raubling an der Autobahn A 93 und an der Ausfahrt Langenbruck (A 9) sind bereits in Betrieb, in Pentling (A 93) bei Regensburg wird 2026 ein weiterer fertiggestellt, an der Ausfahrt Dasing (A 8) ist eine E-Tankstelle geplant.