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Stärkt den Tourismus – Busse fahren regelmäßig Ausflugs- und Wanderziele an

Stärkt den Tourismus – Busse fahren regelmäßig Ausflugs- und Wanderziele an

© MVV

MVV wächst und wächst

Der Münchner Verkehrsverbund weitet sein Netz stetig aus – mit positiven Auswirkungen für Unternehmen und Mitarbeitende.

Von Stefan Bottler, IHK-Magazin 7-8/2026

Odelzhausen ist eine klassische Autobahngemeinde. Zur A 8 sind es von Zentrum und Gewerbegebiet aus nur jeweils 2 bis 3 Minuten Fahrtzeit. Jetzt entwickelt sich die Gemeinde im Landkreis Dachau auch zum Knotenpunkt für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Seit Anfang 2026 passieren 3 am Bahnhof München-Pasing startende Expressbuslinien des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds (MVV) den 5.500-Einwohner-Ort. Außerdem gibt es 2 Buslinien ins Umland sowie das Ruftaxi. Von diesem Angebot profitieren auch die Unternehmen im rund 100.000 Quadratmeter großen Gewerbegebiet.

Viele Azubis und Mitarbeiter ohne Auto hatten bislang Mühe, ihre Arbeitsplätze mit dem ÖPNV zu erreichen. Regelmäßig hatte der Landkreis Dachau, der seit 1982 Mitglied des MVV-Verbunds ist, in seinen Nahverkehrsplänen bessere Busverbindungen angemahnt. Der Logistikdienstleister Noerpel SE, der 2022 in Odelzhausen ein Terminal mit heute rund 170 Arbeitsplätzen eröffnet hat, richtete sogar einen eigenen Bus-Shuttle zu nahegelegenen S-Bahnhöfen ein.

116 Stunden im Stau

Diesen Service braucht das Unternehmen jetzt nur noch für Spät- und Nachtschichten anzubieten. Zahlreiche Beschäftigte sind offenbar auf die neuen Expressbusse umgestiegen. „Das Beispiel zeigt, dass gerade Pendler ein gutes MVV-Angebot zu schätzen wissen“, sagt Joseph Seybold, Mobilitätsreferent der IHK für München und Oberbayern. „Für viele macht der Wechsel vom Pkw auf den öffentlichen Nahverkehr nicht nur dann Sinn, wenn sie das Deutschlandticket haben.“

Im dichten Berufsverkehr ist ein eventueller Zeitvorteil des Autos schnell verloren, dafür steigt der Stresspegel. Im Großraum München standen Pendler im Jahr 2025 rund 116 Stunden im Stau, also fast 5 Tage, so eine Studie des Navi-Herstellers TomTom. Der öffentliche Nahverkehr hat also gute Argumente auf seiner Seite – wenn Verbindungen, Taktzeiten und Zuverlässigkeit stimmen.

Nur noch ein Ticket für alles

Der MVV hat mit der Expansion der vergangenen Jahre die Basis für attraktive ÖPNV-Angebote im Großraum München und in angrenzenden Regionen gelegt. 2023 gehörten dem Verkehrsverbund lediglich die Landeshauptstadt München und 7 Landkreise an. Heute sind 18 Kreise beziehungsweise kreisfreie Städte in Ober- und Niederbayern Mitglied.

Bernd Rosenbusch, Geschäftsführer des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds, im Anzug mit Krawatte und Brille vor neutralem, hellem Hintergrund.

© Markus Schlaf/MVV

Wir vereinfachen den Zugang zu Bus und Bahn deutlich.

Bernd Rosenbusch, Geschäftsführer MVV

Für Bernd Rosenbusch, seit 2018 Geschäftsführer des MVV, wird der alte Verbundslogan von 1972 „Ein Netz. Ein Fahrplan. Ein Ticket“ jetzt auf großer Fläche mit Leben gefüllt. „Wir vereinfachen den Zugang zu Bus und Bahn deutlich“, sagt der Verkehrsmanager. „Der Nutzer benötigt bei Fahrten in 15 Kreisen und 3 Städten lediglich ein Ticket. Und für alle Schülerinnen und Schüler sowie Auszubildenden gibt es das 365-Euro-Ticket, das im ganzen Verbund gilt.“

ÖPNV – Schlüsselfaktor bei der Fachkräftesuche

An Zielgruppen für das neue Angebot herrscht kein Mangel. Im Fokus stehen Arbeitnehmer, die einen Arbeitsplatz haben oder suchen. „Ein gutes ÖPNV-Angebot in der Region macht Unternehmen attraktiver“, sagt Seybold. Vor allem Firmen, die weiter mit Fachkräftemangel zu kämpfen haben, können Stellen leichter besetzen. Besonders für Azubis, die keinen Führerschein haben, ist der ÖPNV wichtig. Sie können mit dem 365-Euro-Ticket im ganzen MVV-Verbundgebiet unterwegs sein.

Auch Kunden können mit dem ausgedehnten MVV im Netz einfacher Einkaufsfahrten, Event-Besuche oder Ausflüge planen. Wer kein Deutschlandticket besitzt, weicht auf Tageskarten aus und löst für jede Fahrt innerhalb des Verbunds nur noch ein Ticket. „Diese Erleichterung wird zu steigenden Nutzerzahlen führen“, ist Andreas Roß, Wirtschaftsförderer des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen, überzeugt.

410 Gemeinden mit 4 Millionen Menschen

Dieses Ziel hatte auch die bayerische Staatsregierung vor Augen, als sie 2019 die „ÖPNV-Strategie 2030“ entwickelte. In rund 10 Jahren wollte sie die Fahrgastzahlen bayernweit verdoppeln. „Wir brauchen dafür einen erstklassigen Nahverkehr, der zu einer klimaschonenden, digitalen, vernetzten und zukunftsorientierten Mobilität führt und langfristig eine echte Alternative zum Auto darstellt“, so Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU). Voraussetzung hierfür sind eine leistungsfähige Infrastruktur und dichte Verkehrsangebote. Beide Ziele unterstützt die Staatsregierung mit Fördergeldern. Die nutzte auch der MVV.

Karte des Münchner Verkehrsverbunds mit aktuell angeschlossenen Landkreisen in Blau, dem ab 2027 hinzukommenden Ostallgäu in Grün sowie weiteren möglichen Erweiterungsgebieten in Grau.

Weitläufig – das MVV-Gebiet deckt bereits 13.600 Quadratkilometer ab

Seit 2021 arbeitet der Verkehrsverbund an der Erweiterung seines Netzes. 2023 kamen der südliche Teil des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen sowie die Kreise Miesbach und Rosenheim inklusive der Stadt Rosenheim hinzu, 2025 folgten die Kreise Landsberg und Weilheim-Schongau. Anfang 2026 startete die 3. Runde. Die Kreise Garmisch-Partenkirchen, Mühldorf am Inn, Landshut sowie die Stadt Landshut traten bei. Heute ist das MVV-Gebiet 13.600 Quadratkilometer groß und vernetzt knapp 410 Gemeinden mit rund 4 Millionen Einwohnern. Und das Netz wächst weiter: 2027 wollen der Kreis Ostallgäu und die Stadt Kaufbeuren beitreten.

On-Demand-Verkehre als Option

Mit der Expansion will der MVV auch Vertrieb und Service optimieren. Große Hoffnungen setzt er auf die App MVVswipe. Über die wischt der Nutzer bei jedem Ein- und Ausstieg jeweils einmal. Am Ende des Tages wird von seinem Konto maximal der Preis einer Tageskarte abgebucht.

Allerdings ist vor allem in den neuen MVV-Regionen noch Feinarbeit zu leisten. Rosenbusch räumt ein, dass Busverkehre ausgeweitet und auf Bahnverkehre abgestimmt werden müssen. Hier seien alle Kreise und Städte gefordert. „Sie müssen ihre Netze weiterentwickeln und Nahverkehrspläne ausarbeiten“, mahnt Günter Menzl, Koordinator der MVV-Verbundlandkreise. Die Pläne regeln, welche Linienverkehre zu welchen Zeiten verkehren, welche Kommunen und Regionen besser angebunden werden müssen und wie Ruftaxis und andere On-Demand-Verkehre integriert werden. An solchen Optimierungen sind auch Firmen interessiert.

Gute Anschlüsse – zufriedene Pendler

„Die jüngste Erweiterung des MVV-Verbunds ist ein wichtiger Schritt, um die regionale und überregionale Mobilität weiter zu verbessern“, sagt Henner Spelsberg, CEO der ODU GmbH & Co. KG in Mühldorf am Inn. „Auch wenn uns die konkreten Nahverkehrskonzepte im Detail noch nicht vorliegen, sehen wir in solchen Ansätzen grundsätzlich großes Potenzial. Insbesondere für Mitarbeitende, die täglich aus dem Raum München nach Mühldorf pendeln, können verbesserte Taktungen, klarere Anschlüsse und eine stärkere Vernetzung des ÖPNV eine spürbare Entlastung darstellen.“

Neu: Mit dem „Alpenbus“ zum Ausflugsziel

An Fahrzeugen für weitere Verkehre fehlt es offenbar nicht. „Die Kapazitäten reichen noch aus“, sagt MVV-Chef Rosenbusch. Das machte auch kreisübergreifende Expressverkehre außerhalb von München möglich. Große Hoffnungen setzt der MVV auf den „Alpenbus“, der stündlich von Murnau über Bad Tölz nach Rosenheim verkehrt und lediglich ein Dutzend Haltepunkte hat. „Mit solchen Verkehren spart der Nutzer viel Geld und Zeit, weil er nicht mehr den Umweg über München nehmen muss“, betont Menzl. Der MVV will hochmoderne Busse mit WLAN und USB-Anschlüssen einsetzen. Als Fahrgäste hat er außer Pendlern auch Touristen im Blick. Sie können mit dem „Alpenbus“ zahlreiche Ausflugsziele ansteuern.

Gäste lassen das Auto gern stehen

Für Christian Bär, Inhaber der Alpenhof Murnau Hotelgesellschaft mbH, ist dies ein Schritt in die richtige Richtung. „Das Interesse der Gäste an guten ÖPNV-Angeboten ist groß“, betont der Hotelier. „Viele möchten im Urlaub ihr Auto gern stehen lassen, wenn attraktive und zuverlässige Verbindungen vorhanden sind.“ Grundsätzlich sieht Bär die MVV-Ausweitung als wichtigen Impuls für die oberbayerischen Tourismusregionen: „Ein besser abgestimmter ÖPNV kann Straßen und Ortszentren entlasten und nachhaltigen Tourismus stärken.“

Jetzt müssen die Nutzer mitziehen. Die Netzerweiterungen vor 2026 haben dem MVV rund 15 Prozent mehr Fahrgäste beschert, ermittelten Marktforscher laut Rosenbusch. Die Chancen, dass dieser Erfolg mit dem jüngsten Netzausbau wiederholt werden kann, stehen nicht schlecht.

Direkt zum Ziel mit „My Radl“

Mit der Bahn oder dem Bus unterwegs, aber bis zum endgültigen Ziel ist es von der Haltestelle noch ein gutes Stück? Wenn dann ein passender Anschluss fehlt, ist der öffentliche Nahverkehr oft keine Option. Das neue regionale Bikesharing-System „My Radl“ will diese Lücke nun mit einem regional übergreifenden Angebot schließen.

Reisezeit verkürzen

6.700 Fahrräder, darunter auch E-Bikes, stehen an rund 1.000 Standorten in München und 36 weiteren Städten und Gemeinden zur Verfügung und können per App ausgeliehen werden. „Ziel ist es, die Reisezeit zu verkürzen und dadurch mehr Fahrgäste in Bus und Bahn zu bekommen“, sagt MVV-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch. Das Angebot könnte auch für zahlreiche Pendler und Auszubildende den Weg zur Arbeit vereinfachen.

Mehr Infos: www.myradl.de/de