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Faible für Aromen – Co-Gründerin Sara Marquart ist Lebensmittelchemikerin

Faible für Aromen – Co-Gründerin Sara Marquart ist Lebensmittelchemikerin

© Marion Vogel

Die Kern-Innovation

Sara Marquart hat mit ihrem Bruder Maximilian eine nachhaltige Alternative zu Schokolade entwickelt. Ihre Firma Planet A Foods hat noch viel mehr vor.

Von Harriet Austen, IHK-Magazin 5-6/2026

Sara Marquart hat ein Faible für Aromen. In ihrer Promotion an der TU München ging sie dem typischen Kaffeegeschmack nach. Der entsteht erst beim Fermentations- und Röstprozess, die Bohne selbst ist geschmacksneutral. Die Wanderausstellung „Kosmos Kaffee“, die sie für das Deutsche Museum kuratierte, und der Job in einem Kaffee-Start-up in den USA „haben mich inspiriert und mir den Blick geweitet, was man erreichen kann, wenn man Mut hat“, sagt die Lebensmittelchemikerin. Ihr war klar: „Ich wollte etwas bauen, das Bestand hat und für die Gesellschaft einen Mehrwert bedeutet.“

Das Aha-Erlebnis dazu lieferte ein Buch. Es beschrieb, wie bedroht und zugleich klimaschädlich der Anbau von Kakao ist und wie angespannt die Lieferketten sind. Marquart übertrug kurzerhand ihre Expertise von Kaffee auf Kakao – „das funktioniert ganz ähnlich“. Der Schokoladengeschmack entsteht ebenfalls erst beim Fermentieren und Rösten. Das müsste doch auch mit anderen Zutaten wie Algen, Hafer oder Aprikosenkernen funktionieren, überlegten sie und ihr Bruder Maximilian Marquart. „Wir testeten in der Küche meines Bruders über 100 Zutaten“, so die Aromaexpertin. Gelandet sind sie schließlich bei Sonnenblumenkernen, die es im Überfluss und zu stabilen Preisen in Bulgarien und Rumänien gibt.

Schoko-Innovation aus dem Thermomix

Als es ihnen tatsächlich gelang, das Aroma von Kakao täuschend echt nachzubilden, gründeten sie 2021 die Planet A Foods GmbH in München – „denn es gibt keinen Planeten B“, erklärt Maximilian Marquart den Namen. Er steuerte seine Start-up-Erfahrungen sowie das Startkapital bei.

Ab da ging es zügig bergauf. Ihr Schokoladenersatz, den sie ChoViva nannten und zunächst zu Hause im Thermomix herstellten, ist inzwischen ein Renner auf dem Lebensmittelmarkt. „Mit unserer Rezeptur liefern wir der Süßwarenindustrie eine geschmacklich überzeugende, preislich attraktive, skalierbare und CO2-reduzierte Alternative, die zudem mit stabilen Lieferketten punktet“, sagt Maximilian Marquart. Einzelne Kunden glaubten früh an die Schokoinnovation und steuerten Finanzmittel bei – „das beflügelte uns“.

7.000 Tonnen pro Jahr

Die Geschwister merkten schnell, dass sie „die geforderten Mengen für den ersten Großkunden nicht in der hauseigenen Küche herstellen können“, sagt Sara Marquart. Folglich zog die noch kleine Firma 2022 in ein Büro- und Entwicklungszentrum in Planegg und baute eine Produktionsstätte im tschechischen Pilsen auf.

Heute beschäftigt das Unternehmen 70 Mitarbeiter und produziert 7.000 Tonnen pro Jahr, 14.000 Tonnen sind möglich. Mehr als 40 Marken und Hersteller sind Kunden. Wegen des schnellen Wachstums gibt es Überlegungen für einen 2. Standort in Tschechien. Wie hat Planet A Foods das geschafft?

Universeller Schokoladenersatz

„Der entscheidende Faktor für unseren Erfolg war die industrielle Integrierbarkeit“, erklärt Maximilian Marquart. Denn Abnehmer greifen eher zu, wenn sie die bestehenden Produktionsprozesse nicht anpassen müssen. Sie erhalten ChoViva als Rohstoff für Süßwaren wie Kekse, Pralinen, Riegel, Eis und Backzutaten.

Vertrieb durch Weltmarktführer

Einen „Ritterschlag“ nennt Sara Marquart die 2025 vereinbarte Partnerschaft mit der Barry Callebaut AG, Weltmarktführer für Schokolade. „Das hilft uns enorm im globalen Vertrieb“, freut sie sich. Der Konzern wird für Planet A Foods Vertrieb und Produktion in den jeweiligen Ländern übernehmen.

Klimawandel gefährdet Rohstoff

In der strategischen Ausrichtung ihrer Firma sind sich die Geschwister einig. „Wir sind zusammen aufgewachsen, haben die gleichen Werte und vertrauen einander“, sagt Sara Marquart. Das trägt zu schnellen Entscheidungen und Abläufen bei. Ihre Aufgaben sind jedoch klar getrennt. Während ihr Bruder als CEO für Vertrieb und Marketing zuständig ist, kümmert sie sich als CTO um Einkauf und Produktentwicklung. „Ich bin im Herzen Wissenschaftlerin.“

Das Duo hat bereits andere Zutaten im Blick. „Wir wollen unser Know-how systematisch auf weitere, klimabedingt gefährdete Rohstoffe übertragen“, sagt Maximilian Marquart. Erste Versuche finden bereits mit Ölen und Fetten statt, mehr wird nicht verraten.

Vision: zukunftssichere Lebensmittelzutaten

Die innovationsfreudigen Geschwister streben nicht weniger als eine Revolution auf dem Lebensmittelmarkt an. Ihre Vision formuliert der CEO so: „Wir wollen der globale Standard für nachhaltige, zukunftssichere Lebensmittelzutaten werden und die Industrie unabhängig von gefährdeten Rohstoffen machen.“ Der Marktanteil von Planet A Foods beträgt bei alternativer Schokolade 100 Prozent. „Wir wollten von Anfang an ein B2B-Food-Tech-Unternehmen gründen, das liefern kann“, ergänzt Sara Marquart. Dieses Ziel, findet sie, hätten sie erreicht.

Zu den Personen: Sara Marquart und Maximilian Marquart

Sara Marquart arbeitete als promovierte Lebensmittelchemikerin zunächst bei einem Kaffee-Start-up in den USA. 2021 gründete sie gemeinsam mit ihrem Bruder die Planet A Foods GmbH in München, wo sie als Chief Technology Officer (CTO) fungiert. Ihr Bruder Maximilian Marquart ist promovierter Maschinenbauingenieur, war bei der BMW Group tätig und gründete 2 Start-ups, bevor er CEO von Planet A Foods wurde.