Von Manfred Gößl, IHK-Magazin 7-8/2026
"Zurück in die DDR"? Nein – das ist nicht der Titel einer deutschen Filmkomödie über eine Trabi-Zeitmaschine. Die könnte ja noch spaßig sein. Sondern es geht um eine unglaubliche, aber leider wahre Begebenheit: Berlin steht kurz davor, privates Wohneigentum massenhaft zu verstaatlichen – so wie früher die DDR.
Die in der Hauptstadt höchst populäre Initiative „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“ treibt die Vergesellschaftung mit aller Kraft voran: Besitzt ein Unternehmen mehr als 3.000 Wohnungen, sollen diese zu „öffentlichem Eigentum“ werden. Angedachte Entschädigung: etwa zum halben Marktwert der Wohnungen in Form einer 100-jährigen Anleihe zu 3,5 Prozent Zinsen. Gleichzeitig sollen bestehende Grundpfandrechte an den betroffenen Wohnungen erlöschen, womit die finanzierenden Banken einen wesentlichen Teil ihrer Sicherheiten verlieren. Diese abenteuerliche DDR-Anmutung könnte schon bald Realität werden. Nach den Wahlen im September könnte eine neue rot-grün-rote Regierung, angeführt von der Partei Die Linke, mit einem derartigen Sozialismus 2.0 loslegen.
So weit, so schlecht.
Die Diskussion über die Berliner Enteignungsfantasien hat schon jetzt fatale Folgen. Nicht nur für den Immobiliensektor in Berlin. Sondern für den gesamten Wirtschaftsstandort Deutschland: Rechts-, Planungs- und Finanzierungssicherheiten bröckeln, Investoren aus dem In- und Ausland werden abgeschreckt, die Zahl der gebauten Wohnungen sinkt noch mehr, die Bestandsmieten in Ballungsräumen steigen weiter.
Der Berliner Versuch, Grund und Boden „in Gemeineigentum“ zu überführen und damit zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Artikel 15 des Grundgesetzes anzuwenden, zeigt: Noch immer gibt es hierzulande starke Strömungen, die eine Abschaffung des Privateigentums und die Dominanz der Staatswirtschaft für die bessere Lösung halten.
Dabei ist der „Versuch Ostblock“ krachend gescheitert.
Bestes Beispiel: die Immobilienenteignungen und Zwangsbewirtschaftungen in der ehemaligen DDR. Dort waren die staatlich subventionierten Wohnungen zwar spottbillig. Doch die Häuser verkamen. Ist ja auch logisch: Zu Billigstmieten gab es halt nur lausige Plattenbauten und schon gar keine kostspielige Sanierung von Bestandswohnungen.
Auch jetzt baut kein Investor moderne Mietwohnungen, wenn er fürchten muss, dass sie ihm vom Staat wieder weggenommen werden. Aus diesem Grund haben die Bauminister der Länder am 11. Juni die Bundesregierung aufgefordert, mit einer bundeseinheitlichen Regelung regionale Vergesellschaftungspläne zu verhindern. Eine gemeinsame Bundesratsinitiative von Bayern und NRW soll folgen.
Wir als IHK für München und Oberbayern unterstützen diese Länderinitiative vehement, auch bereits in den Medien. Wir stellen uns gegen die Zwangsverstaatlichung von Immobilien. Denn klar ist: Neue Wohnungen entstehen nur dort, wo gebaut wird – und nicht dort, wo enteignet wird. Mehr bezahlbarer Wohnraum lässt sich nur gemeinsam mit der privaten Wirtschaft schaffen – und nicht gegen sie.