Von Gabriele Lüke, IHK-Magazin 7-8/2026
„Natürlich spiegelt sich der demografische Wandel auch in unserer Belegschaft wider – deren Durchschnittsalter steigt tendenziell“, sagt Alexander Potzka, Abteilungsleiter Vorstandsstab/Personal der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen. Doch mit einer sehr hohen Auszubildendenquote von 11 Prozent hat das Unternehmen auch viele Berufsstarter an Bord, gleichzeitig gibt es junge Mütter und Väter. „Da unser Selbstverständnis ist, den Mitarbeitenden nicht nur eine spannende inhaltliche Arbeit zu bieten, sondern sie auch persönlich durch ihr Berufsleben zu begleiten, schauen wir stets genau hin, wo jeder Einzelne steht“, betont Potzka.
Mit dieser lebensphasenorientierten Personalpolitik fährt die Sparkasse gut. „Die Mitarbeitenden schätzen das, es motiviert sie, hält sie produktiv und es macht uns als Arbeitgeber attraktiv“, so der Personalmanager.
„Kultur des gegenseitigen Rückhalts“
Dass sich ein solcher Ansatz für Unternehmen lohnt, unterstreicht auch der Familienpakt Bayern mit seinem diesjährigen Motto „Zukunft sichern – Familienfreundliche Arbeitswelt für jede Lebensphase“. Der Familienpakt ist eine gemeinsame Initiative der Bayerischen Staatsregierung, der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, der bayerischen IHKs (BIHK) und des Bayerischen Handwerkstags. Bayerns Familienministerin Ulrike Scharf (CSU), deren Ministerium den Familienpakt verantwortet, betont: „Unternehmen, die die Bedürfnisse ihrer Beschäftigten in allen Lebensphasen ernst nehmen, schaffen eine Kultur des gegenseitigen Rückhalts und der Unterstützung.“
Davon profitieren die Unternehmen ebenfalls. „In solchen Kulturen fühlen sich Menschen wohl, arbeiten besser, motivierter“, sagt Sebastian Klein, Leiter der Servicestelle des Familienpakts. Altersgemischte Teams gelten außerdem als besonders innovativ, sie vertiefen Wissen aus verschiedenen Perspektiven und können die Gesamtheit der Kundenwünsche oft besser abbilden als einheitliche Gruppen.
Familienpakt: Ideen für 1.800 Mitglieder
Auch bei der Fachkräftesicherung hat eine lebensphasenorientierte Personalpolitik Vorteile: Sie macht Unternehmen zu einem attraktiven Arbeitgeber für alle Generationen. „Mitarbeiterorientierung und Familienfreundlichkeit in jeder Lebensphase sind ein echter Wettbewerbsvorteil“, so fasst es Servicestellen-Leiter Klein zusammen. „Sie machen Unternehmen erfolgreich und zukunftsfähig.“
Sechs Lebensphasen lassen sich unterscheiden: Berufseinstieg und frühe Karriere, Familiengründung, Eltern- und Erziehungsphase, Pflegeverantwortung, späte Karriere und Übergang in den Ruhestand. Für jede einzelne Phase gibt der Familienpakt seinen inzwischen mehr als 1.800 Mitgliedern praktische Ideen an die Hand, die die Unternehmen an ihren Betrieb anpassen können.
Zentrale Rolle der Führungskräfte
Das Angebot ist enorm vielfältig. Sei es mobiles Arbeiten oder Gleitzeit für alle, Mentoring- und Buddy-Programme für Azubis, Workations für junge Berufstätige, Kontakthaltetipps für die Elternzeit, Betriebskitas für Eltern, Weiterbildung für eine späte Karriere, kurzfristige Freistellungen für pflegende Angehörige oder Tandems aus Jung und Alt für den Wissenstransfer vor dem Ruhestand.
Für die Umsetzung der Maßnahmen in den Betriebsalltag sind die Führungskräfte der Schlüssel, betont Franziska Weiss. Sie ist Leadership-Coach und Co-Gründerin von GenAblement in München, das sich auf Organisationsentwicklung und Generationenmanagement spezialisiert hat.
Nicht alle ticken gleich
„Personalabteilungen können Instrumente entwickeln und Rahmenbedingungen gestalten, die Führungskräfte aber haben das Ohr an den Menschen“, erklärt Weiss. „Sie müssen mit den Teams zusammen die bestmögliche Lösung für den einzelnen und alle gemeinsam finden.“ Das sei eine komplexe Aufgabe. „Die Lebensphasen repräsentieren unterschiedliche Generationen; diese sind unterschiedlich sozialisiert, kommunizieren anders, haben jeweils eigene Ansprüche an ein Arbeitsleben.“
Auch innerhalb einer Lebensphase ticken nicht alle gleich. „Der eine junge Mensch hat Kinder, der andere möchte keine, der eine Ältere setzt auf eine späte Karriere, der andere pflegt die Eltern“, erläutert die Expertin. Zudem verändere sich die Arbeitswelt dynamisch – sowohl technisch als auch in den Arbeitsweisen. „In diesen Wandel müssen alle immer wieder mitgenommen werden.“
Fürsorge steigert die Leistung
Führungskräfte tragen daher eine hohe Verantwortung. „Sie müssen Erwartungen erkennen und austarieren, Spannungen frühzeitig adressieren, Unterschiede besprechbar machen und produktiv nutzbar in Zusammenarbeit überführen“, zählt Weiss auf. „Wertschätzung, Akzeptanz und Vertrauen sind dabei der Schlüssel.“ Der Expertin ist wichtig, dass auch die Führungskräfte selbst bei ihren Aufgaben unterstützt werden. „Vielfalt eröffnet riesige Möglichkeiten und ist ein echter Leistungsfaktor – wenn sie im Alltag wirksam übersetzt wird.“