13.07.2016 - Eichstätt

Bewerberlücke bleibt groß

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Die Betriebe im Landkreis Eichstätt haben weiterhin große Mühe, genügend Azubis zu finden. Bereits zwei Monate vor Beginn des Ausbildungsjahrs ist absehbar, dass in den Unternehmen des Landkreises über 250 Lehrstellen unbesetzt bleiben.

Noch mehr als 370 freie Lehrstellen im Landkreis Eichstätt / Große Hürden für Flüchtlinge‎

Eichstätt – Die Betriebe im Landkreis Eichstätt haben weiterhin große Mühe, genügend Azubis zu finden. Bereits zwei Monate vor Beginn des Ausbildungsjahrs ist absehbar, dass in den Unternehmen des Landkreises über 250 Lehrstellen unbesetzt bleiben. Momentan sind noch 372 Lehrstellen frei. Gleichzeitig gibt es aber nur 121 unversorgte Bewerber, wie aus der Statistik der Arbeitsagentur hervorgeht.

„Die Chancen, mit einer Lehre ins Berufsleben durchzustarten, sind so gut wie noch nie“, ‎wirbt Alexander Kessel, stellvertretender Vorsitzender des IHK-Regional­ausschusses Eichstätt, für die betriebliche Ausbildung. Angesichts der ‎guten Wirtschaftslage und des drohenden ‎Fachkräftemangels ‎sei die Ausbildungsbereit‎schaft der Unternehmen ungebrochen hoch, doch es fehlten immer häufiger die Bewer‎ber, sagt Kessel. Grund dafür sind vor allem die sinkenden Schulabgängerzahlen und der ‎Trend zum ‎Studium. Zusätzlich verhinderten nach wie vor Rechtsunsicherheit und büro‎kratische Hürden ‎die Besetzung von freien Lehrstellen mit Flüchtlingen.‎

Besonders deutlich zeigt sich der Azubi-Mangel im Handel. Für angehende Einzelhandelskaufleute, Verkäufer und Fachverkäufer sind noch 86 Stellen frei, aber nur 19 unversorgte Bewerber äußern einen entsprechenden Berufswunsch. Kessel unterstreicht, dass der Bewerbermangel quer durch alle Branchen geht: „Es ‎werden auch noch angehende Hotelfachleute, Köche oder Anlagentechniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik gesucht.“‎ Der stellvertretende Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses appelliert deshalb an die Politik, den Fachkräfte-Aderlass in der Berufsausbildung zu stoppen und die zunehmende Akademisierung auf den Prüfstand zu stellen. Außerdem fordert Kessel die verlässliche und schnelle Umsetzung des ‎‎„3+2“-Modells für ‎junge Flüchtlinge, wie es auf Vorschlag des BIHK im neuen Integrationsgesetz festgelegt ‎wurde. Danach dürfen Asylbewerber, die eine Lehre aufnehmen, ‎in den drei Jahren der ‎Berufsausbildung sowie in den folgenden zwei Jahren zum Sammeln ‎von ‎Berufserfahrung nicht abgeschoben werden.

Derzeit bereiten sich in sieben Berufsintegrationsklassen mehr als 120 ‎jugendliche ‎Asylbewerber auf das Berufsleben vor. „‎Viele Unternehmen sehen in diesem Personenkreis Potenzial für ihre freien Ausbildungsplätze, aber Einstellungen scheitern häufig an der mangelnden Planungssicherheit und den vielen bürokratischen Auflagen“, so Kessel.

Insgesamt sind zurzeit 211 IHK-zugehörige Unternehmen im Landkreis Eichstätt in der ‎Ausbildung aktiv und ‎stehen für fast 60 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse.