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Anziehend auch für KI? Reiseziele müssen digital sichtbar bleiben

Anziehend auch für KI? Reiseziele müssen digital sichtbar bleiben

© Edler von Rabenstein/Adobe Stock

Prompt gebucht

Immer mehr Reisende nutzen KI-gestützte Sprachmodelle, um ihren Urlaub zu planen. Für Tourismusbetriebe wie Hotels oder Autovermieter hat das große Auswirkungen – wie sie reagieren können.

Von Sabine Hölper, IHK-Magazin 7-8/2026

Es ist leider nur ein Schreibtisch-Experiment. Sonst würde die Autorin dieses Texts im Spätsommer ein paar Nächte in diesem 4-Sterne-Hotel in München verbringen, mit Spa und Fitness, alle Sehenswürdigkeiten in Laufnähe. Wie sie unter Hunderten Münchner Hotels auf das Haus im Herzen der Stadt gekommen ist? Sie hat ChatGPT befragt, genau angegeben, was ihr bei Lage und Ausstattung wichtig ist – und die Empfehlung für exakt dieses Hotel erhalten.

Immer mehr Menschen planen ihren Urlaub oder ihre Geschäftsreise mithilfe von KI-gestützten Chatbots wie ChatGPT oder Gemini. Während sie früher auf Plattformen wie zum Beispiel booking.com nach Hotels suchten und auf der Website des Tourismusverbands Sehenswürdigkeiten recherchierten, geben sie heute einen Prompt ein. Sie formulieren, wonach sie suchen – und bekommen in Sekundenschnelle passende Ergebnisse geliefert.

Im Trend: Urlaubsplanung mit KI

Wie weit diese Entwicklung bereits vorangeschritten ist, zeigt eine aktuelle Studie des Verbands Internet Reisevertrieb e.V. (VIR) in Unterhaching, die sich mit dem Onlinereisemarkt beschäftigt. Demnach haben in Deutschland schon 17 Prozent der Bevölkerung zwischen 18 und 75 Jahren KI-Tools im Zusammenhang mit Urlaubsreisen genutzt, das sind mehr als 10 Millionen Menschen. Weitere 35 Prozent (etwa 21 Millionen Personen) können sich eine zukünftige Nutzung vorstellen.

Michael Buller, Vorstand des Verbands Internet Reisevertrieb, im Porträt mit hellem Sakko, weißem Hemd und runder Brille vor neutral grauem Hintergrund.

© VIR

Es ist erstaunlich, wie schnell sich die KI durchgesetzt hat.

Michael Buller, Vorstand Verband Internet Reisevertrieb

"Es ist erstaunlich, wie schnell sich die KI durchgesetzt hat", sagt Michael Buller, Vorstand Verband Internet Reisevertrieb (VIR). „Schließlich ist sie erst seit Ende 2022 in der Form zugänglich.“ Die VIR-Studie ergab auch, dass die Nutzer zufrieden sind. Etwa die Hälfte der Befragten bewertet die KI-Vorschläge als hilfreich. Sie schätzen vor allem, dass sie Zeit sparen und konkrete Empfehlungen erhalten.

Sich für die KI auffindbar machen …

Beides ist nachvollziehbar. Ohne die Hilfe von KI, sagt Buller, besucht ein Reisender im Vorfeld im Schnitt 25 Websites, bis er zu einem endgültigen Ergebnis gelangt. „Mit KI bekommt er in wenigen Sekunden den perfekten Trip aufgelistet, und zwar für jeden Tag seines Aufenthalts.“

Das veränderte Verhalten der Reisenden hat gravierende Auswirkungen auf die Tourismuswirtschaft. Drastisch formuliert, heißt das: Unternehmen, die von der KI nicht gefunden werden, ziehen im Rennen um die Gäste den Kürzeren. Das gilt für Hotels ebenso wie für Gastronomiebetriebe, für Museen, Reiseveranstalter, Bergbahnen oder Autovermieter. Es gilt für alle in der Branche.

… mit GEO: Generative Engine Optimization

Somit gilt auch für alle: Sie müssen reagieren, um sichtbar zu bleiben beziehungsweise wieder sichtbarer zu werden. Relevant sind dabei vor allem SEO und GEO. SEO steht für Search Engine Optimization (Suchmaschinenoptimierung). Es umfasst alle Maßnahmen, um die Sichtbarkeit einer Website in den organischen, also unbezahlten Ergebnissen von Suchmaschinen wie Google zu erhöhen. Ziel ist es, durch höhere Rankings mehr relevante Besucher (Traffic) zu gewinnen.

Generative Engine Optimization (GEO) ist eine Weiterentwicklung von SEO und bezeichnet die Optimierung von Inhalten, damit diese von KI wie ChatGPT, Perplexity oder Google Gemini als Quelle bevorzugt zitiert und erwähnt werden.

GEO – für KMU ein Muss

Person sitzt am Holztisch und gibt Reisedaten in eine geöffnete Buchungsmaske auf einem Laptop ein, um einen Urlaub bei einer Online-Reiseagentur zu planen.

Per Bot planen – dann direkt buchen

„GEO wird für touristische Unternehmen zunehmend relevant, da Reiseentscheidungen immer häufiger über KI-gestützte Suchen vorbereitet werden“, sagt Juliane Berauer, Referentin Tourismus bei der IHK für München und Oberbayern. „Wer hier nicht als vertrauenswürdige, relevante Quelle präsent ist, läuft Gefahr, im digitalen Entscheidungsprozess potenzieller Gäste gar nicht mehr vorzukommen, unabhängig von Qualität und Attraktivität des tatsächlichen Angebots.“ Daher müssten sich touristische Betriebe frühzeitig mit den Prinzipien von GEO auseinandersetzen.

Dazu gehören hochwertige und strukturierte Inhalte, transparente Informationen sowie digitale Vertrauenssignale. Die Expertin mahnt: „GEO ist kein kurzfristiger Marketingtrend, sondern ein zentraler Zukunftsfaktor für die Wettbewerbsfähigkeit der Tourismuswirtschaft – insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen, die stark auf digitale Sichtbarkeit angewiesen sind.“

Direkt auf die eigene Website

Im Münchner Platzl Hotel weiß man um die Bedeutung von GEO: Julia Skupsch, Head of Digitalisation & Revenue Management, kümmert sich mit ihrem Team darum, „Websites maschinenlesbar zu machen und somit für LLMs auffindbar zu sein“. LLMs (Large Language Models, große Sprachmodelle) sind hochentwickelte KI-Systeme, die auf der Grundlage neuronaler Netze funktionieren und trainiert werden, um menschliche Sprache zu verarbeiten.

Julia Skupsch steht lächelnd vor neutralem Hintergrund, trägt einen hellblauen Blazer über dunkler Kleidung und hat die Hände vor dem Körper gefaltet.

© Adrian Camo/Platzl Hotel Inselkammer

Der Anstieg direkter Buchungen ist ein Indiz dafür, dass vermehrt über LLMs gesucht wird.

Julia Skupsch, Head of Digitalisation & Revenue Management Platzl Hotels

Das Ergebnis der Anstrengungen: Das Unternehmen erscheint mit seinen Hotels und Restaurants in den KI-Suchanfragen der potenziellen Gäste. Dass solche Maßnahmen wichtig sind, wurde den Verantwortlichen klar, als sich das Verhältnis von Buchungen über die hauseigenen Webseiten zu solchen über digitale Plattformen wie booking.com positiv zugunsten der direkten Buchungen zu verschieben begann.

Personalisierte Vorschläge als Trumpf

„Das ist ein Indiz dafür, dass vermehrt über LLMs gesucht und gebucht wird“, sagt Skupsch. Mit den vom Unternehmen umgesetzten Maßnahmen verstärkt sich dieser Trend: Buchungen über die eigenen Webseiten nehmen weiter zu.

Der Münchner Mietwagen-Broker Sunny Cars GmbH berichtet ebenfalls von Verschiebungen der Buchungsanfragen von Suchmaschinen wie Google hin zu KI-Tools. Aus diesem Grund bauen die Münchner LLMs in ihre Websites ein. „Das macht die Buchung für die Kunden noch leichter, vor allem bekommen die personalisierte Vorschläge“, sagt Sunny-Cars-Geschäftsführer Thorsten Lehmann.

KI-Agenten optimieren Prozesse

Das Unternehmen gibt laut Lehmann mindestens eine Million Euro pro Jahr für die Implementierung von KI aus. Es hat sich einen Experten ins Haus geholt, ein eigenes Team gebildet. Dabei soll KI kein Selbstzweck sein. Es werde immer geprüft, ob der Einsatz sinnvoll ist. Den neuen Technologien offen gegenüberzustehen, sei Teil der Unternehmenskultur: „Wir wollen immer Innovationsführer sein“, sagt Lehmann. Darauf basiere der wirtschaftliche Erfolg.

Deshalb beschäftigt sich der Autovermieter schon lange mit der Optimierung von Prozessen und eben auch mit allen neuen technologischen Entwicklungen, derzeit zum Beispiel mit „Agentic AI“. Dabei übernehmen KI-Agenten zum Beispiel eigenständig Produktsuche, Vergleich und Buchung.

21 Prozent mehr Buchungen

Gleichzeitig legt Sunny Cars bei allen neuen KI-getriebenen Entwicklungen hohen Wert auf Sicherheit und Genauigkeit. „Wenn jemand seinen Mietwagen um 13 Uhr abholen will, darf der nicht erst um 14 Uhr zur Verfügung stehen“, sagt Lehmann.

Offenbar fährt Sunny Cars gut mit dieser Strategie. Das Unternehmen, seit der Gründung 1991 inhabergeführt, erwirtschaftete zuletzt 450 Millionen Euro Umsatz bei etwa einer Million Buchungen. Im vergangenen Geschäftsjahr erhöhte sich die Zahl der Buchungen um mehr als 21 Prozent.

Content-Aktualität ist das A und O

Firmen mit weniger Umsatz und Ressourcen in der IT-Abteilung können sich an spezialisierte Anbieter wenden. Bruno Löw, Geschäftsführer des Münchner Onlinemarketing-Spezialisten adMates GmbH, empfiehlt Unternehmen aus der Tourismusbranche, „eine Strategie aufzubauen, um in den Sprachmodellen sichtbar zu werden“. Das lohne sich schon ab einer mittleren Firmengröße, bei Hotels zum Beispiel ab 25 Zimmern.

Welche Maßnahmen Unternehmen einfach selbst umsetzen können? Entscheidend, sagt adMates-Chef Löw, sei „Content-Aktualität“, also die regelmäßige Pflege der Website mit neuen Inhalten. Dabei sei es wichtig, so einfach wie möglich zu schreiben – und FAQs einzusetzen. Diese Sammlungen häufig gestellter Fragen mit den dazugehörigen Antworten kommen bei ChatGPT & Co. besonders gut an.

IHK-Info: Tourismus in Oberbayern

Auf ihrer Website informiert die IHK zu aktuellen Entwicklungen in der Tourismusbranche.