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„Jede Idee zählt“ – Geschäftsführer Alexander Jonke (l.) mit Mitarbeiter Florian Künzel

„Jede Idee zählt“ – Geschäftsführer Alexander Jonke (l.) mit Mitarbeiter Florian Künzel

© Jörg Fokuhl

Das Denklabor in Gilching

Im Südwesten Münchens entwickeln die UX-Experten komplexe Technologien für anspruchsvolle Hightech-Anwendungen. Entscheidend dabei: das richtige Innovationsklima.

Von Lisa Priller-Gebhardt, IHK-Magazin 7-8/2026

Wie wäre es, wenn die Waage im Supermarkt nicht nur den Preis für die Tomaten liefert, sondern gleich einen Bon mit passenden Rezeptideen – inklusive Wegweiser durch die Gänge und aktueller Preise der benötigten Zutaten? Gleichzeitig könnte die Technologie im Hintergrund für den Händler die Bestände im Blick behalten, rechtzeitig Alarm schlagen bei Engpässen sowie die optimale Bestellmenge für die nächste Lieferung planen. So würden Abläufe effizienter, Entscheidungen präziser und Lebensmittelverschwendung messbar reduziert.

So eine schlaue Waage ist zwar noch Zukunftsmusik, doch in Gilching bei München beschäftigen sich 220 Mitarbeitende tagtäglich mit der Entwicklung von Produkten, die in Zukunft weltweit gefragt sein werden. „Die Entwicklungssprünge durch die Themen KI, Sicherheit, Cloudlösungen sind so enorm, dass Unternehmen mit den Anforderungen nicht hinterherkommen“, sagt Alexander Jonke. Er ist Geschäftsführer der UX Gruppe, eines europäischen Hightech-Dienstleisters und Design-Lieferanten.

Erfindergeist als Dienstleistung

So unterhalten Unternehmen wie der Hersteller von Kücheneinbaugeräten BORA, das Pharmaunternehmen Merck oder der Kaffeemaschinenproduzent Franke zwar eigene Entwicklungsabteilungen, setzen aber dennoch auf den Erfindergeist der UX Gruppe. „Unsere Auftraggeber greifen auf uns zurück, weil wir etwas können, wofür sie selbst oftmals keine Kapazitäten haben“, sagt der studierte Betriebswirt.

Wer an der Spitze mitspielen will, muss zunehmend Lösungen und Plattformen entwickeln, die die Hardware – das eigentliche Produkt – nahtlos mit Software und künstlicher Intelligenz (KI) verzahnen. In dem 2-stöckigen Gebäude im Gewerbegebiet Gilching-Süd bei München findet sich das gesamte Leistungsspektrum unter einem Dach: Beratung, Design, Systementwicklung und Fertigung. Die Kompetenzen sind in der Unternehmensgruppe gebündelt, zu der die 3 GmbHs Ultratronik, basysKom und Imago Design gehören. „Zusammen sind wir die U-Experten“, sagt Jonke.

Hier entstehen Produkte mit so hohen Anforderungen, dass ihre Entwicklung oft 2 bis 3 Jahre dauert – und die dann auch mindestens 10 Jahre im Einsatz bleiben sollen. „Es steht nicht nur die lange Nutzbarkeit im Fokus, sondern auch die Wertschöpfung für unsere Kunden“, sagt der Geschäftsführer.

Mitarbeitende der UX Gruppe montieren in einer hellen Fertigungshalle elektronische Baugruppen an Arbeitsplätzen mit Monitoren und Spezialwerkzeugen.

Produktlaunch – UX übernimmt bei Bedarf auch die Fertigung

Immer 2 Schritte voraus bei Technologie und Design

Damit das gelingt, versuchen die U-Experten, ihren Kunden immer 2 Schritte voraus zu sein. Sie investieren viel Zeit und Energie in Forschung und Recherche. Sie besuchen internationale Messen, studieren Innovationsstudien und führen auch selbst welche durch. Durch das Ausloten von Trends erfahren die Spezialisten nicht nur, was ihre eigenen Kunden brauchen, sondern auch, was sich deren Kunden wünschen. Sowohl bei der Technologie als auch beim Design.

Mahlwerk mit Cloudlösung

So wie beim Mahlwerk für die Marke Mahlkönig. Die U-Experten erhielten von dem Hamburger Kaffeemühlenhersteller Hemro den Auftrag, das bis dahin mechanisch gesteuerte Vorgängermodell mit moderner Elektronik auszustatten und zugleich an eine Cloudlösung anzubinden. Gleichzeitig stand ein Redesign an. Keine einfache Mission: Unter Baristas genießt der Mahlkönig einen ähnlichen Kultstatus wie der Porsche 911 in der Automobilwelt.

Bis zur Marktreife dauerte die Entwicklung 24 Monate. Statt mit einer Drehscheibe lässt sich der Mahlgrad nun manuell-motorisiert per Touchscreen einstellen. Das Schleifpapier, mit dem Baristas auf internationalen Wettbewerben das Mahlwerk noch kurz angeschliffen haben, kann nun zu Hause bleiben, denn die Mühle hat eine Präzision von einem Mikrometer, also 0,001 Millimeter. Das neue Design wurde unter anderem mit dem Red Dot Design Award ausgezeichnet.

Fachliche und menschliche Expertise

Damit aus einer guten Idee ein Geschäft wird, braucht es nicht nur die fachliche Expertise der Industriedesigner, Hardware- und Softwareentwickler, Projektmanager, Systemingenieure, Produktions- und Herstellungsmitarbeitenden sowie Berater. „In einer Ära, in der KI Wissen zugänglicher macht, werden die Fähigkeit, mit Komplexität umzugehen, und der Umgang mit Menschen zu zentralen Kompetenzen“, sagt Jonke.

Um zu verhindern, dass die Mitglieder der interdisziplinären Teams in ihren Fachsilos bleiben, wurde die UX Academy eingerichtet. „Dort trainieren wir unsere Mitarbeitenden aus 24 Nationen in überfachlichen Kompetenzen“, sagt Jonke.

Training in Teamgeist

Soft Skills wie Problemlösungskompetenz und Teamgeist werden hier geschult, aber auch die Kommunikationsfähigkeit. „Die Produkte, die wir entwickeln, sind heute so komplex, dass mehrere Teams aus unterschiedlichen Disziplinen gleichzeitig daran arbeiten. Sie sollen in der Lage sein, so zusammenzuarbeiten, dass am Ende der Projekterfolg steht“, sagt der Geschäftsführer.

Das 1975 in Gilching gegründete Unternehmen war lange überwiegend im DACH-Raum tätig. Nach der Übernahme durch die französische Steliau Technology Group vor 2 Jahren will die UX Gruppe nun in Ländern wie Italien, Spanien oder Frankreich deutlich stärker aktiv werden. Wichtige Märkte sind außerdem Kanada sowie die USA, wo die Gilchinger 15 bis 20 Prozent ihres Umsatzes machen.

Experimente erwünscht, Scheitern erlaubt

Um Neuerungen und Lösungen ins Unternehmen zu bringen, rät Jonke kleinen und mittleren Firmen, neue Denkweisen zu unterstützen und interdisziplinäre Zusammenarbeit zu fördern. Es gehe darum, ein innovationsfreundliches Klima zu schaffen, in dem Experimente ausdrücklich erwünscht sind und Scheitern als Lernchance gilt. „Jede Idee zählt, egal ob sie vom Management oder vom Werkstudenten kommt“, so Jonke.

Für ihn sind Innovationen kein Thema der Theorie, sondern der Praxis. „Sie funktionieren nicht durch Anweisung, sondern durch Erlebbarkeit“, sagt der Unternehmenschef.
Erst kürzlich haben die U-Experten zum Beispiel im ersten Stock des Gebäudes eine Pappküche aufgebaut, ausgestattet wie ein Bestelltresen im Fast-Food-Restaurant. Sie wollten Antworten finden auf die Frage, wie künstliche Intelligenz dort eingesetzt werden kann.

Wenn die Kasse die Pommes anwirft

So entstand etwa die Idee, dass die Kasse die Fritteuse anwirft, sobald ein Kunde seine Pommes bezahlt hat. Außerdem empfiehlt Jonke Unternehmen den kontinuierlichen Austausch für neue Impulse – sowohl intern als auch mit externen Partnern, Kunden oder Start-ups. „Da draußen gibt es noch viel mehr gute Ideen“, ist sich Jonke sicher.