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Geht das Geschäft mit Optimismus an – Johannes Baader vor einer Beobachtungskuppel

Geht das Geschäft mit Optimismus an – Johannes Baader vor einer Beobachtungskuppel

© Marion Vogel

Im Weltall zu Hause

Johannes Baader und sein Team stellen Sternwarten für die Weltraumbeobachtung her. Über zahlreiche Innovationen treibt er das Geschäft weiter voran.

Von Harriet Austen, IHK-Magazin 3/2026

Mit Planeten und fernen Galaxien kennt sich Johannes Baader aus. Auf seinem Haus gleich neben der Firma steht eine Sternwarte, mit der er jederzeit in den Nachthimmel schauen kann. Hier, im ehemaligen Elternhaus, ist er mit seinen Geschwistern aufgewachsen. „Wir haben uns immer als Teil des Unternehmens gefühlt“, sagt der Geschäftsführer der Baader Planetarium GmbH in Mammendorf.

Das Unternehmen ist einer der führenden Entwickler und Hersteller von Astronomietechnik. In der Produktionshalle werden Beobachtungskuppeln für Sternwarten aus Glasfaser mit einem Durchmesser von bis zu 8,5 Metern hergestellt und mit Hightech-Spiegelteleskopen und Elektronik ausgerüstet. Für Hobbyastronomen gibt es eine breite Palette an Zubehörteilen.

Präziser Autodidakt

Baader ist gelernter Feinoptiker. Als er ins Familienunternehmen kam, brachte er die Liebe zum Detail, die absolute Präzision und das sorgfältige Arbeiten mit. Doch wie man eine Firma leitet und Produkte entwickelt, wusste er nicht. „Ich habe mir als Autodidakt alles selbst hart erarbeitet“, sagt er. Nach seinem Einstieg 2006 durchlief er sämtliche Abteilungen. Sein Ziel: den Grundstock aus Beobachtungskuppeln und einem umfangreichen Adaptersortiment zu stabilisieren und zu modernisieren, um weiter bestehen und gesund wachsen zu können.

Das 1966 gegründete Unternehmen beschäftigte damals 25 Mitarbeiter, war aber bereits international als astronomischer Alleskönner bekannt. Baader erkannte sofort das Potenzial. Er schaffte neue Software an, ließ alle Prozesse digitalisieren und baute nicht zuletzt eine neue Abteilung auf, die Baader Planetarium in die Zukunft führen soll.

Von Schulplanetarium bis Komplettsternwarte

Bekannt wurde das Unternehmen mit den 15.000-mal verkauften Planetarien für Schulen, Universitäten und Hobbyastronomen, die Claus Baader, Gründer des Unternehmens und Großvater des heutigen Firmenchefs, entwickelt hatte. Nach und nach erschloss sein Sohn Thomas weitere Geschäftsfelder wie Projektions- und Sternwartenkuppeln sowie den Großhandel mit Teleskopen renommierter Marken, aber auch mit selbst hergestellten Zubehörteilen.

Besonders zukunftsträchtig sind derzeit die von Johannes Baader entwickelten Komplettsternwarten. Abnehmer der individuellen, schlüsselfertigen Systeme sind vor allem NASA, ESA, Bundeswehr, Universitäten, Forschungseinrichtungen und die Industrie.

Einsatz unter Extrembedingungen

Die 600 bisher ausgelieferten Beobachtungskuppeln werden von Teneriffa bis Spitzbergen teils unter extremen Bedingungen installiert, Material und Technik müssen große Höhen, Hitze und Kälte aushalten. Sie dienen etwa zur Satelliten- und Weltraumbeobachtung, zur Asteroiden-Frühwarnung oder zur Kartierung von Weltraumschrott.

Johannes Baader ist nicht nur die treibende Kraft hinter vielen neuen Produkten. Er sei auch „von unerschütterlichem Optimismus“, meint seine Schwester Anne Ettmayr. Dass seine beiden Geschwister mit in der Geschäftsleitung sitzen, sei für ihn „eine große Erleichterung“, sagt der Firmenchef. „Unsere Interessen und Fähigkeiten ergänzen sich.“

Johannes Baader steht mit verschränkten Armen vor dem Wohnhaus mit integrierter Sternwarte in Mammendorf, Sitz der Baader Planetarium GmbH.

Familienverbunden und authentisch: Johannes Baader wohnt in seinem ehemaligen Elternhaus, selbstredend mit Sternwarte aus eigener Fertigung

Verlässliche Familienbande

Betriebswirtin Ettmayr kümmert sich um Finanzen, Organisation und Verwaltung. Bruder Tobias Baader, ein Mediendesigner, ist für Marketing und Gestaltung zuständig. Auch Vater Thomas Baader ist noch im Unternehmen aktiv. „Wir können uns blind vertrauen“, sagt Johannes Baader.

Ihm liegt ein freundliches und respektvolles Betriebsklima am Herzen. „Ich möchte eine Atmosphäre schaffen, in der jeder gern bei uns arbeitet und sich wohlfühlt“, betont der 41-Jährige. Gerade entsteht ein neues Bürogebäude, damit die 75 Mitarbeiter, die jetzt auf 5 Häuser verteilt sind, effektiver zusammenarbeiten können.

Auf der anderen Seite erwartet Baader, dass sie „ohne Druck und aus eigenem Antrieb“ ihr Bestes geben und gewillt sind, sich aktiv einzubringen. Er hat zudem eine mittlere Führungsebene eingezogen. „Das Konstrukt soll so stark sein, dass es auch mal ohne mich funktioniert.“

Erste Adresse im New-Space-Bereich

Raum für die Erschließung neuer Sektoren sieht er genügend. „Für viele Gründungen im New-Space-Bereich sind wir zentraler Ansprechpartner, weil die Bodenstationen oder Teile davon von uns gefertigt oder geliefert werden.“ Er sieht seine Firma dank des hohen Qualitätsstandards und der breiten Produktpalette auf dem Weltmarkt als nahezu konkurrenzlos. Baader ist überzeugt: „Hochwertigkeit, Langlebigkeit und Nachhaltigkeit unserer Produkte spielen auf den neuen Märkten, die wir erobern wollen, die Hauptrolle.“

Zur Person: Johannes Baader

Johannes Baader, Jahrgang 1984, machte bei der Carl Zeiss Jena GmbH eine Lehre als Feinoptiker und arbeitete dort 2 Jahre lang. 2006 stieg er in die elterliche Baader Planetarium GmbH ein und wurde 2021 Geschäftsführer. Das Unternehmen, das auf Planetarien, Sternwarten, Teleskopsysteme und Zubehörteile spezialisiert ist, führt er gemeinsam mit seinen Geschwistern Tobias Baader und Anne Ettmayr. Johannes Baader ist verheiratet und hat 3 Kinder.