Von Harriet Austen, IHK-Magazin 3/2026
Mit Planeten und fernen Galaxien kennt sich Johannes Baader aus. Auf seinem Haus gleich neben der Firma steht eine Sternwarte, mit der er jederzeit in den Nachthimmel schauen kann. Hier, im ehemaligen Elternhaus, ist er mit seinen Geschwistern aufgewachsen. „Wir haben uns immer als Teil des Unternehmens gefühlt“, sagt der Geschäftsführer der Baader Planetarium GmbH in Mammendorf.
Das Unternehmen ist einer der führenden Entwickler und Hersteller von Astronomietechnik. In der Produktionshalle werden Beobachtungskuppeln für Sternwarten aus Glasfaser mit einem Durchmesser von bis zu 8,5 Metern hergestellt und mit Hightech-Spiegelteleskopen und Elektronik ausgerüstet. Für Hobbyastronomen gibt es eine breite Palette an Zubehörteilen.
Präziser Autodidakt
Baader ist gelernter Feinoptiker. Als er ins Familienunternehmen kam, brachte er die Liebe zum Detail, die absolute Präzision und das sorgfältige Arbeiten mit. Doch wie man eine Firma leitet und Produkte entwickelt, wusste er nicht. „Ich habe mir als Autodidakt alles selbst hart erarbeitet“, sagt er. Nach seinem Einstieg 2006 durchlief er sämtliche Abteilungen. Sein Ziel: den Grundstock aus Beobachtungskuppeln und einem umfangreichen Adaptersortiment zu stabilisieren und zu modernisieren, um weiter bestehen und gesund wachsen zu können.
Das 1966 gegründete Unternehmen beschäftigte damals 25 Mitarbeiter, war aber bereits international als astronomischer Alleskönner bekannt. Baader erkannte sofort das Potenzial. Er schaffte neue Software an, ließ alle Prozesse digitalisieren und baute nicht zuletzt eine neue Abteilung auf, die Baader Planetarium in die Zukunft führen soll.
Von Schulplanetarium bis Komplettsternwarte
Bekannt wurde das Unternehmen mit den 15.000-mal verkauften Planetarien für Schulen, Universitäten und Hobbyastronomen, die Claus Baader, Gründer des Unternehmens und Großvater des heutigen Firmenchefs, entwickelt hatte. Nach und nach erschloss sein Sohn Thomas weitere Geschäftsfelder wie Projektions- und Sternwartenkuppeln sowie den Großhandel mit Teleskopen renommierter Marken, aber auch mit selbst hergestellten Zubehörteilen.
Besonders zukunftsträchtig sind derzeit die von Johannes Baader entwickelten Komplettsternwarten. Abnehmer der individuellen, schlüsselfertigen Systeme sind vor allem NASA, ESA, Bundeswehr, Universitäten, Forschungseinrichtungen und die Industrie.
Einsatz unter Extrembedingungen
Die 600 bisher ausgelieferten Beobachtungskuppeln werden von Teneriffa bis Spitzbergen teils unter extremen Bedingungen installiert, Material und Technik müssen große Höhen, Hitze und Kälte aushalten. Sie dienen etwa zur Satelliten- und Weltraumbeobachtung, zur Asteroiden-Frühwarnung oder zur Kartierung von Weltraumschrott.
Johannes Baader ist nicht nur die treibende Kraft hinter vielen neuen Produkten. Er sei auch „von unerschütterlichem Optimismus“, meint seine Schwester Anne Ettmayr. Dass seine beiden Geschwister mit in der Geschäftsleitung sitzen, sei für ihn „eine große Erleichterung“, sagt der Firmenchef. „Unsere Interessen und Fähigkeiten ergänzen sich.“