Deutschland tut sich schwer mit der kommerziellen Umsetzung. Wie bekommen wir das besser hin?
Man kann da einiges von Elon Musk lernen. Der sagt sich: Ich nehme jede Subvention mit, die ich kriegen kann, aber meine Strategie ist sehr klar: Ich will am Ende mit meinem Geschäftsmodell auch in einem harten Markt wie beispielsweise Indien Geld verdienen. Wer das nicht schafft, wird scheitern. Das habe ich beim Niedergang der deutschen Solarindustrie selbst miterlebt.
Klimaindustrie forcieren
Wie haben es die Chinesen geschafft, uns da so abzukochen?
Die haben die Schwäche gesehen und eiskalt genutzt: Die deutschen Solarhersteller waren zu träge. Für sie war es einfacher, in Berlin höhere Einspeisevergütungen zu beantragen, als zu versuchen, in Malaysia wettbewerbsfähig zu sein. China hat 2007 Maschinen für die Produktion von Solarzellen bestellt. Die hatten nur Deutschland im Visier. Alle sahen das, keiner hat reagiert. So etwas darf uns nie wieder passieren.
Sehen Sie keinen Lerneffekt?
Die EU macht mit ihrer Klimapolitik den alten Fehler. Sie reguliert, verbietet und subventioniert. Sie hat aber kaum Maßnahmen ergriffen, um eine wettbewerbsfähige Klimaindustrie aufzubauen. Es heißt nur immer abstrakt: Klimaschutz, da gibt es riesige wirtschaftliche Chancen.
Hightech als Wachstumsbringer
Was ja stimmt.
Ja, super Einsicht, sehr schön. Den Markt für Solar haben wir aber komplett verloren, beim Wind sind wir dabei, ihn zu verlieren, die Batterien haben wir verloren. Da sage ich: Come on, Europa, was ist los? Die EU-Politik hilft noch nicht einmal dem Klimaschutz: Die Schlacht um die Erreichung der globalen Klimaziele wird in Asien entschieden. Dort haben wir aber nur Einfluss, wenn wir kompetitive Lösungen liefern.
Nötig sind innovative Hightech-Lösungen. Daran arbeiten Sie doch.
Absolut. Gemeinsam mit der Boston Consulting Group und der UnternehmerTUM haben wir in einem Report Wachstumspfade aufgezeigt. Wir machen deutlich, wie aus der Hightech Agenda Deutschland eine Wachstumsstrategie generiert werden kann. Es geht um die Themen KI/Robotik, Mikroelektronik, Quantentechnologien, Biotech, Energie und nachhaltige Mobilität.
Ukraine: Testfeld für Defense-Industrie
Wo stehen wir da im Wettbewerb?
Bei einigen Themen sind wir gut dabei, bei anderen sind wir weit abgehängt. Da könnten wir ganze Branchen verlieren.
Lassen sich solche Rückstände überhaupt aufholen?
2022 hatten wir fast keine Unternehmen im Verteidigungsbereich. Dann kam der Ukraine-Krieg. Heute haben wir im Münchner Raum den größten Defense-Tech-Hub Europas. Da sprechen wir primär über Cyber/AI, autonome Systeme, den Weltraum und das elektromagnetische Spektrum von Radar bis Laser. In der Ukraine sind 6 unserer Teams aktiv. Unter Beteiligung der Bundeswehr-Uni hat zum Beispiel ARX Robotics dort ihre selbstfahrenden Fahrzeuge im Einsatz. ARX kann heute der NATO sagen: Hier habt ihr eine Lösung, die ist kampferprobt.
Mitgründer des Munich Quantum Valley
Was tut sich in den anderen Labs?
Wir sind heute der New Space Hub in Europa. Auch in Agro/Food haben wir die stärkste Start-up-Pipeline. Bei KI haben wir eine Kooperation mit der ETH Zürich und Baden-Württemberg („AI Triangle“), unterstützt von der Dieter Schwarz Stiftung. Wir bauen in unserem Campus in Heilbronn ein KI-Cluster auf. Neben der TUM kommen die ETH Zürich und das Max-Planck-Institut dorthin. Bei Robotics arbeiten wir mit New York Robotics und Japan zusammen. Auch beim Quantencomputing geht es voran. Wir haben das Munich Quantum Valley mitgegründet.
Haben wir bei Chips eine Chance?
Als wir hier angefangen haben, hielt ich das für aussichtslos. Dann begann die Bundesregierung, in Dresden eine Chip-Produktion aufzubauen, Infineon kam als Partner rein. Zum Glück haben wir herausragende TUM-Lehrstühle für Mikroelektronik und Chip-Design. Wir arbeiten eng mit der TU Eindhoven zusammen, die von den holländischen Weltklasse-Herstellern wie ASML und NXP unterstützt wird. Heute haben wir eine gute Semicon-Pipeline. Es ist toll, wenn man so etwas miterlebt.
Kooperation mit dem Mittelstand
Die Bundesregierung will das TUM-Modell bundesweit verbreiten. Ist das der richtige Ansatz?
Ich finde diese „Start-up Factories“-Initiative klasse. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, um die Tech-Souveränität Europas wieder aufzubauen. Das Ganze ist gut angelaufen. Wir haben mit 10 Start-up-Hubs angefangen, die UnternehmerTUM steuert das als Koordinationszentrum mit ihrem Learning and Exchange Center. Das schafft Synergien.
Sind auch Mittelständler für Sie als Partner interessant?
Ja, wenn sie entsprechende Ambitionen haben. Unsere Start-ups wollen nicht klein bleiben. Die Durst GmbH ist ein Beispiel, bei dem die Zusammenarbeit mit uns jetzt anläuft. Das ist ein Familienunternehmen, das die Dynamik eines Start-ups hat. In Straubing kooperieren wir eng mit mittelständischen Unternehmen, ebenso wie im mittelständisch geprägten Heilbronn.
Von Bayern an die Weltspitze
Kommt der nächste Global Player aus München?
Mit Sicherheit. Das Unternehmen Proxima Fusion ist sehr aussichtsreich. Der Stellerator ist für Kernfusion die vielleicht beste Technologie. Das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik, aus dem das Unternehmen hervorgegangen ist, ist global führend. Kann sein, dass die Amerikaner 10-mal mehr Geld haben, dann müssen wir eben smarter und besser sein. Ein Kandidat ist auch Marvel Fusion, die sind bei der Laserfusion sehr stark.
„Start-ups haben den Mut dazu“
Es gibt auch kritische Stimmen. Die warnen vor zu viel Start-up-Hype.
Europas beste Fusionstechnologie wird heute von einem Start-up entwickelt. Wer hätte sich das vor 10 Jahren vorstellen können? Ist irgendeines der Großunternehmen in die Quantentechnologie oder in die Fusion eingestiegen? Unsere Start-ups haben den Mut dazu.
Europäisch bleiben
Was nützt das, wenn die Gründer nur den Exit im Kopf haben?
Wenn zum Beispiel arculus, ein Münchner Software- und Robotikunternehmen, von Jungheinrich (Hamburger Intralogistikanbieter, d. Red.) gekauft wird, sehe ich da kein grundsätzliches Problem. Außerdem ist Münchens Start-up-Szene anders. Wir kopieren keine digitalen B2C-Modelle aus den USA und ein Start-up zu gründen, ist kein „Lifestyle“. Unsere Stärken sind B2B und Hardcore-Tech. Isar Aerospace hätte schon oft verkaufen können. Aber die wollen europäisch bleiben und hier groß werden.
Kapital ist vorhanden
Gibt es dafür bei uns auch genügend Kapital?
Das kann eine Hürde sein, aber Kapital ist mobil. Singapur will mit viel Geld bei uns einsteigen. Kanadische Pension Funds klopfen bei uns an. Da geht es um viele Milliarden für das nächste große Ding. Es gibt also schon Kapital, das hier investieren will.
Machen Sie uns Hoffnung. Schaffen wir die Rettung unserer Wirtschaft?
Wenn jetzt Brüssel nicht allzu sehr querschießt und Berlin sogar ein wenig hilft, dann kriegen wir das hin.