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Sonja Heidtmann setzt bei ihren Wanderreisen auf Kultur, Kulinarik und Nachhaltigkeit

Sonja Heidtmann setzt bei ihren Wanderreisen auf Kultur, Kulinarik und Nachhaltigkeit

© privat

Schritt für Schritt durch Europa

Vor 15 Jahren gründete Sonja Heidtmann Sento Wanderreisen. Seither nimmt sie ihre Kunden mit auf sorgfältig ausgesuchte und umweltfreundliche Touren in Europa.

Von Harriet Austen, 6/2026

Sonja Heidtmann geht gern mal neue Wege. Gerade erst kommt sie von einer Erkundungstour aus Italien zurück. Dort hat die Unternehmerin eine neue Region bereist, um Wanderbegeisterten weitere erlebnisreiche Routen bieten zu können. „Neue Regionen zu erkunden ist sehr aufwendig“, sagt die Münchnerin. „Wenn sie mich jedoch reizen, macht mir das auch Freude.“

Von ihrer Tour im Friaul-Julisch Venetien ist sie begeistert und wird sie in ihr Programm aufnehmen. Ob es ein neues Ziel allerdings tatsächlich in das Angebot ihres Unternehmens Sento Wanderreisen schafft, hängt von mehreren Faktoren ab. So muss Heidtmann vor Ort passende Reiseleiter und Unterkünfte finden. Auch sollte das Wanderziel mit dem Zug erreichbar sein. Denn Nachhaltigkeit ist der Unternehmerin wichtig – und offensichtlich auch ihren Kunden.

„Meine Angebote sind gut gebucht“, äußert sich die Unternehmerin zufrieden. In den 15 Jahren, seit sie Wanderreisen anbietet, hat Heidtmann offensichtlich ein gutes Gespür dafür entwickelt, welche Angebote den Geschmack ihrer Kunden treffen werden. Die können mittlerweile in mehr als 20 verschiedenen Gruppen-, Individual- und Winterreisen Europa zu Fuß entdecken – von Italien über Griechenland bis Albanien.

Vom Marketing zum Wandern

Zwar ist die 53-Jährige schon in jungen Jahren viel gereist. Trotzdem arbeitete sie nach ihrer kaufmännischen Ausbildung und ihrem Marketing- und Kommunikationsstudium erstmal länger bei verschiedenen Firmen. Nach mehreren Auslandsreisen und einem Job in Irland in einem Hostel, wo sie das Wandern für sich entdeckte, war ihr klar, dass sie nicht mehr in einem Großraumbüro sitzen wollte.

„Ich fing an darüber nachzudenken, was ich im Reisebereich machen könnte“, sagt Heidtmann und ging ihren neuen Weg „vorsichtig und Schritt für Schritt“. Sie ließ sich zur Reiseleiterin und Bergwanderführerin ausbilden, besuchte Seminare zur Existenzgründung und wagte den Sprung in die Selbstständigkeit – erst freiberuflich und ab 2012 mit der Gründung von Sento Wanderreisen in München.

Das Wort Sento bedeutet im Keltischen „Pfad“, steht aber auch für den Weg, das Gehen und Reisen. Und aus dem Italienischen übersetzt heißt es „ich fühle“ oder „ich höre“. „Ein sehr passender Name für unsere Wanderreisen“, heißt es auf der Website. „Wir machen uns auf den Weg, auf die Reise, wir wandern auf schönen Pfaden durch die Natur, wir nehmen sie wahr, fühlen und hören sie.“

Coaching hilft beim Durchstarten

„Die ersten 3 Jahre in der neuen Branche waren sehr anstrengend“, gibt Heidtmann zu. Geholfen haben ihr ein Coach („Das war Gold wert“), ihr Know-how in Marketing und Kommunikation und ihre Mitgliedschaft im Forum Anders Reisen e.V, „wo ich mich mit Kollegen austauschen konnte und Anerkennung und Zuspruch erfuhr“. Der Verband des nachhaltigen Reisens legt nach eigenen Angaben besonderen Wert darauf, die Ressourcen vor Ort sorgfältig und gezielt zu nutzen sowie respektvoll mit den verschiedenen Kulturen umzugehen.

Derart ermutigt baute sie ihr Geschäftskonzept aus, erkundete mögliche Wanderreisen, stellte eine Mitarbeiterin ein und schuf sich ein Netzwerk aus Partnern, wobei ihr ein fairer Umgang mit diesen sehr wichtig ist. Zu ihm gehören nicht nur Reiseleiter und Anbieter von Unterkünften vor Ort, sondern auch andere Veranstalter „Solche Kooperationen sind an der Tagesordnung, sie erweitern das Programm quantitativ und qualitativ“, versichert Heidtmann und nennt als Beispiel die langjährige Zusammenarbeit mit ZEIT Reisen.

Bewusst und umweltfreundlich reisen

Inzwischen legt sie immer mehr Wert auf klimafreundliche, sozialverträgliche und nachhaltige Reisen, „um mehr Vielfalt anzubieten“. Sie nimmt mehr Touren per Zug und öffentliche Verkehrsmittel in ihr Programm, das sehr abwechslungsreich gestaltet ist: unberührte Natur, Kultur, lokale Spezialitäten und Kontakt zu Einheimischen.

Darüber hinaus lässt sie ihr Unternehmen und ihre Reiseziele von einem unabhängigen Institut regelmäßig ganzheitlich auf ökologische, soziale sowie ökonomische Kriterien hin prüfen und zertifizierten. „Unser Konzept kommt gut an. Wir haben viele Kunden, die bewusster reisen“, freut sich Heidtmann.

Im Moment machen ihr allerdings die gestiegenen Spritpreise bei den Transfers zu schaffen. „Nächstes Jahr werde ich die Preise leider erhöhen müssen“, sagt die Unternehmerin, die rückblickend froh ist, dass sie den Mut zur Selbstständigkeit hatte. „Ich bin dankbar für das kollegiale Netzwerk und für die großartigen Kunden“, so Heidtmann.