Von Josef Stelzer, IHK-Magazin 7-8/2026
Die Idee ist bestechend einfach. Man filtert Kohlendioxid aus der Luft, speichert es dauerhaft in unterirdischen Gesteinsschichten und wirkt so dem Klimawandel entgegen. Doch die bisherigen Methoden zur CO2-Abscheidung sind kostspielig und verbrauchen viel Energie.
Die Technologie der Phlair GmbH in Ismaning verspricht Abhilfe. „Unsere Lösung ist deutlich energieeffizienter als die bisher eingesetzten Verfahren“, sagt Geschäftsführer und Mitinhaber Malte Feucht (34), der das Start-up 2022 gemeinsam mit seinen früheren Studienkollegen Steffen Garbe (32) und Paul Teufel (31) gegründet hat. Mit Zertifikaten für das aus der Atmosphäre entfernte Kohlendioxid wollen sie künftig ihr Geschäft in Schwung bringen.
Vom Gas zum Feststoff
Das Phlair-System scheidet das Treibhausgas in mehreren Schritten aus der Atmosphäre ab. Zunächst saugen einige Ventilatoren Umgebungsluft in einen bis zu 20 Meter hohen Turm. Das CO2 aus der angesaugten Luft verbindet sich dort in einer chemischen Reaktion mit einer Flüssigkeit (Base) zu einem Feststoff (Karbonat), der sich anschließend in einer Säure auflöst.
Dabei entweicht hochreines, konzentriertes Kohlendioxid, das sich entweder dauerhaft speichern oder weiterverwenden lässt, etwa in der Getränkeherstellung oder in der Produktion von synthetischen Kraftstoffen. Im letzten Schritt trennt der sogenannte Hydrolyseur – das innovative Kernstück der Phlair-Anlage – die entstandene Salzlösung nur mithilfe von Strom in neue Säure und Base auf, sodass der Prozess von vorn beginnen kann.
Flexibel dank Hydrolyseur
Die Technologie ist speziell für den Betrieb mit Strom aus erneuerbaren Energien ausgelegt. „Eine Besonderheit an unserem Prozess ist, dass wir den energie-intensivsten Schritt, die Produktion von Säure und Base, in unserem patentierten Hydrolyseur flexibel hoch- und runterfahren“, sagt Feucht, der an der Technischen Universität München Robotik studiert hat. Damit lässt sich die Phlair-Anlage an die volatile Stromerzeugung durch Photovoltaik oder Windkraft optimal anpassen.
Bislang wurden 2 Pilotanlagen in Betrieb genommen, in Ismaning sowie in Innisfail, in der kanadischen Provinz Alberta. „Unterirdische CO2-Speichermöglichkeiten sind in Alberta bereits verfügbar, außerdem gibt es vom kanadischen Staat starke finanzielle Anreize für CO2-Abscheidungsprojekte“, erklärt Feucht die Standortentscheidung. Zusätzlich seien dort die erforderlichen Bau- und Betriebsgenehmigungen weitaus schneller erhältlich als hierzulande.
Ziel: jährlich 1.000 Tonnen CO2 absorbieren
Die erste Anlage, die einen regulären Geschäftsbetrieb ermöglicht, soll 2028 in Betrieb gehen und pro Jahr rund 1.000 Tonnen Kohlendioxid absorbieren. Das entspricht den Emissionen von rund 375 Pkws mit Verbrennungsmotoren bei einer durchschnittlichen jährlichen Fahrleistung von 15.000 Kilometern.