ihk_magazin_logo_2
Anerkannte Fachkräfte – Le Viet Hoa (2.v.l.) und Ho Ahnt Khanh (r.) mit den Geschäftsführern Michael (l.) und Dominik Biersack

Anerkannte Fachkräfte – Le Viet Hoa (2.v.l.) und Ho Ahnt Khanh (r.) mit den Geschäftsführern Michael (l.) und Dominik Biersack

© LR Pure Beilngries

Die Hürden schneller nehmen

Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern müssen ihre Berufsabschlüsse in Deutschland anerkennen lassen. Wie das Verfahren funktioniert und wo Firmen Unterstützung erhalten.

Von Melanie Rübartsch, IHK-Magazin 7-8/2026

Ein privates „Onboarding-Haus“ in Beilngries, interkulturelle Schulungen im Unternehmen, eigene Fahrräder, Leitfäden für den Alltag in der neuen Heimat im Altmühltal – für Ho Ahnt Khanh und Le Viet Hoa sollte der Start bei ihrem neuen Arbeitgeber LR Pure Beilngries GmbH im nördlichen Oberbayern möglichst leicht werden. Seit April 2024 bedienen die beiden vietnamesischen Fachkräfte für Metalltechnik CNC-Dreh- und Fräsmaschinen im Unternehmen, das sich auf komplexe, mechanische Bauteile und Baugruppen in der Halbleiter-, Aerospace-, Defense- und Healthcare-Industrie spezialisiert hat.

„Wir haben unseren Bedarf an Fachkräften im Bereich Metalltechnik mit Kandidaten aus der Region nicht mehr abdecken können. Geeignete Feinwerkmechaniker oder CNC-Fachkräfte sind am Arbeitsmarkt kaum noch verfügbar“, begründet Geschäftsführer Michael Biersack seinen Entschluss, die Mitarbeitersuche über die deutschen Grenzen hinweg auszuweiten.

Bewerbung per Videokonferenz

Über eine Veranstaltung der Wirtschaftsförderung des Landkreises Eichstätt ist er 2023 auf das Projekt „Partnerschaftliche Ansätze für entwicklungsorientierte Ausbildungs- und Arbeitsmigration“ (PAM) aufmerksam geworden. Gemeinsam mit Hochschulen in Nigeria, Ecuador und Vietnam bildet die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) potenzielle Bewerber in diesen Ländern aus und bereitet sie auf eine Arbeit in Deutschland vor.

„Der Lebenslauf unserer beiden neuen Kollegen war wirklich überzeugend. Ihre Deutschkenntnisse in der Videokonferenz zum Bewerbungsgespräch erst recht“, erinnert sich Biersack. Das Unternehmen beschloss, die beiden einzustellen.

180 Drittländer, 120 Referenzberufe

„Im anhaltenden Fachkräftemangel wird es für Mittelständler immer wichtiger, auch im Ausland nach geeigneten Mitarbeitenden zu suchen“, sagt Nadine Misbahi, Fachreferentin Berufsanerkennung bei der IHK für München und Oberbayern. Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz soll qualifizierten Fachkräften aus Nicht-EU-Ländern den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt erleichtern. Eine wesentliche Voraussetzung: die Anerkennung der ausländischen Ausbildungs- und Berufsabschlüsse oder Berufsqualifikationen.

Das Team der Anerkennungsberatung der IHK begleitet diesen Prozess mit kostenlosen Beratungen. Ein Angebot, das Arbeitgeber und Fachkräfte zunehmend in Anspruch nehmen. Seit April 2012 hat die IHK mehr als 5.500 Gespräche geführt und Personen mit Abschlüssen aus über 180 Ländern zu knapp 120 verschiedenen Referenzberufen beraten.

IHK beschleunigt Verfahren

„Wir wissen, welche Berufsqualifikationen zu den entsprechenden IHK-Referenzberufen passen und wie eventuell fehlende Inhalte in Deutschland nachgeholt werden können“, erklärt Misbahi. „Zudem haben wir einen direkten Kontakt zur IHK FOSA und können uns bei Fragen direkt mit den Kollegen abstimmen.“ So kann das IHK-Anerkennungsteam darauf hinwirken, dass alles schnell und reibungslos über die Bühne geht.

Wie das Verfahren in der Praxis ablaufen kann, zeigt das Beispiel aus Beilngries. Als sich die Firma mit den beiden Bewerbern einig war, leitete Geschäftsführer Biersack ein beschleunigtes Fachkräfteverfahren ein, um den Einreiseprozess der neuen Kollegen von Deutschland aus zu unterstützen (s. Artikel „Fachkräfte leichter in die EU holen“). Zentraler Bestandteil dieses Verfahrens und damit Voraussetzung für den Start bei dem Maschinenbauer war die Anerkennung der ausländischen Berufsabschlüsse durch die IHK FOSA. Bei diesem Prozess ließ sich Biersack auch von der IHK beraten.

Anpassungsqualifizierung nach Plan

Ho Ahnt Khanh und Le Viet Hoa begannen 2024 zunächst mit einer Teilanerkennung bei LR Pure Beilngries. Den beiden Vietnamesen fehlten insgesamt 3 Monate Berufspraxis, die für einen vergleichbaren deutschen Abschluss vorgeschrieben sind. Nach den Regeln des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes war es dennoch möglich, mit Visum einzureisen – in ihrem Fall mit einem „Visum zur Anpassungsqualifizierung“.

Dazu muss der künftige Arbeitgeber einen Anpassungsqualifizierungsplan vorlegen, der genau dokumentiert, welche Anteile der Ausbildung auf welche Weise in Deutschland nachgeholt werden. Diesen Plan hat Nadine Misbahi für LR Pure Beilngries erstellt.

Bestätigung durch IHK FOSA

Nachdem Ho Ahnt Khanh und Le Viet Hoa ihren Praxisanteil in Deutschland komplettiert hatten, konnte Geschäftsführer Biersack einen Folgeantrag auf vollständige Anerkennung bei der IHK FOSA stellen. Im März dieses Jahres kam der finale Bescheid: Beide Kollegen haben nun die volle Anerkennung als Fachkraft für Metalltechnik und ihren Aufenthaltstitel als Fachkräfte offiziell erhalten.

Gut aufgenommen, gut angekommen

Geschäftsführer Biersack ist froh, dass alles reibungslos gelaufen ist. „Die Akquise und die Integration ausländischer Fachkräfte ist für den Arbeitgeber natürlich mit zusätzlichem Aufwand verbunden“, sagt er. Neben dem gesamten Papierkram im Rahmen des beschleunigten Fachkräfteverfahrens galt es unter anderem, seine anderen 125 Mitarbeitenden und den Betriebsrat mitzunehmen, die Unterkunft für die neuen Kollegen zu organisieren und Betreuer zu finden, die die beiden insbesondere am Anfang in ihrem neuen deutschen Leben begleiten. Ohne die Unterstützung der GIZ und der IHK wäre das kaum leistbar gewesen, sagt er.

Aus seiner Sicht hat sich der Aufwand mehr als gelohnt. „Die beiden sind sehr gut im Unternehmen angekommen und machen einen wirklich guten Job.“ Mittlerweile ist der Geschäftsführer sogar schon auf der Suche nach einem 3. Kollegen aus Vietnam.

IHK-Info: Berufsanerkennung durch die IHK FOSA

Die https://www.ihk-fosa.de ist die Anerkennungsstelle für ausländische Ausbildungsabschlüsse, die mit einem IHK-Beruf vergleichbar sind. Als bundesweites Kompetenzzentrum von 76 Industrie- und Handelskammern führt sie das Anerkennungsverfahren durch. Mit dem Bescheid der IHK FOSA können Personen mit im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen zeigen, dass sie eine qualifizierte Fachkraft sind. Unternehmerinnen und Unternehmer können damit im Ausland erworbene Qualifikationen leichter einschätzen.

IHK-Ratgeber zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse nach BQFG