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Geben ihre Erfahrungen weiter – Tina Bögel (l.) und Aurelia Hack gründeten 2025 die digitale Plattform XPert Connect

Geben ihre Erfahrungen weiter – Tina Bögel (l.) und Aurelia Hack gründeten 2025 die digitale Plattform XPert Connect

© XPert Connect

Viele gute Beispiele

Nach wie vor gründen weniger Frauen als Männer Unternehmen. Auch weil noch immer Vorbilder fehlen. Der IHK-Girls’Day – „Ich werde Chefin!“ will dies ändern.

Von Gabriele Lüke, IHK-Magazin 3/2026

Die Gelegenheit war einfach zu gut. Eigentlich wollte sich Lara Zentner noch gar nicht selbstständig machen. Doch dann, es war kurz vor Weihnachten 2018, erfuhr die damals 23-jährige Studentin von ihrem Vater von freien Büroräumen.

„Eine Kommilitonin hatte als Teil ihres Werkstudentenjobs den Münchner Coworking-Markt recherchiert und dabei festgestellt, dass noch Bedarf an Coworking-Spaces bestand. Und nun gab es diese freien Büroräume“, sagt Zentner. „Warum also nicht selbst einen Coworking-Space einrichten?“ Über die Feiertage schrieben Zentner und ihre Kommilitonin den Businessplan, sammelten bei Familie und Freunden Geld, gebrauchte Büromöbel und Computer ein – und starteten ihre eigene Firma velvet space.

Der eigenen Idee vertrauen

Dass sie ihre Idee so schnell und entschlossen vorangetrieben hat, führt Firmenchefin Zentner nicht zuletzt auf ermutigende Role Models zurück: „Meine beiden Eltern sind selbstständig. Selbstständigkeit ist in unserer Familie ein normales Lebensmodell, auch für Frauen. Ich konnte mir grundsätzlich immer eine selbstständige Tätigkeit vorstellen.“

Zudem habe sie sich von einigen Referenten an der Hochschule, die aus der Unternehmenspraxis berichteten, sehr inspiriert gefühlt. „Ich wollte aber eigentlich zuerst in einer Festanstellung Erfahrungen sammeln. Doch durch die elterlichen und die Vorbilder an der Uni hatte ich den Mut und das Vertrauen, meiner spontanen Idee zu folgen.“

Vorbilder geben den Ausschlag

Mit diesem Lebenslauf gehört Zentner zu einer Minderheit – in Deutschland machen sich Frauen immer noch seltener selbstständig als Männer. Laut KfW-Gründungsmonitor 2025 pendelte der Anteil der Firmengründerinnen in den vergangenen Jahren um 39 Prozent.

In der technikorientierten Start-up-Szene sind es weniger, hier lag ihr Anteil zuletzt bei knapp 19 Prozent, wie der Female Founders Monitor 2025 ermittelt. Diese Studie des Bundesverbands Deutsche Startups e.V. betont die Rolle von Vorbildern für Gründungen: „Frauen gründen später als Männer und haben oft ein anderes Risikobewusstsein – nicht, weil ihnen die nötigen Fähigkeiten, sondern die Vorbilder fehlen und Stereotype sie früh ausbremsen.“

IHK-Girls’Day stellt Role-Models vor

„Vorbilder sind der Schlüssel“, bestätigt Marlene Eder, Referentin Business Women bei der IHK für München und Oberbayern. „Role Models ermutigen, stärken, inspirieren, sie zeigen, wie es geht.“ Mit dem IHK-Girls’Day – „Ich werde Chefin!“ knüpft die IHK an diese Idee an.

Am bundesweiten Girls’Day sollen Schülerinnen für Berufe interessiert werden, die aktuell mehrheitlich Männer ausüben. Der spezielle IHK-Girls’Day überträgt dies auf die Selbstständigkeit: Unternehmerinnen laden Schülerinnen in ihre Firmen ein, berichten von ihrer Geschäftsidee, ihrer Gründung und ihrem Alltag als Chefin. So lernen die Mädchen die Selbstständigkeit als weitere Option für ihre Zukunft kennen. „Aktuell werden rund 30 Prozent der Unternehmen in München und Oberbayern von Frauen geführt oder mitgeführt. Der Girls’Day und seine Role Models sollen langfristig dazu beitragen, dass es mehr werden“, sagt Eder.

Immer am Ball bleiben

Auch Lara Zentner wird beim IHK-Girls’-Day am 23. April 2026 (siehe Kasten unten) dabei sein: „Ich habe von Role Models profitiert, bin nun gern selbst eines und teile meine Geschichte, eröffne Möglichkeiten, mache Mut“, sagt die inzwischen 30-Jährige. Dabei wird sie auch erzählen, wie es nach der Gründung von velvet space weitergegangen ist: die Akquise der ersten Kunden über Netzwerke und Social Media, die coronabedingte Schließung, der Ausstieg der Mitgründerin, die Einstellung der beiden Mitarbeiter, die geplante Expansion und die kontinuierliche Anpassung des Geschäftsmodells. So hat velvet space nicht nur Coworking-Plätze in verschiedenen Varianten, sondern bietet zum Beispiel auch eine Firmenadresse mit Postservice und virtuellem Büro.

Lara Zentner sitzt an einem Holztisch mit Laptop in einem hellen Büro mit großen Fenstern und Pflanzen, Symbol für moderne Gründerinnen.

© Lisa Hantke

Ich habe von Role Models profitiert, bin nun gern selbst eines und eröffne Möglichkeiten, mache Mut.

Lara Zentner, Chefin velvet space coworking

Obwohl Zentner inzwischen selbst erfahrene Unternehmerin und Role Model ist, bleiben Vorbilder für sie wichtig. Aktuelles Thema ist Vereinbarkeit: „Mit Blick auf eine etwaige Familiengründung frage ich natürlich meine selbstständige Mutter, schaue mir aber auch auf Social Media an, wie es Unternehmerinnen gelingt, Geschäft und Familie zu vereinbaren.“

Zu zweit durchstarten

Tina Bögel und Aurelia Hack beteiligen sich ebenfalls als Gastgeberinnen am IHK-Girls’Day. Sie haben im April 2025 in München die digitale Plattform XPert Connect GbR gegründet. Es sei für Unternehmen oft aufwendig und langwierig, die passenden Trainer und Coaches zu finden. Das gelte umgekehrt auch für Experten, die potenzielle Auftraggeber erreichen wollen, erklären sie ihr Geschäftsmodell.

„Unsere innovative Plattform bringt Nachfrage und Angebot schnell und mit kuratierter Auswahl zusammen. Zudem hinterlegen die Experten ihre Zertifikate, sodass ihre Qualifikation transparent wird.“ Die beiden Gründerinnen kennen die Branche gut. Sie sind mit ihren vorherigen Gründungen, der Tina Bögel Business Coaching & Beratung und der Hack Corporate Health Consulting & Communication, selbst als Coaches und Trainerinnen tätig.

Tech-Szene noch männerdominiert

Welche Rolle spielen Vorbilder für sie? „In meiner Familie gab es keine Selbstständigen. Frauen, die Karriere machten oder Unternehmen führten, waren in meiner Jugend eher rar“, sagt Bögel. „Ich musste mich in meiner ersten Selbstständigkeit daher ohne besondere Vorbilder und Netzwerke behaupten.“ Im Gegensatz dazu waren Hacks Eltern beide selbstständig. „Und auch ich wollte immer schon in die Selbstständigkeit, sie entspricht meinem Wunsch nach Freiheit und Mut“, sagt Hack.

Nun sind beide selbst begeisterte Vorbilder. Als Plattformgründerinnen engagieren sie sich dabei vor allem in der männerdominierten Tech-Szene. „Auf Tech-Veranstaltungen oder -Messen sind nach wie vor sehr wenige Frauen. Es braucht hier unbedingt noch mehr Role Models – wir nehmen diese Rolle gern an“, sagt Bögel.

Fehlen noch häufig: Investorinnen

Den Frauen begegneten immer noch viele Vorurteile und traditionelle Rollenbilder. „Sie müssen sich mehr beweisen, haben schlechteren Zugang zu Kapital“, beobachtet Hack. „Es braucht mehr weibliche Business Angels und Investorinnen.“ Zudem würden sich Frauen oft kleiner machen, als sie sind, und ließen sich verunsichern. „Wenn sie dann aber erfolgreichen Unternehmerinnen begegnen, nehmen sie deren Inspiration auf, werden mutiger, starten durch“, ergänzt Bögel.

„Der eigenen Leidenschaft folgen“

Was wollen die Role Models Bögel und Hack den Schülerinnen am IHK-Girls’Day mitgeben? „Wege entstehen beim Gehen, ist unser Credo.“ Das heißt: mutig sein, eine Idee ausprobieren – auch gemeinsam mit anderen –, sich Unterstützung suchen, sich nicht verunsichern oder verbiegen lassen, nur konstruktive und kompetente Kritik ernst nehmen, aus Rückschlägen lernen „und vor allem immer der eigenen Leidenschaft folgen“.

IHK-Info: IHK-Girls’Day – „Ich werde Chefin!“ – Gastgeberinnen für den 23. April 2026 gesucht

Von der Selbstständigen über die Mittelständlerin bis zur Konzernchefin: Die IHK sucht für den IHK-Girls’Day 2026 noch Gastgeberinnen, die Schülerinnen ab der achten Klasse in ihre Unternehmen einladen und sie als Role Model für die Selbstständigkeit inspirieren. 2025 beteiligten sich 45 IHKs und 1.200 Schülerinnen. Hier geht zu Info und Anmeldung.