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Schätzt den strategischen Austausch – OroraTech-Chef Martin Langer

Schätzt den strategischen Austausch – OroraTech-Chef Martin Langer

© OroraTech

Starker Begleiter für schnelles Wachstum

Start-ups brauchen ausreichend Kapital, damit sie gedeihen können. Die Venture-Capital-Gesellschaft Bayern Kapital unterstützt sie – nicht nur bei der Finanzierung.

Von Eva Müller-Tauber, IHK-Magazin 3/2026

Schon von klein auf wollte Dominik Schumacher eigene Ideen umsetzen und Großes anstoßen. Am Standort Bayern kommt er seinem Ziel nun stetig näher. Vor gut 6 Jahren gründete er zusammen mit Jonas Helma-Smets die Tubulis GmbH, ein Spin-off des Leibniz-Forschungsinstituts für Molekulare Pharmakologie (FMP) und der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Es ist auf die Entwicklung hochwirksamer Krebsmedikamente spezialisiert, sogenannter Antibody-Drug Conjugates (ADCs). Sie sollen Tumore präziser bekämpfen und das umliegende gesunde Gewebe dabei schonen.

Ein entscheidender Faktor, um ambitionierte Ideen wie diese möglichst schnell zu realisieren, ist die Finanzierung: „Wirkstoffentwicklung ist sehr kapitalintensiv, bis man ein zugelassenes Produkt am Markt hat, muss man lange investieren“, sagt Schumacher. Umso stolzer ist er, dass Tubulis kürzlich eine der größten Series-C-Finanzierungen eines europäischen Biotechs gelang.

Seit Series-A-Finanzierung im Boot

Das Unternehmen sammelte insgesamt 308 Millionen Euro von verschiedenen Investoren ein, um die klinische Entwicklung seines Hauptproduktkandidaten gegen Eierstockkrebs voranzutreiben. Unter den Geldgebern ist Bayern Kapital, die Venture-Capital-Gesellschaft des Freistaats Bayern. „Ein bewährter Partner, der uns schon seit der ersten signifikanten Finanzierungsrunde, also der Series-A-Finanzierung, unterstützt und begleitet“, sagt Schumacher.

Tubulis hat damit vorerst eine Hürde genommen, vor der viele Scale-ups stehen, wie IHK-Finanzierungsexperte Georg Schulte-Holtey weiß: „Unternehmen aus Zukunfts- beziehungsweise Hightech-Branchen sind, verglichen mit Start-ups, in besonderem Maße auf externe Finanzierung angewiesen, da ihr starkes Wachstum großvolumige Vorabinvestitionen erfordert, die sie nicht allein aus laufenden Umsätzen decken können.“

Hand in Hand mit privaten Investoren

Umso wichtiger sind institutionelle Investoren wie Bayern Kapital. „Sie spielen eine zentrale Rolle bei der Schließung von Finanzierungslücken in der Scale-up-Phase, indem sie großvolumige Beteiligungen bereitstellen und dadurch weiteres privates Kapital mobilisieren.

“Bayern Kapital agiert als Anker- sowie ausschließlich als Co-Investor im Konsortium mit privaten Investoren. „Wir investieren nach dem Pari-passu-Prinzip. Das bedeutet, dass alle Beteiligten einer Finanzierungsrunde zu wirtschaftlich gleichen Konditionen investieren. Bayern Kapital spiegelt dabei das Investment von einem oder mehreren privaten Investoren“, erläutert Monika Steger, seit 2022 Geschäftsführerin der Bayern Kapital GmbH. „Bei Bedarf unterstützt Bayern Kapital das Start-up oder Scale-up dabei, weitere Investoren wie Business Angels, Risikokapitalgeber oder Family Offices in ihrem Netzwerk zu aktivieren.“

Monika Steger, Geschäftsführerin von Bayern Kapital, steht in einem hellen Büro und trägt einen roten Blazer über einer weißen Bluse.

© Bayern Kapital

Bei Bedarf unterstützt Bayern Kapital das Start-up oder Scale-up dabei, weitere Investoren zu aktivieren.

Monika Steger, Geschäftsführerin Bayern Kapital

Staatliche Partner schaffen Vertrauen

Tatsächlich scheint der Einsatz der bayerischen VC-Gesellschaft neue private Geldgeber zu Investitionen anzuregen. „Die Beteiligung eines langfristig orientierten staatlichen Partners hat gerade bei internationalen Investoren Vertrauen geschaffen“, bestätigt Martin Langer, CEO des Space-Tech-Unternehmens OroraTech GmbH. Das 2018 gegründete Spin-off der Technischen Universität München (TUM) nutzt satellitenbasierte Thermal-Infrarot-Technologie, um weltweit kritische Infrastrukturen und Kommunen bei der frühzeitigen Erkennung von Waldbränden zu unterstützen. Schon seit der Seed-Phase 2021 hat Bayern Kapital im Rahmen mehrerer Finanzierungsrunden in das Unternehmen investiert.

OroraTech gehört inzwischen zu den führenden Akteuren auf dem Markt für KI-gestützte Frühwarnsysteme und ist beim 2021 aufgelegten Scale-up-Fonds von Bayern Kapital mit dabei. „Die Mittel haben wir vor allem für den Ausbau unserer Satelliten- und Sensortechnologie, den Aufbau internationaler Kundenbeziehungen sowie die Skalierung unseres Teams eingesetzt“, erläutert Firmenchef Langer. Die Finanzmittel ermöglichten langfristiges Denken und trügen dazu bei, „den kurzfristigen Renditedruck zu reduzieren“.

Stichwort: Bayern Kapital GmbH

Die Bayern Kapital GmbH wurde 1995 auf Initiative der Bayerischen Staatsregierung gegründet. Die Venture-Capital-Gesellschaft des Freistaats verwaltet rund 1,3 Milliarden Euro und gehört mit mehr als 30 Jahren Erfahrung zu den leistungsstärksten und erfahrensten Venture-Capital-Investoren im deutschsprachigen Raum.

Ihr Fokus liegt auf Beteiligungen an innovativen Start-ups sowie Scale-ups in Bayern, gemeinsam mit privaten Co-Investoren. Seit seiner Gründung hat Bayern Kapital über 650 Millionen Euro eigenes Beteiligungskapital in mehr als 380 Start-ups und Scale-ups aus Branchen wie Life Sciences, Kernfusion, Quantentechnologie oder KI investiert. Bayern Kapital beteiligt sich an Start-ups und Scale-ups über alle Unternehmensphasen von Pre-Seed über Growth und Scale-up bis zum Exit mit Kapital, Know-how und seinem Netzwerk.

Verständnis für Deep-Tech-Modelle

Das ist aber nicht der einzige Erfolgsfaktor in der Zusammenarbeit mit Bayern Kapital, den Langer hervorhebt. Wichtig sei für ihn vor allem der strategische Austausch mit einem Partner, der Deep-Tech-Geschäftsmodelle verstehe. Die enge Zusammenarbeit signalisiere, dass ambitionierte Technologieunternehmen in Bayern langfristige Partner finden, auch über frühe Phasen hinaus.

„Das stärkt unsere Bindung an den Standort“, betont der OroraTech-Chef, der auch noch andere Standortfaktoren lobt: Bayern biete eine einzigartige Kombination aus exzellenter Forschung, starker Raumfahrt- und Deep-Tech-Industrie sowie ein dichtes Netzwerk aus Start-ups, Mittelstand und Konzernen. „Die Nähe zu Hochschulen, zur Raumfahrt-Community und zu internationalen Investoren macht München darüber hinaus für uns strategisch sehr attraktiv.“

500 Millionen Euro indirekte Standortsicherung

Eine enge Bindung an den Standort durch gute Rahmenbedingungen ist essenziell, damit innovative Zukunftsunternehmen und somit die Arbeitgeber von morgen nicht in die USA oder nach Asien abwandern. Deshalb hat der Freistaat kürzlich im Rahmen der Initiative VC4Start-ups (siehe Kasten unten) einen neuen Wachstums- und Scale-up-Fonds bei Bayern Kapital mit einem noch größeren Volumen von 500 Millionen Euro aufgelegt-

„Dieser erlaubt ein maximales Investment von 50 Millionen Euro pro Unternehmen, das ist in Deutschland einzigartig“, so Bayern-Kapital-Geschäftsführerin Steger. Der neue Fonds ist auf technologieorientierte, stark expandierende bayerische Scale-ups ausgerichtet und damit auch für Firmen wie OroraTech und Tubulis interessant.

„Unser Herz schlägt in München“

„Jetzt sind wir aber erst einmal frisch kapitalisiert und unser Fokus liegt darauf, unsere Produktkandidaten schnell zu den Patienten zu bringen, die neue Medikamente benötigen“, sagt Tubulis-Gründer Schumacher. Trotz Internationalisierung möchte der gebürtige Darmstädter, der bei Düsseldorf aufwuchs, dort Chemie und Wirtschaft studierte und über Berlin gezielt München ansteuerte, möglichst am Standort festhalten. Deutschland und speziell Bayern seien absolute Spitze, was die Biotech-Forschung angehe. Hier finde er die Mitarbeiter, die das Unternehmen voranbringen, und auch in puncto Finanzierung tue sich einiges. „Lassen Sie es mich so sagen: Wir brauchen alle Organe, um weiter erfolgreich zu sein, aber unser Herz schlägt in München.

Stichwort: VC4Start-ups Initiative Bayern

Der Freistaat liegt bei Gründungen deutschlandweit vorn: Mehr als jedes 5. neue Unternehmen entsteht in Bayern, wie die aktuelle Studie „Next Generation – Startup-Neugründungen in Deutschland“ des Berliner Startup-Verbands belegt. Um diesen Unternehmen vor allem in Wachstumsphasen den Zugang zu Kapital weiter zu erleichtern, hat der Freistaat 2025 die VC4Start-ups Initiative an den Start gebracht.

Im Zuge dessen wurde ein neuer Wachstums- und Scale-up-Fonds mit einem Fondsvolumen von 500 Millionen Euro ausgestattet; pro Unternehmen sind Beteiligungen in Höhe von bis zu 50 Millionen Euro möglich. Zudem wurden die Fonds-in-Fonds-Investitionen durch den LfA Dachfonds Bayern um insgesamt 150 Millionen Euro erhöht. Der Bayern Kapital Innovationsfonds III wurde mit einem Fondsvolumen von 100 Millionen Euro ausgestattet.