Die sehr hochwertigen Joppen und Trachten waren schon damals sehr gefragt, nicht nur rund um Miesbach im Alpenraum. 1926 brachte die Familie Jäger einen Trachtenkatalog heraus und baute einen Versandhandel auf, der Trachtenvereine bis nach Nordamerika belieferte. Als Karl Jäger aus der 3. Generation die Schneiderei nicht übernahm, verpachtete die Familie das Geschäft 1976 an Michael Wismeth, der neben Trachten seinen Fokus auf Uniformen und Dienstbekleidung legte.
Nach weiteren 20 Jahren kam schließlich die Familie Reiter ins Spiel. Johannes Reiter und sein Bruder Markus Reiter übernahmen das Trachtenhaus Karl Jäger, mit dem sie bereits verbunden waren. Denn ihr Vater, Josef Reiter, betrieb in Dietramszell eine Lodenweberei. Sohn Johannes gestaltete damals als gelernter Webereitechniker eigene Kollektionen, die er bereits seit einigen Jahren an das Trachtenhaus in Miesbach verkaufte.
Mit Qualität gegen Fast Fashion
„Unsere Familie kennt sich bestens mit der Herstellung feinster Lodenstoffe aus“, erklärt Johannes Reiter. „Zusammen mit der Schneiderei vom Trachtenhaus Jäger entstand so eine Verbindung, bei der beide Seiten ihre Stärken voll zur Geltung bringen können. Wir sind mit dem gesamten Produktionsverlauf vertraut, bestimmen und gestalten ihn. Bei externen Prozessen arbeiten wir mit befreundeten Betrieben aus unserer Region zusammen.“
Das garantiere sehr hohe Qualität und setze ein klares Zeichen gegen die Fast-Fashion-Industrie, bei der ein Kleidungsstück schnell mal den halben Erdball umrunde, wie Reiter kritisiert: Die Rohbaumwolle komme aus den USA, der Polyesteranteil aus Fernost. Gewebt werde in Deutschland und geschneidert in Tunesien. Wenn die Jacke oder Hose dann letztlich in einem Modegeschäft in Bayern lande, habe sie umgerechnet 19.000 Kilometer zurückgelegt.
Expansion mit tollem Team
„Bei uns sind es nur ein paar Meter“, sagt Johannes Reiter und betont: „Unsere Joppen sind noch wirklich Handarbeit, werden mit viel Leidenschaft und Liebe hier in Miesbach hergestellt. Ich konstruiere dabei auch die Mischung der Wolle, sage der Weberei genau, was zu tun ist, um einen sehr hochwertigen und langlebigen Lodenstoff zu bekommen.“ Vom Schaf bis zur Jacke sind es laut Reiter um die 170 Schritte.