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Nachhaltige Spiele – im bestehenden Olympiapark könnte ein großer Teil der Wettkämpfe stattfinden

Nachhaltige Spiele – im bestehenden Olympiapark könnte ein großer Teil der Wettkämpfe stattfinden

© Fabian Stoffers/Olympiapark

Gold für ganz Oberbayern

München träumt nach 1972 wieder von Olympia. Die Spiele könnten Aufbruchstimmung, internationale Strahlkraft und einen nachhaltigen Schub für die gesamte Region bringen.

Von Sabine Hölper, IHK-Magazin 7-8/2026

Marion Schöne weiß noch genau, was sie in den Sommerferien 1972 gemacht hat: Stundenlang saß die damals 10-Jährige auf der heimischen Couch und schaute die Olympischen Sommerspiele an. „Meine Eltern hatten extra vorher einen Farbfernseher gekauft“, sagt die heutige Geschäftsführerin der Olympiapark München GmbH.

Karlheinz Jungbeck, Tourismuspräsident des ADAC e.V., war im Spätsommer 1972 etwa im gleichen Alter wie Schöne und hat sich damals „unglaublich geärgert“. Er musste mit seinen Eltern in den Urlaub fahren. „Dabei hätte ich die Olympischen Spiele in München so gern erlebt.“ Er hofft, dass er die verpasste Chance von damals in einigen Jahren „endlich“ nachholen kann.

1972 – Aufbruch und Trauma zugleich

Jeder Deutsche, der sich noch an Wählscheibentelefone und Wum und Wendelin erinnern kann, erinnert sich auch an die Olympischen Spiele in München. Er erinnert sich an das Maskottchen Waldi, den bunten Dackel, und vielleicht auch an den Einsatz der ersten E-Fahrzeuge von BMW (s. Kasten unten).

Karlheinz Jungbeck, Tourismuspräsident des ADAC, steht im Anzug in einem modernen Gebäude und blickt frontal in die Kamera.

© ADAC/Stefanie Aumiller

Die Olympischen Spiele werden eine enorme Wertschöpfung bewirken.

Karlheinz Jungbeck, Tourismuspräsident ADAC

Allzu viele erinnern sich an den legendären Satz des damaligen IOC-Präsidenten Avery Brundage „The games must go on“, an die Worte des Münchner Oberbürgermeisters Hans-Jochen Vogel (SPD), der die Spiele in vor und nach dem Attentat am 5. September 1972 einteilte. Und alle Zeitzeugen erinnern sich, dass aus dem „Millionendorf“ die „Weltstadt mit Herz“ wurde – und es seither ist. Der architektonisch ikonische Olympiapark zieht bis heute jährlich mehrere Millionen Besucher an.

„Alles unter einem Dach“

„Es wäre ein tolles Narrativ, wenn die Olympischen Sommerspiele nach mehr als 60 Jahren wieder in München ausgetragen würden“, sagt Schöne, die noch bis Ende 2026 Olympiapark-Chefin ist. Ein Großteil der Wettbewerbe würde im Olympiapark stattfinden, dem Herzstück des Bewerbungskonzepts – im Stadion etwa Leichtathletik-Wettbewerbe.

„Alles unter einem Dach“ soll das Motto der Spiele der kurzen Wege sein, immerhin befinden sich 90 Prozent der Spielstätten in einem Radius von weniger als 30 Kilometern rund um das Olympische Dorf.

Ziel: ressourcenschonend und energieeffizient

Und wieder könnte die Landeshauptstadt zeigen, dass Olympia Aufbruchstimmung erzeugt. Wie damals, als die S-Bahn-Stammstrecke, die erst 1974 in Betrieb gehen sollte, plötzlich doch pünktlich zur Eröffnungsfeier im August 1972 fertig war. So könnten in den nächsten Jahren wichtige bereits geplante Projekte bei Wohnungsbau und Infrastruktur in Angriff genommen und schneller fertiggestellt werden.

Es könnten zudem nachhaltige und ressourcenschonende Spiele werden, denn die heimischen Betriebe könnten zusammen mit den Veranstaltern neue Standards in der Bauweise, in der Energieeffizienz und der Stadtentwicklung setzen.

Klares Ja der Münchner Bevölkerung

Die Münchner haben sich bereits für die Spiele ausgesprochen. Im vergangenen Herbst 2025 sagten sie in einem Bürgerentscheid mit einer deutlichen Mehrheit von 66,4 Prozent klar Ja zu Olympia. Die Gründe sind vielfältig. Nach den European Championships 2022 ist der Wunsch nach einem erneuten großen Sportfest in der Stadt stark. Ein weiteres zentrales Argument ist, dass München bereits über etliche Sportstätten verfügt, insbesondere den Olympiapark. Die Sanierung dieser Anlagen statt umfassender Neubauten ist nachhaltig.

Schub für Infrastruktur und Wohnungsbau

Hinzu kommt, dass im Anschluss an die Spiele „urbane Sportarten“ für die Bevölkerung im erweiterten Olympiapark bestehen bleiben. Von der Nachnutzung profitieren die Münchner Sportwelt und Bevölkerung: In den Sportstätten von 1972 trainieren heute Sportvereine und ist der Sportnachwuchs zu Hause.

Auch dringende Infrastrukturprojekte erhalten im Rahmen von Großereignissen wie Olympia in der Regel einen Schub – auch finanziell. Paris erlebte durch die Olympischen Spiele 2024 einen signifikanten Ausbau der Infrastruktur, besonders in den nördlichen Vororten. Es wurden der Nahverkehr ausgebaut, 180 Kilometer Radwege angelegt, die Wasserqualität der Seine verbessert und das Olympische Dorf in Wohnraum umgewidmet.

Ein solcher Schub wäre auch für München wünschenswert, mit einem Turbo beim Wohnungsbau, dank des Olympiadorfs im Münchner Nordosten, mit Projekten im öffentlichen Nahverkehr wie dem U-Bahn-Ausbau oder der ICE-Anbindung des Flughafens.

Sieben Männer stehen nebeneinander in einem Saal, vier von ihnen halten geöffnete Mappen mit dem Olympia-Memorandum der bayerischen Wirtschaft in den Händen.

Memorandum überreicht – Frank Hüpers, Hauptgeschäftsführer Arbeitsgemeinschaft bayerische Handwerkskammern, BIHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl, Innenstaatssekretär Sandro Kirchner, Ministerpräsident Markus Söder, Oberbürgermeister Dominik Krause, Christian Schottenhamel, Sprecher Bündnis pro Olympia, Wolfram Hatz, Präsident vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (v.l.)

Auch Wirtschaft pro Olympia

Die heimische Wirtschaft unterstützt die Bewerbung für die Austragung der Olympischen und Paralympischen Spiele in München und der Region daher ausdrücklich. Ein entsprechendes Memorandum überreichte Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK), zusammen mit anderen Vertretern der bayerischen Wirtschaft Ende Mai dem Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU), Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) und Bayerns Innenstaatssekretär Sandro Kirchner (CSU).

München „kann“ Großereignisse

Das Memorandum verweist unter anderem darauf, dass die ganze Region eine erstklassige und gut vorbereitete Gastgeberin für das größte Sportfest der Welt sei. München habe nicht nur Erfahrung darin, international angesehene Großveranstaltungen vom Oktoberfest über die Sicherheitskonferenz bis hin zu Weltleitmessen erfolgreich zu organisieren. Die Stadt zeichne sich auch durch gelebte Begeisterung und Leidenschaft sowie die gesellschaftliche Akzeptanz für solche Events aus.

Sich innovativ und weltoffen zeigen

Die Befürworter der Bewerbung haben gute Argumente auf ihrer Seite. „Olympische und Paralympische Spiele lösen Investitionen aus, die unsere Region dringend braucht: leistungsfähige Verkehrsachsen, moderne Mobilität und neuen Wohnraum“, sagt IHK-Tourismusexpertin Juliane Berauer. „Olympia kann diese Vorhaben beschleunigen und damit dauerhaft die Wettbewerbsfähigkeit Münchens und Oberbayerns stärken. Die Spiele haben eine globale Strahlkraft und bieten die Chance, München und die Region erneut als innovative, leistungsfähige und weltoffene Wirtschaftsregion zu positionieren.“

Enorme Wertschöpfung erwartet

ADAC-Tourismuspräsident Jungbeck ist überzeugt: „Die gesamte Tourismusbranche erfährt durch sportliche Großereignisse eine enorme wirtschaftliche Wertschöpfung.“ Er weiß es aus eigener Erfahrung. In den Jahren 2023 bis 2025 veranstaltete der ADAC jährlich die „Central European Rally“, ein in Deutschland, Österreich und Tschechien ausgetragenes Autorennen. Ein Marktforschungsinstitut hat errechnet, dass in den teilnehmenden Regionen jedes Jahr eine Wertschöpfung von gut 49 Millionen Euro erwirtschaftet wurde, in nur jeweils 4 Tagen. „Die Olympischen Spiele werden ein Vielfaches abwerfen“, prognostiziert Jungbeck.

Rückblick: Die ungeplante Elektro-Premiere

Orangefarbener BMW 1602 Elektro von 1972, Seitenansicht vor moderner Gebäudefassade; Prototyp, der bei den Olympischen Sommerspielen in München eingesetzt wurde.

© BMW

Auftritt bei Olympia – der BMW 1602 Elektro aus den Anfängen der E-Mobilität

Er sollte nie öffentlich auftreten, sondern nur ein Versuchsfahrzeug sein. Und dann fuhr er gleich vor einem Millionenpublikum: der BMW 1602e, damals von dem Münchner Autokonzern etwas schlicht „BMW Elektrowagen“ genannt, aber ein Meilenstein in der frühen Elektromobilität von BMW.

Bereits 1969 begannen die Münchner mit der Erforschung und dem Testlauf von Elektroantrieben. Bei den Olympischen Sommerspielen 3 Jahre später erhielten die beiden Prototypen einen Auftritt auf großer Bühne. Sie dienten als Begleit- und Kamerafahrzeuge für die Geher und Marathonläufer. „Der Einsatz des BMW 1602 Elektro bei den Marathon-Wettkämpfen der Olympischen Spiele in München 1972 hätte treffender nicht sein können, weil er im Sinne der Athleten geräuschlos und abgasfrei war“, sagt Helmut Käs, Leiter der BMW Group Classic.

Batterietausch per Kran

Der 1602e basierte auf der Sportlimousine BMW 1600, sah unter der Motorhaube freilich komplett anders aus: Dort waren auf einer speziellen Palette 12 Blei-Säure-Batterien installiert. Das Batteriepaket wog 350 Kilogramm. Die Palette konnte zwar als Ganzes ausgetauscht werden, um die geringe Reichweite von nur etwa 30 bis 60 Kilometern auszugleichen. Nur brauchte man wegen des großen Gewichts dazu einen Kran. Somit ist auch klar, dass die Geschichte vom heimlichen Batterietausch in einem Tunnel während der Wettkämpfe nicht wahr sein kann. Sie wurde wohl erzählt, um die Schwächen der damaligen Technik zu dramatisieren.