Attraktive Alternative: „Entrepreneurship through Acquisition“
Um zu zeigen, dass die Übernahme einer bestehenden Firma eine attraktive Alternative zur Neugründung ist, hat das Innovations- und Gründerzentrum UnternehmerTUM 2025 eine ETA-Initiative gestartet. ETA steht für „Entrepreneurship through Acquisition“: Einzelpersonen oder Teams suchen dabei ein bestehendes Unternehmen, das sie erwerben und anschließend selbst leiten und weiterentwickeln.
Die ETA-Initiative bei UnternehmerTUM fördert Wissenstransfer und aktive Vernetzung von unternehmerischen Talenten, Firmen mit offener Nachfolge und Investoren. „Wir informieren über den Karriereweg ETA und bieten mit verschiedenen Veranstaltungsformaten Austausch und Expertenwissen“, sagt Rika Neumann, die gemeinsam mit CCO Christian Mohr die ETA-Initiative leitet. „Die Resonanz auf dieses Angebot ist groß.“
Kulturelle Passgenauigkeit
Ein operativ und finanziell stabiler Betrieb sowie echte Übergabebereitschaft des Seniors sind aus Neumanns Sicht die zentralen Erfolgsfaktoren auf Unternehmerseite. „Die Bandbreite an Firmen ist sehr groß. Intransparente Daten sowie die Finanzierung des Kaufpreises können potenzielle Nachfolger ausbremsen.“ Aber auch der „Kulturfit“, also das Zusammenpassen von Firma und nachfolgender Person, sowie berufliche Erfahrungen spielen laut Neumann eine Rolle.
Ein potenzieller Nachfolger sollte Begleitung und Beratung erhalten, betont IHK-Experte Wadlinger – das gilt nicht nur für den Nachwuchs aus der Familie. „Externe Interessenten und selbst Geschäftsführer oder Führungskräfte, die ein Unternehmen kaufen möchten, benötigen Unterstützung und Impulse, um sich auf die neue Rolle vorzubereiten.“
Bedeutung von Identität und Werten
Wie der Nachfolgeradar zeigt, sind Coaching oder Beratung ebenfalls für die Seniorgeneration wichtig. „Doch gerade für kleinere Mittelständler gibt es wenige Angebote für eine professionelle Prozessbegleitung, die zudem auch finanziell tragbar sind“, sagt Wadlinger. Die IHK bietet eine kostenlose Erstberatung. „Allerdings suchen Unternehmer diese oft viel zu spät und erst dann auf, wenn bereits Probleme bestehen“, beobachtet der IHK-Experte. Ebenso wichtig: Steuerliche Beratung allein helfe weder bei strategischen Fragen noch bei der emotionalen Bewältigung des Generationswechsels.
Besonders die Gefühlsebene ist eine oft unterschätzte Herausforderung, wie der IHK-Nachfolgeradar zeigt. „Die Nachfolgezufriedenheit hängt stark vom sozioökonomischen Fundament eines Unternehmens ab“, so HM-Forscher Hülsbeck. Dazu gehören Themen wie das „dynastische Vermächtnis“, die Identität als Familie, gelebte Werte und Beziehungen.
Übergabe braucht 3 bis 5 Jahre
Hinzu kommt der Faktor Zeit: Der Prozess inklusive Suche, Planung, Kaufpreisermittlung und Verhandlungen dauert bei einer externen Nachfolge meist länger als bei einer familiären. Mit 3 bis 5 Jahren sollten Unternehmen durchaus rechnen, weiß IHK-Experte Wadlinger: „Eine frühe Aktivierung der Unternehmer in Sachen Nachfolge ist daher extrem wichtig.“
Strategie statt Aktionismus
Doch wie sehen die 1. Schritte in Richtung Generationswechsel aus? Bevor ein Unternehmer in blinden Aktionismus verfällt, sollte er sich zunächst strategische Gedanken machen, rät Wadlinger: Was will ich für das Unternehmen? Was sind meine persönlichen Ziele? „Danach geht es darum, einen Businessplan aufzustellen, mit dem der Unternehmer potenziellen Nachfolgern die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zeigen kann.“
„Wer beginnt, schafft es“
Laut IHK-Nachfolgeradar planen 40 Prozent der Unternehmen, die sich in der Vorphase der Nachfolge befinden, in 3 bis 5 Jahren mit dem Prozess zu beginnen. Zu viel Zeit sollten sie sich mit dem Start nicht lassen. „Die Daten zeigen: Wer beginnt, schafft es“, sagt Experte Hülsbeck. „Wer dagegen nur plant zu beginnen, schafft es oft nicht.“