Schließlich profitieren Gemeinden und Städte von starken Firmen in ihrem Gebiet. Die Kommunen wissen auch, was die wachsenden Unternehmen aus der Sicherheitssparte brauchen. „Die Industrie sucht nach neuen Standorten, die spezifischen Anforderungen genügen müssen: Die Produktion erfordert einen Abstand zur Wohnbebauung und eine Verfügbarkeit ausreichend großer Flächen.
Zentrale Anlaufstellen gefordert
Gleichzeitig muss eine gute Anbindung an das Straßen- und Schienennetz gegeben sein“, zählt Wirtschaftsreferent Gleich vom Bayerischen Städtetag auf. „Notwendig ist auch ein lebenswertes Umfeld für die Menschen, die als Angestellte in die Stadt kommen.“
Was da helfen könne? Verständlicherweise wünsche sich die Wirtschaft zentrale Ansprechpartner und schnellere Genehmigungsprozesse, meint Gleich. Nur ließen sich diese nicht von heute auf morgen verändern. „Viel entscheidender sind unseres Erachtens eine zentrale Anlaufstelle und klare Kommunikationswege. Bei kleineren Kommunen kann dies die Bürgermeisterin oder der Bürgermeister sein, bei größeren Kommunen der Wirtschaftsförderer oder die Baureferentin“, so Gleich.
Zusätzliche Arbeitsplätze entstehen
Wie erfolgreiche Zusammenarbeit von Kommune und Unternehmen in der Praxis aussehen kann, zeigt das Beispiel der MBDA Deutschland GmbH in Schrobenhausen: Ende 2024 erfolgte dort der erste Spatenstich für die Erweiterung einer neuen Produktionsanlage. In Bayern entsteht europaweit das 1. Werk für Patriot-Lenkflugkörper. „Durch die Standorterweiterung mit umfangreichen Baumaßnahmen wurden und werden viele zusätzliche Arbeitsplätze mit langfristiger Perspektive in der Region geschaffen“, sagt der zuständige MBDA-Manager Ralf Schlingmann.
Er spricht von „Synergien zwischen Firmeninteressen, Interessen unserer Beschäftigten und Interessen der Kommunen“. Während der Genehmigungsverfahren habe man eine sehr gute Unterstützung von sämtlichen staatlichen Stellen erhalten. „In Summe gab es keine unüberwindlichen Hindernisse und die Genehmigungsbehörden haben zügige Genehmigungsverfahren unterstützt und gefördert.“
Pragmatismus statt „Goldrandlösungen“
Als größte Herausforderung nennt Schlingmann den „enormen zeitlichen Druck“, der auch die interne Organisation betrifft: „Wir mussten unsere Bauabteilung seit 2024 erheblich vergrößern, um die derzeit 17 Großbaustellen zusammen mit Planungsbüros zu betreuen.“ Aus den Fachbereichen wurden Experten ausgewählt, die neben ihrer täglichen Arbeit an der Planung und Einrichtung neuer Gebäude mitarbeiten. „Für die meisten sind diese Aufgaben neu“, so Schlingmann.
Es müsse an alles gedacht werden und dabei sei keine Zeit für „Goldrandlösungen“. Auf Basis seiner Erfahrungen rät Schlingmann Unternehmen, die sich neu ansiedeln oder vergrößern wollen, unbedingt frühzeitig Kontakt mit den beteiligten Behörden und Fachstellen aufzunehmen.
Aufträge für lokale Firmen
„Aus unserer Sicht ist eine transparente Kommunikation ganz entscheidend“, betont er. „Auch wenn Pläne nicht fertig sind, lohnt es sich, die jeweiligen Entwürfe auszutauschen und alle Beteiligten mit auf die Reise zu nehmen.“
Wird das Projekt dann umgesetzt, sei es sinnvoll, lokale Firmen zu beauftragen. „Das Netzwerk regionaler Unternehmen und das Netzwerk mit den Genehmigungsbehörden hat uns nachhaltige Lösungen und Flexibilität gebracht“, so Schlingmann. „Wenn wir auf Hilfe angewiesen waren, haben wir gute Erfahrungen mit langfristigen Partnerschaften gemacht und allein wegen der regionalen Nähe mit lokalen Partnern immer auch kurzfristig Hilfe erhalten.“
Produktion auf 250.000 Quadratmetern
Darauf könne man auch in Zukunft zurückgreifen. Denn durch den steigenden Bedarf an zusätzlichen Verwaltungs- und Produktionsflächen werde MBDA weitere Flächen kaufen. Derweil plant das Verteidigungs-Start-up Helsing GmbH den Erwerb eines rund 250.000 Quadratmeter großen Grundstücks in Hallbergmoos. Das Münchner Unternehmen hatte im vergangenen März einen Großauftrag der Bundeswehr zur Produktion von Drohnentechnologie erhalten. Auf dem Gelände der „Senderwiese“ soll nun eine Produktionsanlage mit automatisierten Montagelinien entstehen.
3-stelliger Millionenbetrag
In einem weiteren Schritt ist der Aufbau eines Technologiehubs für Forschung und Entwicklung vorgesehen. In das Projekt soll ein 3-stelliger Millionenbetrag fließen. Rund 300 Arbeitsplätze sollen direkt entstehen, hinzu kommen weitere Stellen bei Zulieferern und Partnerunternehmen.
Staat schafft rechtliche Voraussetzungen
Solche Projekte sollen zunehmend leichter werden, weil Vorschriften vereinfacht werden (siehe Kasten unten). „Wir sehen aktuell einen Paradigmenwechsel: Der Staat – auf Bundes- wie auf Landesebene – schafft erstmals die rechtlichen Voraussetzungen, um Verteidigungsinfrastruktur schneller und im engen Schulterschluss mit der Wirtschaft umzusetzen“, sagt Bernhard Eichiner, Referatsleiter Industrie, Innovation, Beratung bei der IHK für München und Oberbayern.
„Entscheidend wird nun sein, dass diese Beschleunigung auch in der Praxis ankommt und Unternehmen gleichzeitig ausreichende Planungssicherheit bei regulatorischen und sicherheitsrelevanten Anforderungen erhalten.“