Von Melanie Rübartsch, IHK-Magazin 3/2026
Majda Delic hat es geschafft. Die 36-Jährige ist die erste Fachkraft, die das neue Verfahren der Berufsvalidierung in Bayern erfolgreich absolviert hat. Nachdem sie 2015 aus Bosnien und Herzegowina nach Bayern gezogen war, fand sie schnell über eine Zeitarbeitsfirma eine Anstellung als Aushilfskraft in der Produktion der Glockenbrot Bäckerei GmbH & Co. OHG in Bergkirchen bei München. Rasch arbeitete sie sich ein und wurde nach nur knapp 2 Jahren von der Großbäckerei, die seit Ende 2025 Teil der Harry-Brot Group SE & Co. KG ist, fest übernommen.
Ganz zufrieden war sie aber nicht. „Die Arbeit hat mir von Anfang an sehr viel Spaß gemacht“, sagt Delic. „Aber es hat mich irgendwann gestört, dass ich für meine erlangten Qualifikationen überhaupt keinen offiziellen Abschluss oder Nachweise hatte.“ In ihrer Heimat hatte sie eine kaufmännische Ausbildung absolviert. Diese wurde in Deutschland aber nicht anerkannt.
Erste Fachkraft mit Nachweis
Über ihre Situation sprach Delic unter anderem mit Sabine Weil, Ausbilderin am Standort Bergkirchen. Ihr kam sofort die neue Möglichkeit in den Sinn, über die IHK für München und Oberbayern eine sogenannte Berufsvalidierung anzustoßen. Seit Anfang 2025 gibt es dieses Verfahren, in dem Fachkräfte mit langjähriger Erfahrung, aber ohne offiziellen Berufsabschluss ihre berufliche Handlungsfähigkeit in einem der Tätigkeit entsprechenden Referenzberuf feststellen und bescheinigen lassen können (siehe Kasten unten: Die Schritte zur Berufsvalidierung). „Ich habe direkt am 2. Januar 2025 bei der IHK angerufen“, erzählt Sabine Weil. „Wir waren mit die Ersten in Bayern, die das Verfahren angestoßen haben.“
Im Oktober 2025 war Majda Delic dann auch die erste Fachkraft in Bayern, die über das Validierungsverfahren ein Zeugnis erhielt – in ihrem Fall über die „vollständige Vergleichbarkeit mit der beruflichen Handlungsfähigkeit einer Fachkraft für Lebensmitteltechnik“. „Als mir die Prüfer nach fast 6 Stunden mitgeteilt haben, dass sie mehr als zufrieden mit meiner Leistung waren, war ich überglücklich“, so Delic. Es fühle sich einfach gut an, eine Bescheinigung darüber zu haben, was man kann.
Auch Arbeitgeber profitieren
Aus Sicht von Mirjami Wirth, Koordinatorin des Validierungsverfahrens für die IHK für München und Oberbayern, ist diese neue Möglichkeit einer beruflichen Anerkennung eine Win-win-Situation für Mitarbeitende und Unternehmen. Langjährige Fachkräfte erhalten die Chance, erworbene Kompetenzen offiziell mit den Anforderungen des geltenden Berufsbildungssystems vergleichen und bewerten zu lassen.
„Zugleich bekommen die Unternehmen einen Nachweis über das Können ihrer Mitarbeitenden und haben in Zeiten des Fachkräftemangels ein weiteres Instrument für die Mitarbeiterbindung und -förderung.“ Voraussetzung für die Validierung ist, dass die Antragstellenden mindestens 25 Jahre alt sind und mindestens das 1,5-Fache der regulären Ausbildungszeit des Referenzberufs als einschlägige Berufserfahrung nachweisen können.
Die Gründe für einen fehlenden Abschluss können unterschiedlich sein: Die einen haben ihre Prüfung nicht bestanden, aber dennoch jahrelang als Hilfskraft gearbeitet. Andere kommen aus dem Ausland und können das in der Heimat Gelernte nicht anerkennen lassen. Wieder andere sind als Quereinsteiger oder nach längerer Jobpause in einer neuen beruflichen Praxis gelandet.