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Hohe Arbeitskosten – die Industrie will Beschäftigung abbauen

Hohe Arbeitskosten – die Industrie will Beschäftigung abbauen

© industrieblick/Adobe Stock

Weiter im Tiefflug

Die bayerische Wirtschaft erkennt keinen Reformkurs, bleibt verunsichert und wartet ab. Viele Unternehmen sorgen sich um die hohen Arbeitskosten.

IHK-Magazin 3/2026

Die Stimmung der Unternehmen im Freistaat hat sich nicht entschieden verbessert. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK): Der BIHK-Konjunkturindex, der die Lage und Erwartungen der Unternehmen zusammenfasst, ist seit der letzten Umfrage im Herbst 2025 nur von 105 auf 107 Punkte gestiegen. Er bleibt damit unter seinem langjährigen Durchschnitt. „Die bayerische Wirtschaft bewegt sich weiter im Tiefflug“, sagt BIHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl. Hohe Arbeitskosten, ausufernde Bürokratie und eine schwache Nachfrage bremsen demnach weiter die Konjunktur.

Die Geschäftslage stagniert deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von 17 Punkten: Mit einem Saldo von nur 10 Punkten bewerten die Firmen ihre aktuelle Lage kaum besser als im Herbst oder im Vorjahr. Einzig die Dienstleister verzeichnen einen klar positiven Saldo der Lageurteile. In der Industrie sind positive und negative Beurteilungen immerhin erstmals seit längerem wieder ausgeglichen. Das deutet auf eine leichte Stabilisierung hin. Im Baugewerbe ist die Lage ähnlich unentschieden. In Tourismus und Handel überwiegt dagegen die Unzufriedenheit.

Seit fast 4 Jahren unter Durchschnitt

Die Geschäftserwartungen zeigen nur niedrige Wachstumsperspektiven auf. Sie erreichen nur 4 Punkte und liegen damit seit fast 4 Jahren unter ihrem Durchschnittswert von 7 Punkten. Dienstleister blicken zwar optimistisch nach vorn und Industrie sowie Großhandel rechnen mit stabilen Geschäften. Insgesamt jedoch sind die Aussichten gedämpft, da sich der erhoffte Aufwärtstrend nicht durchsetzt.

„Die schon chronische Investitionszurückhaltung der Unternehmen setzt sich auch zu Beginn des Jahres 2026 fort“, sagt Gößl. Vor allem Industriebetriebe planen erneut weniger Ausgaben am heimischen Standort ein. Dies hat Folgen für den Arbeitsmarkt. Per saldo wollen alle Branchen Beschäftigung abbauen, besonders deutlich zeigt sich dies in Industrie und Tourismus.

Arbeitskosten ein Geschäftsrisiko

Neben der schwachen Nachfrage wirken besonders die steigenden Arbeitskosten belastend für die Betriebe. 58 Prozent der Firmen stufen die Arbeitskosten als Geschäftsrisiko ein – so viele wie noch nie seit Beginn der Erhebung 2012. Ein noch höheres Risiko sehen die Firmen nur in der schwachen Inlandsnachfrage (65 Prozent) und in den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (62 Prozent).

Gößl: „Unternehmen brauchen Reformschritte“

Damit eine echte Wirtschaftswende möglich werden kann, fordert der BIHK entschiedene Maßnahmen: Dazu gehören eine Stabilisierung der Sozialversicherungsbeiträge bei maximal 40 Prozent der Bruttoverdienste, der Schutz von Betriebsvermögen bei der Erbschaftsteuer und der konsequente Einsatz des schuldenfinanzierten Sondervermögens für wachstumsfördernde Investitionen. BIHK-Hauptgeschäftsführer Gößl: „Unsere Unternehmen brauchen verlässliche Signale und entschlossene Reformschritte, um ihr Vertrauen in den Standort zurückzugewinnen.“

IHK-Info: Konjunkturindex Jahresbeginn 2026

Die BIHK-Konjunkturumfrage und der BIHK-Konjunkturindex geben Auskunft darüber, wie die bayrischen Unternehmen derzeit ihre wirtschaftliche Lage einschätzen.