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Beeindrucken mit süßen Innovationen: Bastina Fisser (THE BITERY), Laura Kniggendorf (Crunchtaste) sowie Tim und Caroline Nichols (3BearsFood) (v.li.)

Beeindrucken mit süßen Innovationen: Bastina Fisser (THE BITERY), Laura Kniggendorf (Crunchtaste) sowie Tim und Caroline Nichols (3BearsFood) (v.li.)

© THE BITERY, Crunchtaste, 3Bears

Die neue Ess-Klasse

Start-ups aus Oberbayern erobern den Lebensmittelmarkt mit innovativen Produkten, die aktuelle Trends bedienen. Drei Beispiele zeigen, wie sie dabei vorgehen.

Von Sabine Hölper, IHK-Magazin 7-8/2026

Ein durchschnittlicher mittelgroßer Münchner Supermarkt bietet mindestens 40 Sorten Kekse auf etlichen Regalmetern. Bastian Fisser, Gründer der Münchner THE BITERY GmbH, findet, dass das nicht genug ist. Denn all diese Cookies sind, anders als seine, nicht lauwarm zu genießen, nicht zum Aufbacken, nicht „frisch“. Deshalb können Kunden seine Cookies auch nicht im Süßigkeitensortiment finden, sondern im Kühlregal, bei den Frischeteigen und Desserts.

Die mutige Entscheidung, auf Cookies „wie selbst gemacht“ zu setzen, außerdem rein aufs B2B-Geschäft, also die Platzierung im Einzelhandel, hat dem vor 4 Jahren gegründeten Unternehmen im vergangenen Jahr einen mittleren 7-stelligen Umsatz eingebracht. „Für 2026 erwarten wir einen Umsatz im 8-stelligen Bereich“, sagt Fisser. Und das mit aktuell 7 Mitarbeitern und ohne einen einzigen Cent Fremd- oder Risikokapital.

Bastian Fisser von THE BITERY lehnt vor Betonwand an einer großen lilafarbenen Verpackung mit abgebildetem Chocolate-Chip-Cookie und Markenlogo.

Setzt auf gekühlte Cookies – Bastian Fisser, Gründer von THE BITERY

Zentral: Food Startup Inkubator Weihenstephan

In den vergangenen rund 10 Jahren sind in Oberbayern zahlreiche Food-Start-ups gegründet worden. Viele dieser Firmen legen den Fokus auf stylische Produkte für eine ausgewogene und bewusste Ernährung und setzen auf Trends wie Gesundheit und Nachhaltigkeit.

Selbst wenn sie wie THE BITERY Naschereien produzieren, unterscheiden sie sich von den meisten herkömmlichen Anbietern. Der Münchner Cookie-Hersteller verwendet zum Beispiel kein Palmöl und keine Konservierungsstoffe.

Wie ist dieser Erfolg zu erklären? Neben Berlin gilt der Großraum München als Hotspot für die recht junge Sparte. Ein zentraler Treiber für die Entwicklung rund um die bayerische Landeshauptstadt ist der Food Startup Inkubator Weihenstephan (FSIWS) in Freising. Er unterstützt Gründer dabei, Lebensmittel zu entwickeln und in Kleinserien zu produzieren. Die jungen Unternehmer schätzen auch den Austausch untereinander.

Crunchtaste – macht Granola gesünder

„Zudem bietet uns der Inkubator Lagermöglichkeiten für die Rohstoffe“, sagt Laura Kniggendorf, eine von aktuell etwa 30 Food-Gründerinnen, die im Inkubator aktiv sind. Kniggendorf hat vor 6 Jahren die Crunchtaste GmbH gestartet, ein Unternehmen, das Granola herstellt und vertreibt. Granola ist ein Knuspermüsli und als Frühstückstrend aus den USA nach Europa geschwappt. Die Idee zu Crunchtaste entstand denn auch nach mehreren USA-Reisen und weil die Jungunternehmerin „eine gesündere Alternative zu den Produkten aus dem Supermarkt suchte“.

Gegründet hat sie das Start-up im Nebenerwerb, aber längst widmet sie sich hauptberuflich der Firma. Ihr Mann ist als Geschäftsführer mit an Bord, Mitarbeiter beschäftigen die beiden nicht. Da sie Crunchtaste aus Eigenmitteln finanzieren, wächst die Firma langsam. Umsatzzahlen nennt Kniggendorf nicht. Nur so viel: Ein- bis zweimal im Monat backt das Paar in einer Sendlinger Backstube 300 Kilogramm Granola, das entspricht 1.200 bis 2.400 Packungen à 250 Gramm pro Monat.

Laura Kniggendorf an einem Tisch hinter Reihen von Crunchtaste-Granola-Packungen in weißen und pinken Beuteln und blickt in die Kamera.

Behutsam expandieren – Laura Kniggendorf von Crunchtaste

Dallmayr als Partner

Verkauft werden die 5 Sorten plus Weihnachtsedition im Advent zu etwa gleichen Anteilen über den eigenen Onlineshop sowie kleinere Einzelhändler vor allem in München, zunehmend aber auch in anderen Regionen des Landes. „Als einen der ersten Partner konnten wir Dallmayr gewinnen“, sagt Kniggendorf.

Die Kunden des Delikatessengeschäfts sind die perfekte Zielgruppe: Menschen, die bereit sind, für Qualität mehr Geld auszugeben. Immerhin kostet ein halbes Pfund Granola etwa 7 bis 9,50 Euro. Dafür enthielten die Produkte laut Kniggendorf ausschließlich natürliche Zutaten. Statt Zucker wird nur eine kleine Menge Agavendicksaft zugegeben. „Deshalb ist das Crunchtaste-Granola weniger süß“, sagt sie. Zudem liefere es wichtige Ballast- und Mineralstoffe sowie Proteine.

THE-BITERY – punktet mit Proteinen

Solche Versprechungen kommen bei immer mehr Konsumenten gut an. Allein der Begriff „Proteine“ löst bei vielen einen Kaufimpuls aus. Schließlich genießen Proteine den Ruf, „Bausteine des Lebens“ zu sein, sollen für Muskelaufbau und -erhalt essenziell sein. Eine Gesellschaft, die lange und gesund leben möchte – als Trend auch unter „Longevity“, Langlebigkeit, bekannt –, greift bei solchen Lebensmitteln trotz recht hoher Preise gern zu.

Das beobachtet auch THE-BITERY-Chef Fisser. Auf der Verpackung seines Mandel-Cookie-Teigs ist nicht ohne Grund in Großbuchstaben „44 Gramm Protein“ gedruckt. Und dass die Sorte „Matcha“ der absolute Verkaufsschlager ist, erklärt sich ebenfalls mit dem Gesundheits-Hype: Matcha gilt wegen seines hohen Gehalts an Antioxidantien und Vitaminen als besonders gesundheitsfördernd.

3Bears Foods – erfindet Porridge neu

Gesunde Produkte ohne Industriezucker und künstliche Zusatzstoffe produziert und vertreibt auch die 3Bears Foods GmbH. Das Münchner Unternehmen ist vor 10 Jahren mit Porridge gestartet, mittlerweile hat es zudem Haferriegel, Granola, Cerealien und sogenannte Overnight Oats im Sortiment. Letztere sind eine kalte Variante von Porridge: Die Haferflocken quellen über Nacht in Milch oder Wasser und bekommen dadurch eine cremige Konsistenz.

Seit 3 Jahren vertreibt 3Bears das Produkt in verschiedenen Geschmacksrichtungen – es ist zum Renner avanciert. „Overnight Oats treffen den Nerv der Zeit“, erklärt Caroline Nichols die Beliebtheit: „Sie sind einfach zuzubereiten und passen daher gut ins Leben von vielbeschäftigten Menschen.“

Tim und Caroline Nichols von 3Bears stehen in einer modernen Küche nebeneinander, vor ihnen ein Holztresen mit einem Etagere-Ständer voller 3Bears-Snacks.

Prominente Investoren an Bord – 3Bears-Geschäftsführer Tim und Caroline Nichols

Passende Lieferanten finden

Das Gründerehepaar Caroline und Tim Nichols, sie gebürtige Bayerin, er Engländer, kam während seines mehrjährigen Aufenthalts in London auf die Idee mit dem Porridge. „Während Haferschleim in Deutschland verschrien war, erlebten wir Anfang und Mitte der 2010er-Jahre in Großbritannien ein Porridge-Revival“, sagt Caroline Nichols.

Das Duo beschloss, den Porridge-Hype in Deutschland zu entfachen. Leicht war es anfangs nicht. Ebenso wie die Gründer von THE BITERY und von Crunchtaste mussten sie etliche potenzielle Produzenten abklappern. Das Problem der Start-ups: Die Hersteller sind an tonnenweisen Chargen interessiert, die jungen Firmen fragen nach ein paar Kilogramm. Und selbst wenn sich jemand findet, liefert er nicht unbedingt die Qualität, die sich die Unternehmer vorgestellt hatten.

Kane und Gnabry als Testimonials

Caroline Nichols beschaffte – als Kompromiss – die Zutaten anfangs selbst, „der Produzent hat sie zusammengemischt“, sagt sie. Erst als nach der Teilnahme in der Fernsehshow „Höhle der Löwen“ mit Frank Thelen und Judith Williams bekannte Investoren eingestiegen waren, konnte 3Bears die Produktion professionalisieren.

Heute erwirtschaften die Münchner einen 2-stelligen Millionenumsatz, beschäftigen 35 Mitarbeiter und sind in 5 europäischen Ländern aktiv. Weitere Märkte wollen sie in Kürze angehen. Mit den beiden Fußballstars von Bayern München, Harry Kane und Serge Gnabry, als weiteren prominenten Investoren sollte der Expansion nichts im Weg stehen. „Zur Fußball-Weltmeisterschaft sind unsere Harry-Kane-Produkte an vielen Orten zu finden und man kann über die Website auch handsignierte Kane-Poster gewinnen“, so Nichols.

Hoher Wettbewerbsdruck bei Lebensmitteln

Profifußballer, die Marketing für ein gesundes Produkt machen, sind wie ein 6-er im Lotto. Und Marketing ist für alle Lebensmittelfirmen, die sich behaupten wollen, wichtig. Schließlich konkurrieren sie mit einer Vielzahl anderer innovativer Firmen. Vor allem bei Riegeln ist der Wettbewerbsdruck derzeit enorm.

Vertrieb als Knackpunkt

Aus diesem Grund ist es auch schwer, im Lebensmitteleinzelhandel gelistet zu werden. „Eine große Herausforderung ist, in den Handel hineinzukommen und sich dort zu halten“, sagt Crunchtaste-Gründerin Kniggendorf. Nichols stimmt zu: „Man bräuchte dafür eigentlich einen Außendienst.“ Zwar hilft auch der eigene Onlineshop beim Absatz der Produkte. Damit dieser gut angenommen wird, bieten die Firmen Kunden häufig eine sogenannte Clubmitgliedschaft an. Wer beitritt, bekommt Extras. Der Einzelhandel aber ist immens wichtig, um weiter zu wachsen.

Für Bastian Fisser ist es sogar der einzige Absatzkanal. Da seine Cookies gekühlt werden müssen, eignen sie sich nicht für den Versand. Der Münchner Unternehmer nimmt es gelassen. Erst kürzlich hat er wieder eine neue Platzierung abgeschlossen – in einer großen Supermarktkette im nachfragestarken Berlin.