Seit 2021 arbeitet der Verkehrsverbund an der Erweiterung seines Netzes. 2023 kamen der südliche Teil des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen sowie die Kreise Miesbach und Rosenheim inklusive der Stadt Rosenheim hinzu, 2025 folgten die Kreise Landsberg und Weilheim-Schongau. Anfang 2026 startete die 3. Runde. Die Kreise Garmisch-Partenkirchen, Mühldorf am Inn, Landshut sowie die Stadt Landshut traten bei. Heute ist das MVV-Gebiet 13.600 Quadratkilometer groß und vernetzt knapp 410 Gemeinden mit rund 4 Millionen Einwohnern. Und das Netz wächst weiter: 2027 wollen der Kreis Ostallgäu und die Stadt Kaufbeuren beitreten.
On-Demand-Verkehre als Option
Mit der Expansion will der MVV auch Vertrieb und Service optimieren. Große Hoffnungen setzt er auf die App MVVswipe. Über die wischt der Nutzer bei jedem Ein- und Ausstieg jeweils einmal. Am Ende des Tages wird von seinem Konto maximal der Preis einer Tageskarte abgebucht.
Allerdings ist vor allem in den neuen MVV-Regionen noch Feinarbeit zu leisten. Rosenbusch räumt ein, dass Busverkehre ausgeweitet und auf Bahnverkehre abgestimmt werden müssen. Hier seien alle Kreise und Städte gefordert. „Sie müssen ihre Netze weiterentwickeln und Nahverkehrspläne ausarbeiten“, mahnt Günter Menzl, Koordinator der MVV-Verbundlandkreise. Die Pläne regeln, welche Linienverkehre zu welchen Zeiten verkehren, welche Kommunen und Regionen besser angebunden werden müssen und wie Ruftaxis und andere On-Demand-Verkehre integriert werden. An solchen Optimierungen sind auch Firmen interessiert.
Gute Anschlüsse – zufriedene Pendler
„Die jüngste Erweiterung des MVV-Verbunds ist ein wichtiger Schritt, um die regionale und überregionale Mobilität weiter zu verbessern“, sagt Henner Spelsberg, CEO der ODU GmbH & Co. KG in Mühldorf am Inn. „Auch wenn uns die konkreten Nahverkehrskonzepte im Detail noch nicht vorliegen, sehen wir in solchen Ansätzen grundsätzlich großes Potenzial. Insbesondere für Mitarbeitende, die täglich aus dem Raum München nach Mühldorf pendeln, können verbesserte Taktungen, klarere Anschlüsse und eine stärkere Vernetzung des ÖPNV eine spürbare Entlastung darstellen.“
Neu: Mit dem „Alpenbus“ zum Ausflugsziel
An Fahrzeugen für weitere Verkehre fehlt es offenbar nicht. „Die Kapazitäten reichen noch aus“, sagt MVV-Chef Rosenbusch. Das machte auch kreisübergreifende Expressverkehre außerhalb von München möglich. Große Hoffnungen setzt der MVV auf den „Alpenbus“, der stündlich von Murnau über Bad Tölz nach Rosenheim verkehrt und lediglich ein Dutzend Haltepunkte hat. „Mit solchen Verkehren spart der Nutzer viel Geld und Zeit, weil er nicht mehr den Umweg über München nehmen muss“, betont Menzl. Der MVV will hochmoderne Busse mit WLAN und USB-Anschlüssen einsetzen. Als Fahrgäste hat er außer Pendlern auch Touristen im Blick. Sie können mit dem „Alpenbus“ zahlreiche Ausflugsziele ansteuern.
Gäste lassen das Auto gern stehen
Für Christian Bär, Inhaber der Alpenhof Murnau Hotelgesellschaft mbH, ist dies ein Schritt in die richtige Richtung. „Das Interesse der Gäste an guten ÖPNV-Angeboten ist groß“, betont der Hotelier. „Viele möchten im Urlaub ihr Auto gern stehen lassen, wenn attraktive und zuverlässige Verbindungen vorhanden sind.“ Grundsätzlich sieht Bär die MVV-Ausweitung als wichtigen Impuls für die oberbayerischen Tourismusregionen: „Ein besser abgestimmter ÖPNV kann Straßen und Ortszentren entlasten und nachhaltigen Tourismus stärken.“
Jetzt müssen die Nutzer mitziehen. Die Netzerweiterungen vor 2026 haben dem MVV rund 15 Prozent mehr Fahrgäste beschert, ermittelten Marktforscher laut Rosenbusch. Die Chancen, dass dieser Erfolg mit dem jüngsten Netzausbau wiederholt werden kann, stehen nicht schlecht.